Zum dritten Mal zeigt der junge deutsche Keramikkünstler Johannes Nagel im Kunstforum Solothurn seine eigenwilligen keramischen Objekte.
Nach 2011 und 2014 stellt der1979 in Jena geborene, an der Kunsthochschule in Halle ausgebildete Johannes Nagel in Solothurn seine keramischen Interventionen vor. Und es zeigt sich, er ist seiner Linie der forschenden und philosophischen Grundsätze treu geblieben, einer Linie, die ihn durchaus auf seinem gestalterisch-kreativen Weg weiterführt.
Auch jetzt lässt sich wieder das Gefäss als kulturell geprägtes Urformvokabular erkennen, das der Künstler als Referenz nimmt, um mit dem Material Porzellan konzeptuell und improvisierend das Gefäss als individuelle Gratwanderung von formaler Objekthaftigkeit und figurativen Möglichkeiten zu bespielen.
Wobei man bei Johannes Nagel nicht einfach modernistische Darbietungen erwarten darf, der junge Keramikkünstler ist mit seinem handwerklichen Schaffen viel zu individualistisch. Wie bereits früher sind diese hohlräumigen Objekte aus in Sand gegrabenen und mit Porzellan ausgegossenen amorphen Formen entstanden. Je nach kalkuliert gegrabenem Loch beziehungsweise verbundenen Gängen und entsprechend der gestalterischen Neugier entstehen diese amorphen Gebilde und gefässartigen Gruppierungen. Die dann im Wechselspiel von Glasureffekten und gestaltenden Fingern, von matt und glänzend, von kristalliner Wirkung und ausgearbeiteten Momenten einen fremdartigen, vorzeitlichen Reiz ausstrahlen. Diese neuen Objektarbeiten sind nun grösser geworden, nehmen unmittelbar den Raum ein, wirken mal relikthaft, dann archaisch, um dann wieder die Idee des Figürlichen anzudeuten. Da gibt es Arbeiten, die aus gewissen Perspektiven an klassische Torsi erinnern, andere – trotz aller gefässartigen Elemente – an tänzerische Momente, an bewegte Körper denken lassen.
«Cluster» nennt Johannes Nagel diese Werke, also Schwarm oder Ballung, die in der komplexen Struktur ihrer ebenso komplexen Entstehungsprozesse an unterirdische Verbindungen und Verknüpfungen, ja auch installative Wucherungen denken lassen, spriessende und sich formierende Hohlformen, irgendwo zwischen organisch-pflanzlich und eigenwilliger Modernität angesiedelt. «Orbitel» dann ist ein sich wabenartig öffnendes Wesen, entstanden aus den rohrförmigen Gefäss-Komplexen, zurecht geschnitten zu einem utopisch wirkenden, wabenartigen Fossil. Dabei ist für den Künstler nie das Makellose des Eindeutigen ausschlaggebend, seine Ästhetik ist rudimentär, von einer prinzipiellen, forschenden Neugier, wie und was eine Formentstehung ausmachen kann, geleitet. Die im hinteren Raum gezeigten, zur Installation inszenierten kleineren Arbeiten sind zwar konventionell auf der Drehscheibe gefertigt. Aber Johannes Nagel bricht diese Konvention sofort wieder auf, indem er mit manipulativen Eingriffen die Grundidee der Gefässentstehung ins Objekthafte, ja auch Absurde führt: Gefäss eventuell ja, Funktion ist nicht mehr relevant.
Dauer der Ausstellung: 10. Januar - 3. Februar 2018
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 -18.30 Uhr / Sa 14 -17 Uhr und nach Vereinbarung.
Eva Buhrfeind