An der Bundesfeier sprach Nationalrat Thierry Burkart über die unsichere Weltlage und wie die Schweiz ihre Stellung behaupten kann.

Hält es, oder hält es nicht? Die Wetterprognosen für den Abend des 1. August waren dieses Jahr wenig erhellend. Dass trotzdem gut 100 Freienwilerinnen und Freienwiler den Weg an die Bundesfeier im Schützenhaus fanden, ist wohl auch dem prominenten Gast zu verdanken: FDP-Nationalrat Thierry Burkart gilt als eloquenter Vollblutpolitiker – und er wurde seinem Ruf gerecht. Bereits mit dem ersten Satz hatte der 41-Jährige die Sympathien auf seiner Seite: «Danke, dass Sie im freien Freienwil einen Badener als Festredner dulden.» Schliesslich, so hatte Gemeindeammann Robert Müller zuvor festgestellt, feiere man an diesem Abend nicht nur den 726. Geburtstag der Schweiz, sondern auch 510 Jahre Unabhängigkeit Freienwils von der Grafschaft Baden.

Übergang zu neuer Weltordnung

Der «Badener» ging offen auf die Freienwiler zu und begrüsste alle, die seinen Weg kreuzten, mit Natürlichkeit, ja: manche gar mit Charme. Ohne Spickzettel und Notizen, dafür mit klugen Gedanken gewann der Gastredner bei seinem Auftritt die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Das Thema: Wie verhalten wir uns als Schweiz angesichts der grossen Veränderungen in Europa und der Welt? Die unsichere Weltlage, die sich dramatisch verändert habe, sei ein Zeugnis für den Übergang zu neuer Weltordnung. Neue Länder wie Russland oder die Türkei drängten an die Macht, und daneben gebe es auch Länder wie Nordkorea mit «unbegreiflich aggressivem Verhalten». Das vereinte Europa verliert in diesem Gefüge an Macht und Bedeutung. Dies führe, gepaart mit Perspektivlosigkeit, zu Migrantenströmen, so Burkart: «Diese Massen können jedoch nicht mehr assimiliert und integriert werden. Die Folge sind Kriminalität und Gewalt», mahnte er. Dazu kommt die Verschuldenskrise: Mittlerweile gebe es Länder wie Frankreich, Portugal oder Griechenland, die nicht mehr handlungsfähig sind.

Und die Schweiz? «Wir dürfen feststellen, dass wir in der Vergangenheit vieles richtiggemacht haben. Den Wohlstand haben sich unsere Vorgänger-Generationen erarbeitet», rief Burkart in Erinnerung: «Wir dürfen stolz sein auf unseren funktionierenden Rechtsstaat.» Um diesen aufrecht erhalten zu können, brauche es den Einsatz aller – und positives Denken, forderte Burkart: «Zusammenstehen ist unsere Chance, denn nur zusammen sind wir stark!» Er schloss seine Rede mit einem Zitat von Henry Ford: «Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg.»

Ein Versprechen für die Zukunft

Gemeindeammann Robert Müller gefiel der Auftritt seines Kollegen: «Mit jungen Politikern wie Dir in die Zukunft zu schreiten, das kommt gut!», frohlockte er und überreichte Burkart zum Dank einen Korb mit Köstlichkeiten aus dem Dorfladen und dem Dorfschöpfli.

Für die Festbesucherinnen und -besucher offerierte die Gemeinde einen Apéro sowie Wurst und Brot. Die Festwirtschaft führte wie gewohnt der Männerchor, für musikalische Unterhaltung sorgte das Schwyzerörgeli-Trio Hasli. Auf ein offizielles Feuerwerk wurde auch dieses Jahr aus Rücksicht auf die Tiere verzichtet. Die jüngsten Freienwiler begaben sich um 21 Uhr mit Gemeinderat Daniel Aeschbach auf den Lampion-Umzug. Weil das Wetter überraschend gut blieb, konnte Vizeammann Martin Burger auch das traditionelle Höhenfeuer auf dem Feld entzünden. Und Thierry Burkart unterhielt sich noch lange angeregt mit Freienwilerinnen und Freienwilern. Und am Ende war man sich einig: Dieser «Badener» war ein charmanter Gast!