Basel, Gotthelf

Die Vereinsamung trotz elektronischer Solidaritätsbekundung

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Nicht nur Wege können vereinsamen, sondern auch Menschen!

Historisches Weglein nahe der Thomaskirche

Nicht nur Wege können vereinsamen, sondern auch Menschen!

Nachdem der Lockdown nun aufgehoben wurde, wird es Zeit das Erlebte kritisch zu reflektieren. Zeichen der Solidarität und der Hilfe waren in den letzten Wochen überall sichtbar. Doch oftmals hat und habe ich den Verdacht, dass es sich dabei eben nur um Zeichen handelt. In den sozialen Medien gehörte es zum guten Ton seine uneingeschränkte Solidarität mit den Risikogruppen Emoji-intensiv an den Tag zu legen. Doch sobald man unterwegs betagtere Menschen sah, flammten in den Augen der anderen Passanten plötzlich Schlagwörter wie „Steinigung“ oder „Euthanasie“ auf. Ich verstehe durchaus die Angst vor einer Ansteckung und auch die Sorge um die lieben Alten. Doch gerade die alten Semester sind auf unser Verständnis angewiesen. Ich habe in meiner Tätigkeit als Grabredner viele Betagte begleitet, besonders auch im Gotthelf Quartier,die einen lieben Menschen verloren haben und nun alleine sind. Sie alle hatten kein Facebook, keinen Teletext, kein Handy und auch keine Freunde oder Bekannten mehr, die von der Hilfsbereitschaft hätten berichten können. Diese Einsamen bleiben auf der Strecke. Daher will ich Mut machen mit älteren Menschen einfach ein Gespräch anzufangen. Ganz egal wo. Ob im Park oder beim Einkaufen. Wir brauchen uns vor dem Mitmenschen nicht zu fürchten. Das Bedürfnis nach Kommunikation und einfacher Nähe ist riesig. Wir alle sind hierbei in die Pflicht gerufen. Es ist nicht nur das Coronavirus das tötet. Einsamkeit tut es auch.

Noah Vetsch

Grossratskandidat

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