Ab 1. Juni nächsten Jahres werden Schnell- und Güterzüge fahrplanmässig durch den weltweit längsten Eisenbahntunnel, den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel brausen. 209 Tage dauerte der Countdown noch, als sich 40 Mitglieder und Gäste der CVP Würenlos in Amsteg darüber informieren liessen, was bis dahin noch alles zu tun ist. 

Die Bohrmaschinen haben ihre Arbeit längst beendet, die Installationsplätze und die Unterkünfte für die Arbeiter sind grösstenteils abgeräumt, die Gleise verlegt, die Fahrleitungen montiert. Gleichwohl bleibe bis zum Betriebsstart noch viel zu tun, die Zeit sei knapp, sagte Roland Lütolf, der bei den SBB die Inbetriebsetzung leitet. Alle technischen Einrichtungen wollen auf Herz und Nieren geprüft sein, ungezählte Testfahrten sind zu absolvieren. Und fast 4000 Leute, die beruflich im Tunnel zu tun haben werden, sind mit dessen Eigenheiten vertraut zu machen.

Ausführlich ging Lütolf auf den Aspekt Sicherheit ein, dem schon bei der Projektierung grösste Beachtung geschenkt wurde. Zum Beispiel mit separaten Tunnelröhren für jede Fahrtrichtung oder mit zahlreichen Querstollen von Röhre zu Röhre, durch die sich Zugsreisende bei einem Brand rasch in Sicherheit bringen können. Sensoren erkennen am vorbeifahrenden Zug heiss gelaufene Wagonräder, ja sogar Gasaustritt. Passiert trotzdem etwas, bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die ausgeklügelten Rettungskonzepte gehen weit über den schon hohen Standard hinaus, der auf dem übrigen Streckennetz gilt.

Durch einen Baustollen gings schliesslich zwei Kilometer tief ins Berginnere. Der Blick durch ein Fenster in den Basistunnel musste genügen. Schon für die Nacht, die auf den Würenloser Besuch folgte, waren erste Fahrten mit einem Testzug der Deutschen Bahn geplant, mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h.          

Es war nicht der erste Gotthardbesuch, den der frühere SBB-Kadermann Franz Notter für die CVP eingefädelt hatte. „Wir Menschen kommen uns ja oft klein und unbedeutend vor, aber wenn ganz viele Menschen zusammenarbeiten, kann Grossartiges entstehen“, so fasste Sigi Zihlmann, Präsident der CVP-Ortspartei, nach einem feinen Mittagessen in der Tunnelbauer-Kantine die vielen Eindrücke zusammen.