"Nur gerade die Fenster und die dicken Mauern sind noch alle am selben Ort, der Rest ist neu und modern." sagt Hansruedi*, der vor rund 50 Jahren ein Teil seiner Kindheit und Jugend als sogenannter Zögling im Schloss Kasteln zwischen Oberflachs und Talheim verbrachte. Da wo Hansruedi früher mit vielen anderen Knaben und Mädchen im engen Schulzimmer sitzen musste, hier sitzt nun seit etwas mehr als einem Jahr Dominik Gloor, Institutionsleiter des Schulheims Schloss Kasteln der Stiftung etuna in seinem Büro mit wunderschöner Aussicht hinaus aus dem Schenkenbergertal Richtung Oberflachs und Schinznach. Die Schule findet längst in einem modernen Bau neben dem Schloss statt. Das Schlossgebäude selber wurde vor wenigen Jahren umfassend modernisiert und in jeglicher Hinsicht an die heutigen Standards angepasst. Die Pädagogik, die Institutionsleiter Gloor seinen Mitarbeitenden vorlebt, nennt sich Neue Autorität. Auch diese hat kaum noch etwas mit der Pädagogik des letzten Jahrhunderts gemeinsam.

Nicht nur Hansruedi auch seine damaligen Schulkameraden Fritz, Erika und knapp hundert weitere ehemalige Chaschtelerinnen und Chaschteler sind an diesem schönen Spätsommerabend der Einladung zum Ehemaligentreffen gefolgt. Eingeladen wurden alle ehemaligen Kasteler, die als Kind oder als Mitarbeitende einen Teil ihres Lebens im Schloss verbringen durften, oder mussten. Nicht zuletzt dank den neuen Medien wurden unerwartet viele jüngere und ältere "Schlossgeister" - so nennen sich die Kasteler seit einiger Zeit selber - informiert und erschienen zum Apéro mit anschliessendem Nachtessen in der Turnhalle. Viele nutzten die Gelegenheit, um sich von aktuellen Verantwortlichen des Schulheims durch die heutigen Räume des Schloss Kasteln führen zu lassen. Für einmal waren diese Führungen nicht nur für die Gäste interessant, um zu erfahren wie das Schulheim heute aussieht und funktioniert, sondern auch für die heutigen Mitarbeitenden war es höchst spannend zu erfahren, wie es "damals" im Schloss zu und herging. Lebte doch der älteste an diesem Abend anwesende Kasteler von 1942 bis 1944 im Schloss.

Roman, der "erst" vor rund zehn Jahren seine Schulzeit in Kasteln beendet hatte und nun wie viele andere erfolgreich im Berufs- und Privatleben steht, hört gespannt zu, wie Fritz von der Zeit mit dem strengen und unbeliebten damaligen Heimvater erzählt: "Ich war damals der älteste der Burschen und musste neben der ohnehin strengen Tagesarbeit täglich zweimal die frische Milch nach Oberflachs in die Milchhütte bringen und auf dem Rückweg die Schotte für die Schweine zurückfahren. Und dies mit einem mehr schlecht als recht gewarteten Leiterwagen und ohne asphaltierte Strassen so wie heute." Diese Verhältnisse sind kaum vorstellbar für Roman, und für einen heutigen Kasteler erst recht nicht.

Noch bis spät in die Nacht wurden Geschichten ausgetauscht, Bilder und Fotobücher bestaunt und die nicht nur einfache Vergangenheit aus der heutigen Sicht kritisch betrachtet und besprochen. "Es war nicht alles besser“ und „Es war halt einfach eine andere Zeit" wurde mehrfach festgestellt. 

Alle Ehemaligen Kastelerinnen und Kasteler, die erst auf diesem Weg und im Nachhinein vom Ehemaligentreffen erfahren, sei hiermit angekündigt, dass dieser Anlass nicht der einzige bleiben soll. Wer sich auch mit anderen Kastelern über seine oder ihre Zeit im Schloss austauschen möchte, meldet sich unter schulheim@kasteln.ch mit dem entsprechenden Vermerk.

Schulheim Schloss Kasteln/R. Zurlinden

* Namen sind frei erfunden.

Einverständnisse zur Publikation liegen uns vor.