Die Übungsleitung legte dabei den Fokus in erster Linie auf Kommando und Führung.  Das Zusammenspiel mit Partnerorganisationen wie Kantons- und Regionalpolizei, einem Suchtrupp der REDOG (Rettungshunde-Staffel),  sowie stetig wechselnden Einsatzszenarien im Dauereinsatz waren Ausgangslage für die diesjährige grosse Herbstübung.

Den im Einsatz stehenden Zivilschutzangehörigen war die Erleichterung anzusehen, als ihre Kollegen in den Nachtstunden gegen 02:15 Uhr zur Schicht-Ablösung in Eiken erschienen. Denn der Tag hatte für sie schon vor über 18 Stunden begonnen.

Doch von Beginn weg: Was die Übungsleitung unter der Führung von Kommandant Marc Schmidhauser für die rund 170 aufgebotenen Angehörigen des Zivilschutzes geplant hatte, war in dieser Hinsicht absolut neu. Die Zivilschutzorganisation Reusstal-Rohrdorferberg soll ein Ereignis in einem Schichtbetrieb über mehrere Tage bewältigen.

Der Hauptteil des Wiederholungskurses dauerte von Dienstag-Morgen bis Donnerstag-Mittag. Während vier Züge, bestehend aus Rettungspionieren, Betreuungsformationen, Führungsunterstützung und Logistikeinheiten jeweils gestaffelt über 2 Tage für jeweils 24 Stunden einrückten, war das Kader für die ganze Woche durchgehend aufgeboten und arbeitete für die Dauer des Einsatzes ohne Unterbruch durch. Das erforderte eine gute Organisation und eine klare Kommunikation, was ganz im Sinne des Übungsleiters Bram Scheidegger war. „Uns allen ist klar, dass bei einem grösseren Ereignis der Tag nicht um 17:00 Uhr zu Ende ist. Ein Schichtbetrieb stellt jedoch andere Anforderungen an das Kommando und die Führung insgesamt.“ Nebst klaren Anweisungen und Rolleneinteilungen galt es auch Fragen zur Unterkunft und zur Logistik zu klären. Übernachtet wurde in der Zivilschutzanlage Leematten in Fislisbach. Dort einquartiert war auch der Kommandoposten inklusive Fahrzentrale, der während der gesamten Einsatzdauer durchgehend bemannt war.

Bevor in den Abendstunden zum Haupteinsatz ausgerückt wurde, gab es für die einzelnen Fachspezialisten verschiedene Ausbildungssequenzen zu absolvieren.  Zusammen mit der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal wurden in Mellingen zwecks Verkehrsausbildung Strassenabschnitte mit stark befahrenem Verkehr durch den Zivilschutz geregelt. Die Betreuerformationen frischten ihre Sanitäts-Kenntnisse in einem Ausbildungsblock auf. Nebst Nothilfe-Übungen (Basic Life Support) wurde auch Wissen über Schnittverletzungen und erste Hilfe bei Kleinkindern vermittelt (Nicht selten sind aktive Zivilschutzangehörige junge Familienväter). Mit der Kantonspolizei Aargau wurde eine Einsatzübung „Geländedurchsuchung“ durchgeführt. Die Führungsunterstützung erprobte den neuen KP-Front-Anhänger. Die Ausstattung: bestehend aus Notstromgenerator, Beleuchtungsmaterial, Notebooks, Funkgeräten, Kartenmaterial, Flipchart, etc. vereinfacht die Kommunikation des Einsatzleiters vor Ort zu den weiteren Verbindungsstellen sehr.

Bei angenehmen Temperaturen wurde kurzerhand die komplette Verpflegungsstelle für die jeweiligen Abendessen im KP Fislilsbach nach draussen verschoben, wo durch die eigenen Versorgungseinheiten auf mehreren grossen Holzkohlegrills schmackhafte Abendessen zubereitet wurden.

Schwere Sturmschäden waren das Ausgangszenario für die eigentliche Einsatzübung. Es war bereits dunkel, als der Einsatzbefehl fiel und die ersten Rettungsformationen ausrückten und sich zum Militärausbildungsplatz Stäglerhau aufmachten. Dort angekommen, galt es zuerst sich einen Überblick über das Schadensgebiet zu verschaffen. Herausforderungen wie die absolute Dunkelheit, überflutete Keller, verschüttete Zugangswege oder ein abgerutschtes Auto mit vermissten Personen waren nur ein Teil der Aufgaben, welches es zu bewältigen gab. Mit einem Suchtrupp der „REDOG“ (Rettungshundestaffel), wurde gemeinsam nach vermissten Personen gesucht.  Auch hier war die Zusammenarbeit zwischen unserer Zivilschutzorganisation und der Rettungshundestaffel zwar neu, umso erfreulicher aber die Tatsache, dass auch dieses Zusammenspiel einer weiteren Partnerorganisation einwandfrei funktionierte.

Eine zusätzliche Schwierigkeitssteigerung im laufenden Einsatz war die Tatsache, dass ein weiterer Grossalarm aus der Region Eiken gemeldet wurde und unsere Einsatzformation spät abends zu ihrem nächsten Einsatz zum Kantonalen Zivilschutzausbildungszentrum nach Eiken verschoben werden mussten. Auch hier wurden die einzelnen Formationen nochmals intensiv gefordert. Leistung und Koordination auf allen Ebenen war vonnöten, um die Übung erfolgreich zu bewältigen. „Die Arbeiten erstreckten sich bis tief in die Morgenstunden und waren erst fertig, als die letzte Person gerettet, versorgt und betreut war“, resümiert Kommandant Marc Schmidhauser. Von allen Zivilschutzangehörigen wurde enorm viel abverlangt. Die persönliche Leistungserbringung jedes einzelnen wurde sicherlich bis ans Maximum ausgereizt. Die gemachten Erfahrungen mit individuellen Leistungs- und Belastbarkeitsgrenzen, Schlafmangel, Einsatzstress waren während der 52-stündigen ununterbrochenen Einsatzübung jedoch enorm. Diese real erlebten Eindrücke liefern nun wertvolle Erkenntnisse, um im Bedarfsfall rund um die Uhr für die Bevölkerung da zu sein.“

Zivilschutzorganisation Reusstal-Rohrdorferberg
Marc Schmidhauser, Kommandant