Am Waldumgang im September erfuhren gegen 70 Interessierte nicht nur viel Wissenswertes über die Jagd. Auch der von Felice Vögele gespendete Brunnen wurde eingeweiht.

Der diesjährige Waldumgang stiess bei der Freienwiler Bevölkerung auf grosses Interesse. Auf dem Fussweg vom Cholhufe zur Waldhütte waren drei Posten zum Thema Jagd eingerichtet. Am ersten Posten stellte Jagdaufseher Walter Frey die Wildtiere vor, die am Siggenberg leben. «Passen Sie jetzt gut auf, am Ende gibt es ein kleines Quiz», warnte er schmunzelnd. So erfuhren die Anwesenden nicht nur, wie viele Zähne Fuchs, Reh und Co. haben und wann Nachwuchs kommt. Auch die Arbeit der Jäger erklärte Frey: «Wir gehen nicht einfach in den Wald und ballern herum.» Zusammen mit der Fachstelle des Kantons (Sektion Jagd und Fischerei) und dem Forstamt werden jeweils die Abschusszahlen für das Rehwild festgelegt. Im Freienwiler Wald sind es 19 Rehe für dieses Jahr. Nächster Termin: Freitag, der 23. November.

Wild angefahren? Sofort melden!

Eindringlich wies Walter Frey auf die sofortige Meldepflicht von Kollisionen mit Wildtieren hin: «Es geht dabei um Tierschutz – ein angefahrenes Tier soll nicht lange leiden.» Die Meldung kann einerseits via die Gratis-App «AG Jagdaufsicht» gemacht werden, die mittels GPS den Standort ermittelt und die Daten dem zuständigen Jagdaufseher weiterleitet. Wer die App (noch) nicht heruntergeladen hat, kann alternativ die Polizei via 117 anrufen, «selbst wenn Sie vielleicht ein Glas zu viel getrunken haben. Die Polizei wird sicher nicht zur Unfallstelle kommen, sie meldet es ebenfalls der diensthabenden Jagdaufsicht.» Der Jagdaufseher stelle dann vor Ort auch das Unfallprotokoll aus, das man für die Versicherung benötige.  

Demonstration der Spürnase 

Am zweiten Posten erwartete Jagdpächter Oswald Drack die Freienwiler zusammen mit seiner Weimaraner Hündin Nela. Zusammen demonstrierte das eingespielte Duo, wie Jagdhunde ihren hervorragenden Geruchssinn bei der Jagd einsetzen. Auch hier ist das Stichwort Tierschutz: «Nach einer Kollision werden Rehe oft einige Meter ins Dickicht geschleudert, oder sie schleppen sich mit aller Kraft weg von der Unfallstelle», erklärte Drack. Da Unfälle oft nachts passieren, ist der Mensch im Dunkeln fast chancenlos, ein verletztes Tier zu finden. Da kommt Nela ins Spiel: «Ein verletztes Tier ist gestresst und sondert mehr Duft über seine Drüsen ab. Der Hund nimmt diese Fährte auf und findet das Tier.» Die Demonstration folgte prompt: Drack schickte Nela los, und schon nach kurzer Zeit kehrte die Vierjährige mit einem toten Fuchs im Fang zu ihrem Meister zurück. Vor den Augen der beeindruckten Freienwiler findet Nela schliesslich auch noch das verlorene Handy ihres Chefs im Unterholz und darf zur Belohnung spielen.

Jäger-Ausbildung soll keine Schnellbleiche sein

Am letzten Posten erklärte Adrian Schlatter von der Jagdgesellschaft Eichbrunne/Freienwil, wie man überhaupt Jäger werden kann. Im Kanton Aargau muss ein zweijähriger Lehrgang absolviert werden. «Wir legen Wert darauf, dass es keine Schnellbleiche ist», so Schlatter. In mindestens 70 Pflichtstunden erlernen künftige Jäger nicht nur die Handhabung von Waffen, sondern auch Themen wie Wildbret-Hygiene und Hochsitzbau oder Heckenpflege. Abschliessend muss eine praktische und theoretische Prüfung abgelegt werden. Auch ein Freienwiler Jagdlehrling schloss kürzlich seine Ausbildung «mit Bravour» ab. Schlatter freut sich über die steigende Anzahl von Jungjägern – von denen rund 20 Prozent Frauen sind. «Die Männer werden es nicht gerne hören, aber: Die Frauen schneiden bei den Prüfungen häufig besser als die Männer ab», erklärte Schlatter.

