Aarau

Das Milizsystem im öffentlichen Schulwesen (Anlass der NHG)

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An der letzten Veranstaltung der Reihe „Das Milizsystem heute“ packte die NHG Aargau das heisse Eisen des Milizsystems in der Volkschule an: Bis Ende 2017 sollen die Schulpflegen zugunsten des Gemeinderates abgeschafft werden. Das bisherige Milizsystem im Schulwesen, Kennzeichen des aargauischen Schulgesetzes, soll so aufgehoben werden. Diese Frage wird die aargauischen Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen, denn darüber wird es zweifellos eine Abstimmung geben.

Vor einem interessierten Publikum, das aktiv in die Diskussion eingriff, führten Franco Corsiglia (links), Präsident der Vereinigung Aargauer Schulpflegspräsidenten und –präsidentinnen (VASP), Präsident der VASP des Bezirks Bremgarten und der Schulpflege Wohlen sowie Rolf Stadler (rechts), Schulleiter und Präsident der Schulleiterkonferenz Wohlen, ins Thema ein. Beide sind aktive Vertreter des Milizsystems, der eine leitet hauptberuflich ein technisches Unternehmen, der andere ist in seiner Freizeit Leiter J+S. Beide Referenten zeigten die Ursprünge, die Probleme der gegenwärtigen Situation und die Gefahren der vom Regierungsrat vorgesehenen neuen Führungsstrukturen auf. Wichtige Schritte der Entwicklung bis heute sind die allmähliche Professionalisierung, das Anwachsen der Aufgaben der Volkschule als Spiegel der Gesellschaft sowie die immer grössere Zahl der mit den Kindern befassten Personen (nicht nur Lehrpersonen, sondern auch Sozialarbeiter, Betreuerinnen). Unbefriedigend an der gegenwärtigen Situation ist der Umstand, dass die Schulpflegen keine Finanzkompetenz besitzen. (Freilich muss auch der Gemeinderat den Stimmbürgerinnen und –bürgern das Budget vorlegen).

Die wichtigste, bisher verwirklichte Reform war die Einsetzung einer Schulleitung vor Ort anstelle des gewählten Rektors sowie die Trennung zwischen den Aufgaben der Schulpflege (strategische Führung) und Schulleitung (operative Führung). Diese Trennung muss jedoch noch klarer getroffen werden, indem künftig die Schulleitung über mehr Kompetenzen verfügt. So sollte gesetzlich verankert werden, dass sie endgültig über die Anstellung und Entlassung der einzelnen Lehrpersonen entscheidet, und die Laufbahnentscheidungen trifft. Was jedoch nicht der Abschaffung der Schulpflege bedarf. Dann muss sie die Koordination zwischen den Lehrerinnen und Lehrern, Lehrpersonen mit Spezialaufgaben, Schulsozialarbeitern, Betreuern und Betreuerinnen herstellen. Zudem ist neu die Tätigkeit aller Beteiligten auf ein Ziel hin ausgerichtet, nämlich die Verbesserung der Schule im Interesse des Kindes. Lehrerinnen und Lehrer sind für die gesamte Schule verantwortlich, nicht mehr nur für ihre Klasse.

Die Aufgaben der Schulpflege sind noch komplexer. Sie bestimmt nicht nur die strategische Führung der Schule, sondern sie ist auch Bindeglied zwischen Eltern und Schule, zwischen Öffentlichkeit und Schule. Sie muss die politische Lobby der Schule darstellen. Die Mitglieder der Schulpflege werden vom Volk gewählt und sind damit, gleich wie der Gemeinderat, eine Exekutivbehörde. Sie haben deshalb eine besondere Stellung und vor allem mehr Gewicht als die vom neuen Gesetz vorgesehene fakultative Schulkommission, die nach Belieben vom Gemeinderat eingesetzt werden kann und in unselbständiger Stellung nur dem betreffenden einzelnen Gemeinderat verpflichtet ist. In der Diskussion wurde das Problem der mangelnden Professionalität mancher Schulpflegerinnen und –pfleger angesprochen, verbunden mit dem Wunsch, dass entsprechende Kurse für potentielle Mitglieder der Schulpflege schon vor einer Wahl anzubieten sind und die Parteien bei der Rekrutierung von angehenden Amtsinhabern mehr Sensibilität an den Tag legen. Im Gesamten sollten die Schulpflegen verkleinert werden, und es ist dahin zu wirken, dass die Schulpflegerinnen und Schulpfleger länger im Amt bleiben.

Redner und Publikum waren sich einig: Die Schulpflege dürfen wir nicht abschaffen. Im Interesse der Schule und der Kinder muss dieses Verbindungsglied bestehen bleiben. Die Volksschule darf nicht zur Institution im Elfenbeinturm werden. Sie muss im Volk verankert sein und bleiben.

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