Hellikon

Eine Rebbergbesichtigung und Weindegustation der besonderen Art

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Am 15.September diesen Jahres hatten wir, Dank der vorzüglichen Organisation unseres Vorstandsmitglieds Herrn Thomas Greber, die Gelegenheit, den “ökologischen Weinbau am Farns- und Sunnenberg” der Familie Chiquet in Ormalingen kennen zu lernen.

Die erste Etappe führte uns zum Rebberg in Maisprach, wo wir unter fachkundiger und interessanter Führung von Herrn Claude Chiquet erfuhren, auf welche besondere Weise dort der Rebbau mit Erfolg seit Jahren durchgeführt wird.

In anschaulicher Weise erklärte uns Herr Chiquet, wie die Anwesenheit einer grossen Vielfalt von Insekten und Pflanzen im Bio-Rebberg ein Ueberhandnehmen von Schädlingen begrenzt. Wir, als aktive Naturschützer, nahmen deshalb mit besonderer Freude zur Kenntnis, dass das gezielte Einsäen von Blütenpflanzen und tiefwurzelnden Leguminosen (Absorption des Stickstoffes aus der Luft und Einlagerung desselben in den Wurzeln) zur Stickstoffversorgung der Reben einerseits und als Futterquellen für Insekten andererseits dienen. So gesehen kann man wohl mit Recht davon ausgehen, dass sich in in einem solch, zwar “gezielt heterogenen”, aber dennoch auch weitgehend sich selbst überlassenem Refugium, im Laufe der entscheidenden Phasen ein “ökologisches Gleichgewicht” herausbildet. Es überraschte uns besonders, zu erfahren und zu sehen, dass selbst Wespen “geduldete Kostgänger” an den Trauben sind. Verzehren sie doch lediglich einen vernachlässigbar geringen Teil der Frucht, stellen aber einen wichtigen Bestandteil des gesamten natürlichen Systems dar.

Wir erfuhren von Herrn Chiquet, dass er PIWI-Weine anbaut!

Doch was sind PIWI-Weine?                                                                                                              Die hauptsächlichsten Krankheiten, welche heutzutage einen gezielten Pflanzenschutz im Weinbau bedingen, sind die Pilzkrankheiten “falscher und echter Mehltau”, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit neuen Rebsorten von Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurden. Durch diesen Einfall und der zur selben Zeit bereits sehr verbreiteten Reblaus drohte der Weinbau in Europa gar gänzlich zugrunde zu gehen. Daher sehen sich die europäischen Weinbauern seit daher gezwungen, alle traditionellen Rebsorten jedes Jahr regelmässig mit Fungiziden zu behandeln. Geschieht dies nicht, kann ein Pilzbefall die gesamte Traubenernte vernichten.

Aus dieser Not heraus wurden aus Kreuzungen zwischen Europäerreben und pilzresistenten amerikanischen Arten sogenannte pilzwiderstandsfähige Reben (PIWI's) gezüchtet. Die meisten heute verbreiteten Sorten entstanden um die vorletzte Jahrhundertwende in Frankreich. Mit der erzielten Pilzsresistenz und erwünscht vorhandenen Reblausresistenz der amerikanischen Reben waren die Winzer nun in der Lage, diese Eigenschaften mit den guten Weinqualitäten der Europäersorten zu kombinieren. Darüberhinaus sind die weinspezifischen Polyphenole, welche übrigens auch eine schützende Funktion bei Herz- und Kreislaufstörungen des Menschen ausüben, für das Immunsystem der Rebe von (über-) lebenswichtiger Bedeutung.

Mit den PIWI's findet also so gesehen eine Symbiose von Pilzresistenz und Weinqualität statt. Damit näherte man sich wieder jener weinbaulicher Möglichkeiten, die vor dem Aufkommen der Pilzkrankheiten bestand. Dass sich aus diesen pilzwiderstandsfähigen Rebsorten auch noch Weine hestellen lassen, die bei Verkostungen mit vielen Preisen bedacht werden, spricht für sich.                              

Krönender Abschluss unserer interessanten Exkursion bildete die Besichtigung des Barrique-Weinkellers, mit der speziellen Erörterung des Champagner-Verfahrens, und die Weindegustation. Wir lernten bekannte und überraschende Aromastrukturen kennen und konnten, sozusagen             -in Symbiose mit einem zünftigen “Z'vieri”-, nicht nur unseren Weinhorizont erweitern, sondern auch das Zusammmenspiel zwischen Pflanzen- und Tierwelt im Einklang mit den -auch kulinarischen- Interessen des Menschen näher kennen lernen.

Auf dem Heimweg waren sich alle Teilnehmenden darin einig, an diesem Tag “dem Himmel ein Stück näher gewesen zu sein!”

Erwin Miosga

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