Die Borkenkäfer-Plage

Förster Daniel Hitz schilderte schliesslich am letzten Posten, warum die Borkenkäfer in diesem Sommer ein besonders grosses Problem seien: Durch die grosse Hitze und Trockenheit vermehrten sie sich seit Juli noch stärker. Betroffene Bäume werden gefällt und so schnell wie möglich aus dem Wald geführt. Schwierig sei es aber momentan, Abnehmer dafür zu finden: «Die Sägereien nehmen kaum mehr Holz an, ihre Lager sind seit den Stürmen im Januar schon voll.» Im Kanton Aargau lagere derzeit mindestens 100 000 Kubikmeter Schadholz! Dadurch sind auch die Preise gefallen: Bekam das Forstamt früher gut 80 bis 90 Franken pro Kubik Holz, so sind es nun durchschnittlich gerade noch 40 bis 50 Franken. Wichtig sei darum die Arbeit der Spechte, die Larven aus der Rinde holen und fressen, so Hitz. Noch sei die Borkenkäfer-Plage aber nicht überstanden: «Es ist immer noch zu warm.»

Brunnen aus weissem Kalkstein

Nach gut drei Stunden geballter Information hatten sich die Teilnehmenden einen Imbiss redlich verdient. Doch zuvor stand noch ein feierlicher Akt auf dem Programm: die Einweihung eines neuen Brunnens bei der Waldhütte, den der mittlerweile pensionierte Gemeindeschreiber Felice Vögele zusammen mit seiner Frau Margrit bauen liess. Vögele begründete sein Geschenk so: «Ich durfte 14 schöne Jahre auf der Gemeindeverwaltung Freienwil verbringen. Es war eine schöne Zeit, man liess mich arbeiten und war auch offen für meine Ideen.» Besonders die Baumpflanzaktion der Ortsbürger für Neugeborene hat Vögele durch ihre Nachhaltigkeit beeindruckt und lieferte ihm die Idee für einen Brunnen, von dem die ganze Bevölkerung noch jahrzehntelang etwas hat.

Spaziergänger, Reiter und Forstangestellte werden den neuen Brunnen schätzen. Denn eine Möglichkeit zum Händewaschen oder Trinken fehlte bei der Waldhütte bisher. Nur wer sie offiziell gemietet hatte, erhielt den Schlüssel zum Haus und damit Zugang zu Wasser. Seit Samstag ist diese «Durststrecke» nun vorbei – dem Ehepaar Vögele sei Dank!

Der 700 Kilo schwere Brunnen wurde vom Brunnenparadies in Suhr aus weissem Kalkstein angefertigt. Das Wappen mit den zwei Vögeln hat Margrit Vögele entworfen. Eingraviert wurde es von Bildhauer Timo Näf aus Suhr. Symbolisch durfte der edle Spender als Erster einen Becher Wasser zapfen und auch trinken. Gemeinderat Othmar Suter dankte dem Ehepaar für das nachhaltige Geschenk.

Zum Schluss offerierte die Gemeinde allen Anwesenden eine Wildschwein-Bratwurst von der Metzgerei Werder in Endingen, welche das Wildbret aus dem Freienwiler Wald verarbeitet. Beim abschliessenden Quiz gewann der 12-jährige Mick Thoma ein Jagd-Taschenmesser – er hatte die Fachfragen korrekt beantwortet und auch die Anzahl Kügelchen in drei Schrotpatronen am besten geschätzt: Es waren 826!