Ausgerechnet an jenem Samstag im Oktober, an dem der Spätsommer noch einen Tag zuwarten hätte sollen, trafen sich ein gutes Dutzend Vereinsmitglieder zum Arbeitseinsatz. Bis gut um neun Uhr konnte unter der Leitung von Peter Güntert am Spitzgraben und unterhalb, im Gebiet Brunnmatt, emsig angepackt werden.
Der grössere Teil der Mannschaft schleppte bereits gefällte Bäume und Sträucher zum Schredder, andere stopften das Material zum Zerkleinern in die Maschine.
Zwei Fachmänner waren wenige Meter unterhalb mit der Eidechsenburg und dem Biotop beschäftigt. Sie befreiten beide Objekte von überwachsenden und wuchernden Pflanzen und sorgten dafür, dass es den dort lebenden Tierchen wieder wohl sein wird.

Waldrandbewirtschaftung
Am Spitzgraben musste, in Absprache mit dem Förster, der Waldrand gepflegt werden. Der Schattenwurf des Waldrandes soll benachbarte, landwirtschaftliche Kulturen nicht beeinträchtigen und ein Strauchgürtel mit Krautsaum zwischen Waldmantel und Wiesland soll geschaffen werden, damit Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten entstehen kann. Letztere haben oft besondere Bedürfnisse, wie Lichtverhältnisse, Altholz zu ihrer Deckung etc.

Eidechsenburg und Biotop
Der Unterhalt dieser Lebensräume ist für Kleinlebewesen und Amphibien von immenser Bedeutung. Hier können sie sich in einen Uebergangsraum zwischen offener Landschaft und Wald zurückziehen und sind vor Gefahren oder vor ihren Feinden geschützt. Auch grössere Waldbewohner schätzen diese Strauchgürtel. Für sie entstehen so zusätzliche beliebte Aesungsflächen und Schäden am Wirtschaftswald können dadurch etwas vermindert werden.

Launen
Nach der Flucht vor dem strömenden Regen ins Mehrzweckgebäude und nach der etwas verlängerten Pause, schien es auch dem Koloss von Schredder wieder besser zu laufen. Anfängliche Probleme stellten alle „Mechaniker" vor eine Herausforderung, die aber zum Erfolg führte.
Nun also verschlang der ehemalige Patient im Nu ganze Haufen von Baum- und Strauchmaterial und spuckte die Schnitzel auf wohlriechende Haufen. Käfer und Co. werden ihre Freude daran haben.

Speierling
Speierlinge wurden in Mumpf 1992, im europäischen Naturschutzjahr, auf dem Feld in Hecken und an diversen Waldrändern von Peter Güntert gepflanzt. Dieser bedrohte Baum, kann bis zu 30 Meter hoch und 500 bis 600 Jahre alt werden und kann leicht mit der Vogelbeere verwechselt werden. Früher wurden seine apfel- oder birnenförmigen Früchtchen zum Klären und zum Haltbarmachen von Wein und Most verwendet und das wertvolle Holz wurde von Drechslern, Musikinstrumentenbauern, Schreinern etc. sehr geschätzt. Daher stehen im Gebiet zwischen Basel und Schaffhausen nur noch wenige dieser Raritäten und der Genfluss (Vernetztheit) zwischen allen Einzelbäumen ist nicht mehr gewährleistet. Um auf dem Gemeindegebiet diesen langsamwachsenden, lichtbedürftigen Bäumen eine Chance zu geben, muss ihre Umgebung ab und zu ausgelichtet werden. Das war am Waldrand hier der Fall. Da musste auch eine junge Fichte weichen. Diese „parfümierte" den Schnitzelhaufen mit einem Duft, der einen in eine andere Welt versetzte.

Mittagessen
Der Regen liess nach, der wichtigste Teil der Arbeiten war erledigt, die Mägen knurrten und auch der Durst meldete sich. Also durften alle Arbeitskräfte stolz am Mittagsmal, oder besser gesagt am Nachmittagsmal, teilhaben. Die Koch- und Küchencrew, bestehend aus Sigmund Neumeier, Alice und Andreas Güntert, verstand es, uns zu verwöhnen und wird es sicher auch nächstes Mal wieder, dann nämlich, wenn die restliche Arbeit erledigt werden muss. Das soll, so versprach Peter Güntert, in Bälde der Fall sein.

Der Duft des Essens konnte aber einen anderen Wohlgeruch dieses Samstags nicht verdrängen: Das geschredderte Fichtenholz auf dem Haufen beim Speierling riecht wie der fast gleichnamige Badezusatz.

Emsig wie Ameisen arbeiteten Mensch und Maschinen.

(Bild und Text: Doris Hänggi, Mitglied des VNVM)