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Christenverfolgung im Nahen Osten

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Die christliche Minderheit im Nahen Osten leidet mehr als andere Gruppen unter den Bürgerkriegswirren im Nahen Osten. Die Christen werden gezielt verfolgt, vertrieben und ermordet. Die Hintergründe der Massenflucht beleuchteten Martin Halef und Adrian Hartmann vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) AG/SO. Aufgrund der aktuellen Ereignisse und weil sie sich grundsätzlich für die Thematik engagiert, hatte die VCU diese Veranstaltung ausserplanmässig in ihr Programm aufgenommen. Ein voller Saal folgte gebannt den Ausführungen.

Martin Halef wurde in der Türkei geboren und ist mit acht Jahren in die Schweiz migriert. Heute ist er Schweizer Bürger. Er ist Inhaber der HypoPartners AG in Altendorf und Mitglied der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien sowie Vorstandsmitglied der Föderation der Foundation Nisibinensis, Stiftung für die Förderung aramäischer Studien der Aramäer in der Schweiz. Durch seine Wurzeln hat Halef einen starken Bezug zum Leid der Christen im Nahen Osten. Adrian Hartmann hat an der Uni Bern Geschichte, Russistik und öffentliches Recht studiert. Er leitet Projekte für die Christian Solidarity International CSI und berichtete speziell über die Situation im Irak. Er bereiste bereits zum sechsten Mal den Irak und unterstützt Hilfswerke vor Ort.

«Entleerung» des Nahen Ostens von den Christen
Bekannt sind die Bilder von Flüchtlingsströmen, von verzweifelten Familien, vom Bürgerkrieg in Syrien und vom Schrecken der Terrorherrschaft des Islamischen Staates. Darunter leiden viele Minderheiten – besonders die Christen, welche zunehmend aus ihrer Heimat, der «Wiege der Christenheit» fliehen müssen. Halef erklärte die Taktik des Islams bei der Verfolgung seines Ziels, den Nahen Osten von den Christen zu «entleeren». Die Zahlen dazu sind erschreckend: Man spricht von 75% aller Christen im Nahen Osten, die bereits geflohen sind. «Dieser Exodus wird bewusst und taktisch beschleunigt». Halef beschrieb brutale Methoden, die zur Anwendung kommen. So werden Christen zur Abschreckung öffentlich und medienwirksam gefoltert und ermordet, um Unruhe und Angst zu stiften. Dabei fühlen sich die leidenden Christen im Nahen Osten vom Westen im Stich gelassen: die Freie Syrische Armee (FSA), welche für viele Gräueltaten an den
Christen verantwortlich ist, wird unter anderem von den USA finanziell unterstützt. Halef ist überzeugt: «Der Westen trägt Mitverantwortung am Leid der Christen im Nahen Osten». Aufschlussreich sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen hier und dort. Während wir im Westen die Anti-Assad-Front auf der Seite der «Guten» glauben, sehen die Christen im Nahen Osten Russland als ihren Befreier.

Stillschweigen in den westlichen Medien
Hartmann berichtete Bedrückendes von seinen Reisen und Projekten im Irak; er schilderte die Situation der Flüchtlingsfamilien, welche jeglichen Besitz verloren haben
und die in ein Land flüchten mussten, in dem sie weder die Sprache verstehen noch Arbeit finden können. Tausende werden zudem mehrfach vertrieben. Trotz den erschreckenden Bildern und Schicksalen wird in den westlichen Medien kaum über die Christenverfolgung im Nahen Osten berichtet. Halef erklärte diese Tatsache damit, dass «... das Stillschweigen zur Verfolgung und Ermordung im Westen politisch opportun
erscheint». Er statuierte zudem, dass er zwar überzeugter Demokrat ist, dem Nahen Osten jedoch nicht eine Demokratie aufgezwungen werden kann: «Es ist ein Demokratisierungsprozess, der von innen heraus entstehen soll». Die Botschaft des Abends lautete, gegenüber allen Flüchtlingen Solidarität zu zeigen und sich sowie sein Umfeld für das Leid der Christen zu sensibilisieren.

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