Der pensionierte katholische Zirkuspfarrer Ernst Heller gab in Aarau Einblick in die spannende Arbeit im Schatten von Scheinwerferlicht und grossen Emotionen. Mit dabei seine Frieda, die Klarinette, die ihn seit vielen Jahren begleitet und sein Nachfolger, Adrian Bolzern.

Das Aufwachsen mit 15 Geschwistern habe ihm für die Tätigkeit als Zirkuspfarrer einen guten Boden gegeben, erzählte Ernst Heller am Mittwochabend, 2. September im vollen Saal der Pfarrei Peter und Paul. Organisiert wurde der Anlass vom katholischen Frauenbund.

Früh habe Heller die Verwandtschaft von Musik und Humor entdeckt. „Ich wollte Clown werden“, verriet er augenzwinkernd. Stattdessen wurde er Priester. Mit der Weihe zum Zirkus-, Markhändler- und Schaustellerseelsorger 1999 wurde er zum „Gaukler Gottes“, wie er in Anlehnung an das jahrhundertealte Vorbild von Priester Philipp Neri sagte. „Ich war offen für nicht alltägliche Familienstrukturen“, erklärte Heller, der stets die „Frohbotschaft, nicht die Drohbotschaft“ verkünden wollte. Um soziale Bedürfnisse habe er sich ebenso gekümmert, wie um spirituelle Anliegen. Seine Aufgabe habe er in der Begleitung der Menschen, in der Ermutigung und im Trost gesehen. All das sei im Schaustellerumfeld wichtig, weil dort Ungewissheit herrscht, bei der wirtschaftlichen Grundlage, bei den Zukunftsaussichten. Aus diesem Grund habe er die Philipp Neri-Stiftung gegründet: www.philipp-neri.ch

Kontakte pflegen, Vertrauen aufbauen
Vor einem Jahr hat Adrian Bolzern, Pfarrer in Aarau, Ernst Hellers Nachfolge als Zirkuspfarrer angetreten. „Ich habe keine Frieda und bin nicht musikalisch“, sagte Bolzern im Bewusstsein der Herausforderung, in Hellers Fussstapfen zu treten. „Für mich ist der persönliche Kontakt zu den Leuten zentral, denn so wächst das Vertrauen.“ Beim Humor, der unkomplizierten Art und der bildhaften Sprache zeigte sich eine Gemeinsamkeit der Zirkuspfarrer. „Wer Eier haben will, muss das Gegacker der Hühner ertragen“, schloss Bolzern seinen kurzen Input. Das bedeutet: Von Widerständen lasse er sich nicht abschrecken.