Mellingen

Der Sattler stellte das künstliche Kniegelenk her

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Historiker Rainer Stöckli in der Ausstellung 700 Jahre Spital Mellingen

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Historiker Rainer Stöckli in der Ausstellung 700 Jahre Spital Mellingen

Rund 100 Personen nahmen am vergangenen Freitag teil an den beiden Veranstaltungen 700 Jahre Spital Mellingen. Der Historiker Rainer Stöckli verstand es, den Anwesenden Geschichte packend und hautnah näher zu bringen. So zeigte er den Anwesenden eine interessante Rechnung von Sattler Ferdinand Stäbli in Brugg: Er machte 1856 ein künstliches Bein mit Kniegelenk für den Altersheimbewohner Bernhard Zumstein. Die Geschichte reicht jedoch viel weiter zurück. 1313 hat alt Schultheiss Hugo von Schänis und seine Frau Heilwig das Spital Mellingen, die Vorgängerorganisation des heutigen Alterszentrums, gestiftet. Seit 700 Jahren hat also Mellingen ununterbrochen eine Institution, in der Senioren, Pflege- und Schutzbedürfte Betreuung finden. Meistens wurden im Mittelalter von Adeligen oder Klöstern Spitäler als Akt der christlichen Nächstenliebe gebaut. Doch in Mellingen war es ein wohlhabender Bürger und seine Frau, ein Mann der einige Jahre vorher als Schultheiss, im heutigen Sinn als Gemeindeammann, der Stadt vorgestanden ist. Das Mellinger Spital war nicht ein Spital im heutigen Sinn. In der Stiftungsurkunde wird das folgendermassen formuliert. Das Spital sei „eine ewigü herberge und ein spital armer lüten“. Das Spital war also eine immerwährende Unterkunft für Arme, Betagte, Kranke, Gebrechliche, Waisen und Findelkinder. 1856 wurde das Spital im Iberg eingerichtet. Bis 1968 wohnten dann die Senioren im Iberg, dem man früher „Spittel“, also Spital, gesagt hat. An der gassenseitigen Front war das Gebäude mit „Bürger-Asyl“ angeschrieben. Ab 1866 bis 1977 leiteten Klosterfrauen aus Ingenbohl das Altersheim. Es war für das damals noch nicht finanzkräftige Mellingen ein Glücksfall, dass ganze 110 Jahre die Ingenbohler Schwestern für einen geringen Lohn die Altersheimbewohner betreuten. 1964 wurde der „Verein Altersheim Mellingen“gegründet mit dem Zweck, ein neues Altersheim zu bauen. Die Gemeinde stellte im Grüt das Land gratis zur Verfügung.1968 konnte das neue Altersheim schon bezogen werden. Die strategische Führung war bis 1968 Aufgabe des Gemeinderats. Seither hat dies der Vereinsvorstand übernommen. Da immer mehr Bewohner pflegebedürftig wurden, eröffnete man 1984 eine eigene Pflegeabteilung. Um 2000 stellte sich heraus, dass das 1968 eröffnete Alters- und Pflegeheim nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprach. Es wurde beschlossen einen Neubau zu realisieren, wobei sich nun auch die Gemeinde Wohlenschwil finanziell beteiligte. Das Alterszentrum hat dadurch eine regionale Ausrichtung erfahren. Im Fühling 2005 konnten die Bewohner das neue Heim beziehen.Und jetzt keine 10 Jahre später ist schon ein neues Bauvorhaben mit 14 Zweizimmer-Pflegewohnungen aktuell.

Auf den Stellwänden und in den Vitrinen wird die Geschichte des Spitals in Wort und Bild dargestellt. Die Ausstellung im Alterszentrum im Grüt Mellingen ist geöffnet vom 12.-24. Oktober immer von 11:30 – 17:00h.

Peter Fessler

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