.) Ja, das war schon ziemlich aussergewöhnlich, ein Einfrautheater im Ochsensaal Wölflinswil. Nonstop, mit 75 Minuten Dauer, ohne Souffleur-Kasten, alles solo. So etwas konnte nur die Schauspielerin Lisbeth Felder schaffen, welche kürzlich ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte. Sie ist nicht nur mit Stadttheater, Auftritten in der Schwarzwaldserie SWR „Die Fallers“ und Hörspielen vertraut,   sondern auch mit Soloprogrammen. Mit „Die Greisin auf dem Dach“ zog sie buchstäblich alle Register ihrer schauspielerischen Erfahrung von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, von turbulenten Alltagsschilderungen bis hin zu Träumereien und dem dahinmurmelnden Selbstgespräch in geruhsamer Pose auf der Sitzbank. Inhaltlich hat sie das Stück an das Werk der Grande Dame der Schweizer Literatur, Margrit Schriber angelehnt, aber mit eigenem Genre recht eigenwillig in Szene gesetzt. Hochmut und Habgier sind die Fallstricke einer Mutter-Sohn-Beziehung, die endgültig im Streit um das Elternhaus zerbricht. Es sind kleine Besonderheiten und doch wieder knallige Aussagen, welche nach dem Roman “Rauchrichter“ plötzlich wieder tiefgründige Zusammenhänge aufzeigen. Sohn Konrad wird nicht einfach als Prasser und Tyrann dargestellt, sondern auch simpel damit, dass er mit Luxusjachten auf dem Vierwaldstättersee ebenso prahlerisch umgeht wie mit den teuersten Autos und dabei bröckelt die Fassade des Elternhauses mehr und mehr, während die Mutter bejammert: Muss Konrad alles besitzen und zugleich alles verschleudern.

Die Ambiance des Ochsensaales – bald der einzige Gasthof-Saal weit und breit, wo sich auch ein Kleintheater etablieren kann - liessen den Verein „dorfplus“ und die Kulturkommission gerne das Soloprogramm hier vortragen. Der Besuchererfolg mit vollem Haus und vielen Gesprächen im zweiten Teil – auch mit der Schauspielerin selbst - gab den Veranstaltern recht. Auffallend war im Publikum eine grössere Zuschauer-Schar aus Zeihen, wo Lisbeth Felder aufgewachsen ist und aus dem Kreis der Ehemaligen der Bezirksschule Frick