Bremgarten (AG)

Die 8.GV der Bremgarter Hilfswerke «Projekt Synesius»

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Im Restaurant JoJo der St. Josef-Stiftung ging die achte GV des Vereins speditiv, reibungslos, aber nicht ohne Emotionen über eine Bühne, die nicht einem Jahrmarkt von Eitelkeiten, sondern ernsthaftenProblemen Gastrecht bot.

Der Präsident durfte 58 Teilnehmende begrüssen und fast ebenso viele schriftliche Entschuldigungen vermelden, die damitalle ihre Verbundenheit mit den Idealen der Gesellschaft dokumentierten. Zuallererst erwies er dem mythologisch umrankten und namensgebenden Synesius seine Reverenz. Die Bremgarter Hilfswerke haben sich bewusst eine Gestalt aus dem Anfang des Christentums zum Signet erkoren. Einen Menschen – und nicht einen Heiligen –, dessen Herkunft, Farbe und Beruf unbekannt sind und so jedem Menschen guten Willens, jedweder politischen, religiösen oder auch agnostischen Couleur, als Leitbild einer humanitären Aktion dienen können.

Stiftungsleiter Manfred Breitschmid, Stadtammann Raymond Tellenbach, sein Vorgänger Robert Bamert einerseits, und Diakon Ueli Hess, Pfarrer und Ehrenmitglied Alois Keusch, Heinz Vaselai, Finanzverwalter der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellenanderseits dokumentierten die Vielfältigkeit des Vereins und untermauerten zugleich dessen Unabhängigkeit. Der Quästor Heinz Nöthiger von der AKB Wohlen, die auch den Apéro sponserte, vermittelte zuerst den Mitgliederbestand, der auch in diesem Vereinsjahr um mehr als zehn Prozent auf 157 Einheiten zunahm. Zählt man die Familienmitgliedschaft mit mindestens zwei Personen, so darf man also getrost von über 250 Adepten ausgehen, die anonymen Sympathisanten nicht eingerechnet. Also keinequantité négligeable mehr, wobei es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität, sprich das Engagement, ankäme. Die diesjährige Erfolgsrechnung wies zum ersten Mal ein Minus auf. Bei Aufwendungen von 75‘587 CHF, die in unsere Projekte investiert worden sind, und Erträgen von 33‘378 schrumpfte das Vermögen um 42‘210 auf immer noch stattliche 75‘033 Franken. Zeichen einer unerbittlichen Erosion? Nein, Resultat eines noch vermehrten Engagements. Nicht schulterklopfend, selbstverliebt, sondern kritisch stirnrunzelnd wurden die Probleme ausgebreitet in Worten und beeindruckenden Bildern der Power Point Präsentation.

