Für jedes Neugeborene wird in Freienwil ein Obst-Hochstammbaum gesetzt. Dieses Jahr kamen fünf Familien in den Genuss dieser schönen Tradition.

Das Loch ist schon gebuddelt, als Rico von Känel von der Umweltkommission der Gemeinde zum Kirschbaum-Setzling greift. Interessiert hören die anwesenden Eltern, Geschwister und Grosseltern zu, wie dieser richtig eingepflanzt wird. Dass der Wurzelballen nicht von derselben Baumsorte wie der Rest des Baums stammt, sorgt für Erstaunen. Der Ort, an dem die beiden Teile zusammengewachsen sind, nennt sich Veredelungsstelle. «Sie darf nicht eingegraben werden», erklärt von Känel, während er die dicksten Wurzeln anschneidet. So können sie besser an ihrem neuen Standort «Fuss» fassen.

Maschendrahtgitter und Verbiss-Schutz

Danach wird das Erdloch mit einem Maschendrahtgitter ausgelegt, in dem das Wurzelwerk gerade so Platz hat. Nun ist der Vater der kleinen Ina an der Reihe, für die der Kirschbaum als erster symbolisch gesetzt wird: Er darf mit einem Hammer den Holzpfosten in die Erde treiben, welcher den noch zarten Baum in der ersten Zeit stützen soll. Die Positionierung des Pfostens scheint eine Wissenschaft für sich zu sein: «Manche setzen ihn auf die Wetterseite, damit er den Baum schützt», erklärt von Känel, «andere wählen die Ostseite. Wir setzen ihn einfach dort, wo es am einfachsten geht.» Schliesslich erhält der Baumstamm noch einen Verbiss-Schutz, damit er gegen gefrässige Rehe gewappnet ist. Zum Schluss wird das Drahtgitter um das Wurzelwerk geschlossen, und Ina's grosser Bruder Laurin darf dem Papa helfen, das Ganze mit Erde zuzudecken. Fertig!

Über 170 Bäume seit 1995

Insgesamt werden am vergangenen Samstagmorgen fünf Obst-Hochstammbäume für die fünf im vergangenen Jahr in Freienwil geborenen Kinder gepflanzt. Die Freienwiler Ortsbürger spenden jeweils die Setzlinge, und der Naturschutzverein unterstützt den Anlass ebenfalls. Vereinspräsidentin Franziska von Känel-Burger erklärt die wichtige Funktion der Bäume und Kleinstrukturen wie Sträucher oder Asthaufen in der Natur: «Sie bieten wichtigen Lebensraum für viele Tierarten wie Vögel, die in den Bäumen leben.» Dank der Baumpflanzaktion ist der Bestand in und um Freienwil gesichert. Seit 1995 wurden rund 170 Bäume für Freienwiler Kinder gepflanzt. Anhand von Vogelpräparaten erfahren die Anwesenden von der Natur-Expertin noch Wissenswertes über Buntspecht, Meisen, Amseln, Finke und Falken. Die grösseren Geschwister dürfen die Exponate danach noch genauer unter die Lupe nehmen.

Nuss-, Kirsch- und Birnbäume

Bevor die restlichen Baumsetzlinge (Nuss, Birne und Kirsche) auf dem Pflanzplätz von Franz und Dora Suter sowie am Dorfausgang Richtung Hertenstein und bei Vizeammann Martin Burger gesetzt werden, können sich die Familien beim Apéro mit frischem Zopf, Äpfeln und Süssmost stärken. Die Bäume bleiben zwar Eigentum der Landbesitzer. Doch Gemeinderätin Rebecca Schneider lädt die Eltern dazu ein, «ihren» Baum regelmässig zu besuchen: «Auch wenn sich Ihr Kind später nicht mehr an den heutigen Tag erinnert, können Sie ihm davon erzählen und mit ihm zum Beispiel die verschiedenen Jahreszeiten anhand der Blätter beobachten und vielleicht sogar einmal Früchte von dem Baum probieren.»