Am Freitagabend, 28. Februar,  war im Jugendtreff „Zündschnur“ der Ref. Kirchgemeinde Meisterschwanden-Fahrwangen ein besonderer Gast anzutreffen. In Anzug und Krawatte stand ein 58-jähriger Mann vor rund 40 Jugendlichen, die meisten im Alter von 12 bis 14 Jahren. Er schien so gar nicht an diesen Ort zu passen, doch was er erzählte, fesselte die jungen Teenager von Anfang an. Bruno Graber arbeitet seit 31 Jahren in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg.

Als Vollzugsangestellter nahm er seine Arbeit in der Strafanstalt auf und leitete später 10 Jahre lang den Sicherheitstrakt; seit 2011 leitet er nun das neu erstellte Zentralgefängnis der JVA Lenzburg und damit das modernste Gefängnis der Schweiz.

Tagtäglich ist er mit dem Nicht-Alltäglichen konfrontiert: Er berichtet von Schmuggelversuchen, von aggressiven und unzugänglichen Gefangenen. Aber auch von Häftlingen, die bereits im Gefängnis sassen, als er seine Arbeit vor über dreissig Jahren dort aufnahm. Man würde es ihm auf dem ersten Blick nicht zutrauen, aber Bruno Graber beherrscht eine Mischung verschiedener Kampfsportarten.

Trotz der täglichen Konfrontation mit schwierigen und hoffnungslosen Fällen ist es dem Sozialpädagogen wichtig, zwischen Tätern und ihren Taten zu unterscheiden. Dies bedeutet beispielsweise, Gefangene nicht als Mörder, sondern als Menschen, die einen Mord begangen haben, zu betrachten. Diese Sichtweise hält die Möglichkeit zur Veränderung offen und ist Ausdruck seiner christlich geprägten Lebenshaltung.

Bruno Graber faszinierte sein junges Publikum mit vielen Bildern und Schilderungen von hinter den Gefängnismauern und beantwortete bereitwillig ihre Fragen. Bereits zum dritten Mal war er zu Gast in einem Spezialanlass des Jugendtreffs „Zündschnur“, die von einem Team der reformierten Kirchgemeinde Meisterschwanden-Fahrwangen mehrmals im Jahr organisiert werden. (IN)