Viele gute Ratschläge und Erfolg wünschten uns Freunde und Bekannte vor unserer Abreise nach Nairobi. Wir, Pater Isidor Peterhans aus Dar Es Salaam, Vanik Kaufmann-Jinoian, Vorstandsmitglied, Frau Dr.med. Yvonne Flammer, Leiterin der German Doctors in Nairobi und Stephan Gottet.

Streben wir wirklich Erfolg an? Kann man in einer Familie oder in einer Beziehung von Erfolg sprechen? Wie äussert sich Erfolg? In nackten und vielmals geschönten Zahlen? Besser formulierte es ein weiteres Vorstandmitglied: «ich wünsche Dir auf Deiner «Missionsreise» Weitsicht, Klugheit, Weisheit und Verstand, getragen vom tiefen Respekt für Menschen anderer Kulturen, gute Begegnungen und auch etwas, worüber Du aus ganzem Herzen lachen kannst. Synesius hatte Humor, der oft anderes sieht, als der tierische Ernst. «

Das Lachen. Wie ansteckend trifft man es auch im tiefsten Winkel eines Slums, welches im beängstigenden Elend von ständig wachsenden Abfallbergen fast erstickt. Selbst aber bleibt es einem bald einmal in der Kehle stecken. Vier Tage waren vorgesehen. Sonntagabend Ankunft in Nairobi. Montag den 21. Januar Weiterflug um 06.00 Uhr nach Kisumu am Viktoriasee. Mit Taxi nach Lwanda ins St.LillyNikki Centre und zum Synesius Ambulatorium, am Fusse des Mount Elgon, nahe der Grenze zu Uganda, gelegen. 190 Kinder gehen hier zur Schule. Über 80 Mütter mit Kleinkindern, Behördenmitglieder und ein gewichtiger Teil der lokalen Bevölkerung bilden ein farbenfrohes Umfeld. Die Erwartungen sind beiderseits hoch. Auf privater Basis kann ein Terrain gekauft werden. Es soll zum Anpflanzen und Ernten benützt werden und der Selbstversorgung für die zwei täglichen Gratismahlzeiten dienen. Aber auch ein Ort der Berufsbildung sein. Hier wie in St. Michael, im Mathare Slum von Nairobi, soll Berufsbildung gefördert werden. Vanik überfliegt und filmt das Gelände mit einer Drohne. Das Synesius Ambulatorium, welches von Patienten aus 23 umliegenden Gemeinden aufgesucht wird, verlangt grosse Anstrengungen hüben und drüben.  Die Perspektiven hier, sind aber sehr zukunftsträchtig

Dienstag, 22. Januar: Besuch eines privaten Kindergartens in Kisumu und Rückflug nach Nairobi. Besuch der St. Bridget Mother and Child Institution. Eine Institution, die wir seit 10 Jahren unterstützen, die wir aber bald getrost in die Unabhängigkeit entlassen können. Ein Grundsatz der EWZ (Entwicklungszusammenarbeit) lautet «Sich selbst als Organisation überflüssig machen».

Mittwoch, 23. Januar: St. Michael Education Centre und Synesius Ambulatorium. Hier können wir dem Leiter Godfrey Khisa Wafulu unsere Mitarbeit für die nächsten drei Jahre versprechen und das dank zweier grosszügiger, ausserkantonalen Sponsoren und natürlich der Mitglieder unseres Projekt Synesius. Davon profitieren 250 SchülerInnen und 2500 Patienten jährlich. Letztere mit mehrmaligen Konsultationen. Anschliessend Besuch des German Doctors Zentrums. Leiterin Frau Dr. Yvonne Flammer. Wer erinnert sich noch an die Velohandlung ihrer Eltern an der Zürcherstrasse 19? Frau Flammer wird das Synesius Ambulatorium mit guten Ratschlägen unterstützen und die Schwestern zur Weiterbildung einladen.

Ein tröstlicher Abschluss der Reise waren zwei Treffen mit Pater Peter Meienberg. Er wird dieses Jahr 90 und besucht jede Woche noch das von ihm betreute Frauengefängnis Langata. 600 Frauen sitzen hier ein. Viele unschuldig. Sie kennen ihre Rechte nicht. Zu seinen Büchern meint er: »Diese sind ein Glaubensbekenntnis auf grauen Seiten, weil die weisse Weste Flecken trägt.» Er urteilt nicht über andere, sondern er solidarisiert sich mit den Schwächsten. Dieser Maxime möchte auch Synesius folgen. Peter Meienberg anvertraut dem Schreibenden einen ganzen Ordner von Artikeln über seinen 12 Jahre jüngeren Bruder und Schriftsteller Niklaus, eines Konsemesters in Fribourg. Am späten Donnerstagabend tritt der Schreibende mit neu aufflammender Hoffnung den Rückweg an.  War die Reise also ein Erfolg? Im Sinne von gegenseitigem Respekt und Menschlichkeit, sicherlich ja.

Es muss nicht betont werden, dass alle anfallenden Reisekosten, nicht von Synesius berappt werden mussten. Siehe auch www.projekt-synesius.ch

Cäcilia Stutz, Leitungsassistentin Pastoralraum Bremgarten-Reusstal