Am dritten Energie-Apero der Saison 2016/17 in Baden standen die Wasserkraft und deren Zukunft im Mittelpunkt. Die beiden Referenten Roger Pfammatter und Nick Zepf zeigten Chancen und Herausforderungen sowie die Bedeutung des Energieträgers Wasser für die Schweiz auf, aber auch die Probleme in einem sich wandelnden Energiemarkt-Umfeld.

Martin Sennhauser, Leiter Energiefachstelle der Regionalwerke AG Baden, durfte wie immer vor dem vollen Saal im Konnexgebäude von GE zum Energie-Apéro begrüssen und den Sponsoren seinen Dank aussprechen. Mit den Worten "Das Energierückgrat der Schweiz steht mit dem Rücken zur Wand" leitete er den spannenden Abend ein und übergab anschliessend dem Gastgeber Roman Derungs, Mitglied der Geschäftsleitung GE Renewable (Schweiz) GmbH das Wort. Dieser wies auf die Zulieferanten der Wasserkraft hin, welche auch leiden wenn die Schweizer Wasserkraft leidet.

Die Schweiz ist ein Wasserschloss.

Mit der provokativen Frage "Schweizer Wasserkraft – Auslaufmodell oder Zukunftsmusik?" leitete Roger Pfammatter, Geschäftsführer des in Baden beheimateten Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes seinen Vortrag ein. Und er gestand vorab, dass er an die Wasserkraft glaubt. Doch die Schweiz muss etwas dafür tun. Die Energiebranche ist im Umbruch und wohin die Reise gehe noch unklar. 60 Prozent unserer Energie stammt aus Wasserkraft, der grosse Rest von Atomkraftwerken und wenige Prozente von Erneuerbaren. Dies im Jahresmittel. Doch die flexibel zu- und abschaltbare Wasserkraft mit den Pumpspeicherwerken ist gerade bei kurzfristigen Schwankungen unschlagbar. Ausserdem hat sie viele Vorteile, wie die beste Klima- und Umweltbilanz oder die soziale Akzeptanz. Wo liegt die Herausforderung? Der Marktpreis für Strom ist radikal zusammengebrochen und die Spotmarktpreise liegen bei 3-4 Rappen pro kWh. Mit diesem Preis sind weder Gestehungskosten noch Zubaukosten gedeckt. Das gefährdet die Substanz. Fazit, es braucht neue Marktmechanismen und auch eine Entlastung der Wasserkraft von Abgaben und Auflagen.

Die Schweiz ist abhängig von der Wasserkraft – speziell ohne Atomenergie

Auch der zweite Referent, Nick Zepf, Leiter Axpo Unternehmensentwicklung ging auf das verzerrte Marktumfeld ein, auf Vollkosten die nur zu 50% gedeckt sind, und die in den nächsten Jahren dominomässig die Unternehmen zu Fall bringen könnten. Übersubventionierte erneuerbare Energien, mit Einspeisevorrang und Kosten- und Risikodeckung stehen den "klassischen" Energieträgern gegenüber. Letztere werden zum Lückenbüsser bei steigenden Kosten, sinkenden Einnahmen und einer Politik die "Pflästerlipolitik" betreibt. Für Zepf steht zweifelsfrei fest: "Die Wasserkraft ist das Rückgrat der Schweiz. Sichert was ihr habt und tragt ihm Sorge". Doch zur Sicherung der Wasserkraft in der Schweiz brauche es, so Zepf, Preise, welche die Kosten decken. Die Schweiz muss deshalb rasch und gründlich – bis spätestens 2020 – das Marktumfeld für Wasserkraft anpassen, denn sonst könnte es für das eine oder andere Unternehmen zu spät sein.