Man kennt ihn als Chansonnier und Schauspieler: Nils Althaus ist in der Schweizer Kleinkunstszene ein bekanntes Gesicht. Kennen tut man ihn aus Filmen wie „Breakout“ oder „Dr Dällebach Kari“ – oder aus einem seiner zahlreichen Soloprogramme. Am vergangenen Samstag schaute er für den „Lyrix“- Workshop ins Literaturhaus nach Lenzburg vorbei. BandXAargau und „Jung im ALL“ haben zusammengespannt und Jungmusikern eine Chance gegeben, gemeinsam mit Althaus an ihren Texten zu feilen. Während im letzten Jahr Greis mit seinem Auftritt eher die Hip-Hop-Fraktion angesprochen hat, sprach der diesjährige Special Guest vor allem Leute aus dem Singer-Songwriter-Genre an.

Ein talentierter Tausendsassa
Was Nils Althaus nicht alles ist: Schauspieler, Liedermacher, Kabarettist – und dazu noch diplomierter Biochemiker. So steht es zumindest auf seiner Website. Am Samstagnachmittag war das Multitalent aber von alledem vor allem eines: Der mehr als perfekte Musiklehrer. Zumindest hatte man die ganze Zeit über das Gefühl, er hätte nie etwas anderes gemacht, als talentierten Nachwuchsmusikern das Liederschreiben beizubringen. Obwohl es für ihn überaus eine Premiere war, wie er im Laufe des Nachmittags verriet. Rund dreieinhalb Stunden lang hat der Liedermacher tief in seinem Fundus an Songschreiberfahrung gegraben und dabei gut gehütete Geheimnisse ans Tageslicht befördert: Was einen Text zu einem wirklich guten macht – und was zu einem, der besser im Altpapier als auf der Bühne landen sollte.

Der perfekte Text
Ein richtig guter Text ist alles andere als einfach zu schreiben. Frisch von der Leber die Gedanken aufs Papier bringen, ist eine Sache. Danach bis zur Perfektion daran zu schleifen, die andere. Aber ein Alleswisser muss man dabei nicht sein – denn „Nicht zu gross werfen“ heisst ein weiteres Motto beim Songschreiben. Oftmals habe man das Gefühl, die ganze Welt erklären zu müssen. „Doch es reicht, sich auf persönliche Themen zu beschränken, in denen man sich auskennt“, so Althaus, denn: „Wichtig ist, dass man einen Bezug zum Gesang hat.“ Nur so wirke man auf der Bühne echt und authentisch. Passend illustrierte Althaus seine „Theorien“ mit bekannten und weniger bekannten Songs. Züri Wests „Popsong“, Mani Matters „Dynamit“ oder Blumentopfs „Schönen Gruss“. Oder aber er griff kurzerhand selbst zur Gitarre und performte seinen eigenen „Vollkornbrötliblues“.

Lange Listen mit guten Tipps
Immer länger wurde die Liste mit all den guten Tipps und den zu vermeidenden Fauxpas beim Texten. Eifrig notierten sich die sechs Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Schweiz, was Mentor Althaus zu sagen hatte – und stellten zwischendurch kritische Fragen. Oder boten auch selbst mal an Gitarre und Klavier ihre selbstgeschriebenen Songs dar.

Mit einem Rucksack an neuem Wissen – oder zumindest einem Handout in Papierform – verliessen die Musiker das Müllerhaus. Wer im nächsten Jahr den Workshop leitet, steht noch nicht fest. Doch ein Nachmittag voller neuer Erfahrungen wird es so oder so.

bild: Nils/alli: Liedermacher Nils Althaus gibt den Lyrix-Workshop-Teilnehmern gute Tipps mit auf den Weg.