Der anwesende Al Imfeld, der beste Kenner Afrikas und mit rund 50 Buchpublikationen auch der fleissigste Publizist des gesamten deutschsprachigen Raumes zu diesem Thema vermerkte: „Ich werde häufig mit der Frage konfrontiert, warum ich mir all dies seit 1960 noch antue und jedes Ereignis kommentiere, kritisiere und so ins richtige Licht setze. Weil nur der die Legitimation besitzt Kritik auszuüben, der mitten im Geschehen steht.“ Er attestiert Synesius, fast geradlinig auf dem richtigen Wege zu sein, da er als Kollektiv, als Netzwerk handle, jeglichemPersonenkult abhold sei und die Sache, nämlich die Basisarbeit, personifiziere, in den Vordergrund stelle. Synesius möchte keine Denkmäler setzen, sondern den Millenniumszielen der UNO-General­versammlung nachleben, die schlussendlich gewisse Menschenrechte verwirklichen möchte, nämlich Recht auf Nahrung, Gesundheit und Bildung, um Hunger, Krankheit und Bildungsarmut überwinden zu können. Und genau hier engagiert sich Synesius. Sollten wir hier und jetzt aufhören, so wäre nichts für die Katz gewesen, denn die bereits siebenjährige Entwicklungszusammenarbeit hinterlässt Spuren. Einem Kind kann man sein erlerntes Wissen nicht mehr entreissen. Der mit Geistes- und Naturwissenschaften angereicherte Schulsack, der es einmal befähigen wird sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen, bleibt ihm für immer erhalten. Synesius gibt nicht denen, die schon besitzen, sondern dem meist anonymen Menschen, den allerschwächsten Kindern, Frauen und den scheinbar perspektivlosen Männern. Allen, die sich nicht zu wehren wissen. „Warum sind wir besser als andere?“, moniert provokativ Gottet. „Wir sind besser, weil wir nicht besser sind, sondern weil wir versuchen es anders anzugehen“. Für jedes Ding gebe es eine Lehre. Nicht aber für Entwicklungszusammenarbeit. Jekami, jeder kann mitmachen. Jeder darf sich selbstverwirklichen. Das seien rund 99% der Hilfswerker, zu denen er sich selber auch zu zählen habe, der restliche Prozentsatz aber tue die eigentliche Arbeit, wie zum Beispiel Alex Weigel im Kibera Slum oder ein weiteres Mitglied unserer Gesellschaft, der Pädiater Prof. Exner, der im Oktober bereits zum 31. Mal nach Daressalam geht um dort unentgeltlich schwerstmissgestaltete Kinder zu operieren. Keine Personifizierung, um Himmels willen, aber für beide einselbstverständliches Arbeiten vor Ort, nicht nur um zu lehren, sondern auch zum Lernen. Ein wünschenswerter Austausch, ein aktives Netzwerk.Hunger, Krankheit und Bildungslosigkeit sind zu personifizieren, zu benennen, ins Bild zu bringen, nicht in erster Linie die Menschen, die dahinter stecken. Eigentlich, fährt Gottet weiter, haben gerade wir in Bremgarten eine grosse Tradition, uns mit Benachteiligten auseinanderzusetzen. Hier in der St. Josef-Stiftung wird täglich versucht die uns anvertrauten Kinder an unserer scheinbar gesunden Welt partizipieren zu lassen. Wir exportieren unser Wissen und auch unsere Empathie aus unserem Alltag in eine neue, oft fremde Welt. Die Bremgarter Hilfswerke sind keine Feierabendgesellschaft mehr, die dem Negerlein einen kleinen Support von unserem Überfluss zukommen lassen möchte. Es folgt ein Zitat von einem Menschen mit einer geistigen Behinderung (wobei Caritas durch Synesi ersetzt wurde).

Georg Paulmichel

Synesisonntag[Caritassonntag]

Bei uns lebt man voll aus der Schlemmerpfanne.

Am Synesisonntag wird jener gedacht, bei denen die Pfanne vor Leere stöhnt.

Manche Neger nagen mit Händen und Füssen am Hungertuch.

Wir müssen unser Christentum auch einmal beleben.

Die alten Kleider sind für uns ein Laster, wir können sie jederzeit verwerfen.

Am Synesisonntag werden die Tüten [Kleidersäcke, Texaid] der Bestimmung übergeben.

Von den afrikanischen Häuptlingen werden Synesitüten in die Negergemeinden übersendet.

Endlich gibt’s Hosen und Socken, um die Hungerbeine zu überdecken.

So lässt es sich leichter am Hungertuch zehren.

Nun haben wir Christen wieder einmal Flagge gehisst.

Ein Höhepunkt der GV war sicherlich die Versteigerung von Werken der Wohler Künstlerin und Autodidaktin Sonja Häusler. Sie fertigt ihre Bilder in der Werkstatt der Integra Freiamt und zuhause an. Die farbigen kleinen Meisterwerke zeigen frappante Übereinstimmungen mit Bildern der konkreten oder auch konstruktiven Kunst. Frau Häusler strukturiert ihren Alltag, ihr Leben mit streng geometrischen Formen, in die hinein sie Menschen und Objekte setzt, die nie ein Lächeln vermissen lassen. Eine vermenschlichte Konkrete Kunst, deren Grundstruktur vergleichbar ist mit Werken von Bridget Riley, Max Bill, Lohse Loewensberg. Der gewiefte Auktionator und Spiritus Rektor der Synesibewegung, Heinz Koch, trieb die Preise in die Höhe. Ein willkommener Zustupf für die Bremgarter Hilfswerke.

