Gibt es etwas Erholsameres als ein Wochenende in den Bergen? Nach den zwei Tagen haben sich die kleinen Alltagssorgen in nichts aufgelöst. Diesmal ohne Handtäschli und Köfferli, aber mit Rucksack und Wanderschuhen waren die Frauen des Club 88 Seengen im Appenzellerland unterwegs. Die wanderwilligen Frauen profitierten von unverschämtem Wetterglück, verbrachten sie doch zwei sonnige Tage in der einzigartigen Gegend rund um Appenzell. Die liebliche Hügellandschaft mit den putzsauberen Einzelhöfen als Streusiedlung wirken wie vom Zufall hingestreut. Die intakte Landschaft blieb weitgehend verschont von architektonischem Wildwuchs in klotziger Bauweise und das macht sie so liebenswert. Hier ist alles ein wenig kleiner, zierlicher, selbst die Mähdli des Emdes sind niedlich und fein säuberlich zusammengerafft und es duftet herrlich nach getrockneten Kräutern. Das Appenzellerland präsentiert sich als wohltuende grüne Landschaft zum Durchatmen und Geniessen.

Die Frauengruppe reiste von St. Gallen nach Teufen, benützte ein Stück weit den Postbus und machte sich dann zu Fuss auf den steilen Weg nach der «Waldegg». Der Besuch des Höhenrestaurants «Schnuggebock» war ein Insider-Tipp. Recht stotzig war allerdings der Aufstieg, aber er lohnte sich schon wegen der faszinierenden Sicht über das Appenzellerland vom Alpstein bis zum Säntis. Gastronomisch gesehen, konnte man sich erst noch gemütlich verpflegen und bedienen lassen von überaus freundlichem, aufgestelltem Personal. Waren früher Höhenmeter und Marschzeiten wichtig, so geniessen die die Frauen des Club 88 heute das gemütliche Beisammensein bei gutem Essen und einem Glas Wein.

Unterkunft hatte die Gruppe im Ort Appenzell und es blieb genügend Zeit zum Flanieren, zum Bewundern der Häuser mit ihrer bunten Fassadenmischung, für einen Apéro in der schattigen Gartenwirtschaft beim Landsgemeindeplatz und für ein feines Nachtessen in angenehmer Runde. Am nächsten Morgen stand die Fahrt auf den Kronberg auf dem Programm, wettermässig gab es da nichts zu überlegen. Sonne pur war für die Bergwanderung garantiert. Eine phantastische Rundumsicht bot sich vom breiten Rücken des Kronberges über unzählige Gipfel, ins Mittelland und vom Bodensee bis in den Schwarzwald. Die Frauengruppe folgte der Wanderroute auf die Schwägalp, immer den dominierenden Säntis vor sich. Über gepflegte Alpweiden - die Kuhfladen werden immer säuberlich mit der Schaufel weggeräumt - führte das Weglein munter auf und ab, einmal durch total versumpfte Mulden, dass es bei jedem Tritt unter den Schuhsohlen schmatzte. Nachdem man am Abend zuvor köstlich und genügend gespiesen hatte, waren nur kurze Verpflegungshalte eingeplant, dafür immer wieder kleine Unterbrüche, um die friedliche Ausstrahlung der Berglandschaft zu geniessen. Auf der Schwägalp war die Wanderung für die Gruppe zu Ende. Der Szenenwechsel erfolgte abrupt, viel Volk zirkulierte dort, Parkplätze waren Mangelware. Die gewaltige Felsbastion des Säntis zog immer wieder die Blicke auf sich. Bis zur Heimreise mit Bus, Appenzellerbahn und SBB liess sich der magische Berg aus nächster Nähe bewundern.