Unsere Webseitewww.projekt-synesius.chwurde 2012 von 546 verschiedenen Besuchern angetippt.

In der Schweiz haben wir keine Zensur. Oder doch? Sie kommt nur viel subtiler daher, man lässt weg, was einem nicht gefällt, nicht in den Kram passt, und das ist nicht wenig. Sport führt die Hierarchie in unseren Medien an. Sportliches Streben nach Einzigartigkeit, das Treppchen hinauf. Es gibt nur einen Sieger. Der umarmt die ganze Welt, die sich das gefallen lassen muss, ungefragt.Aber um zu siegen braucht es Verlierer, und das sind 99.99 %, also fast wir alle (nicht nur die mickrigen 47% eines Mitt Romney). Die Verlierer fallen der (all)gemeinen Gesellschaft, dem Staat und den sozialen Diensten zu, die Sieger entschwinden in den Olymp. Sehnsucht nach Hierarchie? Die eigentlichen, richtigen Sportler sind die vermeintlichen Verlierer. Sind wir alle. Das sind nicht die hundert-Meter-in-9,58-Sekunden-Helden, sondern die Krankenschwestern, die Lehrer, alle Berufstätigen und Nichtberufstätigen. Wir alle, die jeden Tag – und zum Teil auch jede Nacht – einer Beschäftigung nachgehen. Die Mutter, die ihr Kind pflegt. Die Menschen, die ihr Los mit sportlichem Geist tragen, sie sind die eigentlichen Sieger, nicht Verlierer.

Diakon Ueli Hess wurde mit grossem Applaus neu in den Vorstand gewählt. Mit seinem Enthusiasmus und seiner Vernetzung mit Tausenden von Menschen und Institutionen wird er für den Verein von grossem Nutzen sein. Er rückt für die scheidende Karin Koch Wick nach.

Laudatio Karin Koch Wick

Karin Koch Wick war schon vor der Gründung unseres Vereins im Jahre 2005 im Team der Synesianer höchst aktiv. Als Präsidentin der Kath. Kirchenpflege brachte sie so manche herrliche Idee zum Blühen und bereitete auch gewissem komischem Wildwuchs ein wohlverdientes rechtzeitiges Ende. Als Juristin war sie massgeblich am Verfassen unserer Statuten im Jahre 2005 beteiligt. Für den Sprechenden war die Verabschiedung der revidierten Statuten vom 24. September 2009 noch wichtiger. Die Revision entsprang unseren in den vorherigen Jahren gesammelten Erfahrungen. Karin verliert nie die Kompassnadel, den Norden aus den Augen. Verlässlich, mit präzisen Vorstellungen erreicht sie ihre/unsere Ziele. Besonders wichtig: Sie versucht auch die jüngere Generation an unseren Projekten teilnehmen zu lassen (Briefwechsel 5. Klasse Bremgarten mit der St. Michael School Mathare Nairobi). Diesem Anliegen gilt es künftig noch mehr unser Augenmerk zu widmen. Wir verabschieden Karin nur widerwillig, sind uns aber gewiss, dass sie uns und unseren Projekten auch ausserhalb des Vorstandes noch sehr wertvolle Tipps und Unterstützung einbringen wird.

Die Bremgarter Hilfswerke Projekt Synesius führen ein überaus aktives Entwicklungszusammenarbeitsprogramm durch. Von den Medien kaum wahrgenommen, da Synesius etwas Selbstverständliches durchführt und es auch durchzuführen weiss.

Wetten, dass auch dieser Artikel trotz dem Wohlwollen der lokalen Presse kaum Beachtung finden wird, da keine Goals zu applaudieren und nur wenige Eigentore zu vermelden sind? Den sportlichen Geist dokumentieren wir alle anonym bleiben wollenden Mitarbeitenden zumindest so intensiv wie die Eintagsfliegen in gewissen Medien, und dazu noch ausdauernder.Projekt Synesius bedankt sich bei all ihren Mitgliedern, Sponsoren, Presseleuten und Sympathisanten.

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