Zum Thema, wie sicher dürfen wir Frauen uns im öffentlichen Raum fühlen, sprachen am Samstagmorgen Corina Eichenberger und Louis Treier. Zu einem Anlass mit vorgängigem Brunch und anschliessendem Gespräch zum Thema Sicherheit hat die FDP Bezirk Zurzach am Samstagmorgen nach Zurzach ins Parkhotel eingeladen. Nach dem reichhaltigen Brunch begrüsste Bezirksparteipräsidentin, Nationalratskandidatin und kantonale Wahlkampfleiterin, Claudia Hauser die anwesenden Gäste und gab ihrer Freude Ausdruck, dass nicht nur Frauen, sondern auch einige Ehemänner sich für das Thema interessierten. Als Referenten konnte sie Nationalrätin Corina Eichenberger und Polizeichef Louis Treier begrüßen.

Die Nationalrätin, selbst Mitglied der Sicherheitskommission sprach zur übergeordnete Sicherheit, während dem Polizeichef Louis Treier viele praktische Tipps zur Erhöhung der eigenen Sicherheit abgab.

Sicherheitslage schlechter geworden

Corina Eichenberger, im Zurzibiet wegen ihrer positiven Haltung zur Kern-energie keine Unbekannte, sprach einleitend zur allgemeinen Bedrohungslage. Durch die zwei Brandherde, Ukraine und Mittlerer Osten, habe sich diese eher wieder verschlechtert. Das Problem Ukraine sei keinesfalls gelöst. Es werde derzeit lediglich von der Situation mit den Flüchtlingsströmen aus dem mittleren Osten verdrängt. Das Flüchtlingsproblem ist für Corina Eichenberger ein menschliches Elend. Nicht alle Flüchtlinge kämen aber mit guten Absichten. Dies stelle an die Sicherheitsorgane und den Nachrichtendienst hohe An-forderungen. Als Beispiel nannte sie den vereitelten Anschlag auf den TGV Amsterdam-Paris. In ihren Ausführungen ging Corina Eichenberger auf die Ursachen der Flüchtlingsströme ein. Eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht. Bisher sei die Schweiz von der Flüchtlingswelle noch verschont geblieben. Bund und Kanton würden sich aber darauf vorbereiten. Zu diesen Vorberei-tungen gehöre auch die gegenwärtig laufende Übung „Conex15“. Mit dieser werde insbesondere die Zusammenarbeit Führungsstäbe - Armee – Grenz-schutz beübt. Corina Eichenberger unterstützt die vom Bundesrat beschlossene Kontingentierung der Anzahl Flüchtlinge, bezeichnet die Massnahme aber als etwas realitätsfremd. Aus politischer Sicht hofft sie, dass es bis zum 18. Oktober zu keiner Eskalation kommt, da sonst das Thema politisch ausge-schlachtet und es, wie bei den letzten Wahlen, zu einem „Fukushima-Effekt“ kommen werde.

Auch Cyber-Bedrohung wächst

In den Ausführungen wurde auch das Thema der Cyber-Kriminalität ange-sprochen. Nicht nur die Gefahr von Terroranschlägen wachse auch die Gefahr der Computerkriminalität nehme durch die starke Vernetzung stetig zu. Dabei gehe es nicht nur um Hackerangriffe auf persönliche oder Firmendaten, son-dern auch um das Eindringen und Lahmlegen von Steuerungs- und Kommu-nikationssystemen. In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch das analoge Telefon, welches demnächst ausser Betrieb genommen werde. Viele Systeme funktionieren nur solange die Stromversorgung intakt ist. Fast unvorstellbar sind für die Referentin die Auswirkungen eines Blackouts im HB Zürich. Keine Rolltreppe, kein Lift, keine Türe, keine Kasse, nichts funktioniert mehr. Die Magistratin ist aber überzeugt, dass es für die Cyber-Kriminalität keine neuen Gesetze braucht. Das heutige Strafgesetz genügt. Ausserdem wären neue Gesetzt wirkungslos, da die Täter nicht aufgespürt werden könnten. Notwendig sei aber das neue Nachrichtengesetz.

Schweizer fühlt sich sicher

Eine Umfrage hat ergeben, dass sich die Schweizerbevölkerung im Allgemei-nen sicher fühlt. In allen Lebensbereichen ist man gut versichert. Wird irgendwo eine Lücke erkannt, ist die Politik bestrebt, diese mit einem neuen Gesetz zu schliessen. Als Beispiel nannte sie das Hundegesetz. Das Fehlverhalten eines Einzelnen führte zu Einschränkung für Alle. Eine absolute Sicherheit gebe es nie. Eichenberger ist überzeugt, dass Freiheit und Unabhängigkeit Voraussetzung für übergeordnete Sicherheit sind. Die Bevölkerung habe ein grosses Anspruchsverhalten. Eine grosse Diskrepanz bestehe aber zwischen dem Verhalten im Bereich der persönlichen Sicherheit und den Erwartungen gegenüber der öffentlichen Sicherheit.

Praktische Tipps vom Polizeichef

Von Polizeichef und Instruktor Louis Treier, erhielten die Anwesenden zahlrei-che praktische Tipps zum Verhalten bei Gewaltsituationen. Mit einem kurzen, sehr interessanten Exkurs in die Psychologie zur Thematik Aggression und Gewalt, Non-Verbaler Kommunikation sowie eigenem Verhalten, führte er in das Thema ein. 90 Prozent der Gewaltsdelikte werden durch die Non-Verbale Kommunikation (Körperhaltung, Gestik, Mimik, äussere Merkmale) ausgelöst. Der grösste Anteil findet im sozialen Umfeld statt. Bei diesen ist der Täter auch meist rasch auffindbar. Delikte mit unbekannten Tätern geschehen mehrheitlich an unübersichtlichen Orten, in Unterführungen oder Hauseingänge. Zur Verminderung des Risikos gab der Polizeichef folgende Tipps: Den Weg zum Zielort vorgängig zu überlegen, an Haltestellen nicht abseits stehen, sondern sich zu andern Personen stellen, fühlt man sich verfolgt, Strassenseite wechseln und Situation überprüfen, ist die Verfolgung real, Blickkontakt mit dem Verfolger aufnehmen, sich Gesicht, Haarfarbe, Kleidung und weitere Be-sonderheiten merken, erfolgt ein Angriff, laut Schreien, dem Angreifenden mit einem Tritt unter der Gürtellinie oder einem Schlag mit einem (Auto)Schlüssel in die Rippen, Schmerzen zuführen und die Schmerzsituation beim Angreifer nützen, um zu flüchten. Als andere geeignete Massnahmen nannte er Haarspray in die Augen spritzen oder an den Ohren respektive an den Haaren reissen (gibt auch nutzbare DNA-Spuren). Als unbrauchbares Rezept nennt der Polizeichef das Wegstossen oder das Flüchten in das nächste Treppenhaus.

Übertriebener Täterschutz

In der lebhaften Diskussion wurde der auch der Täterschutz angesprochen. Für viele geht dieser heute zu weit. Polizeichef Treier unterstützt die Auffassung, gibt aber zu bedenken, dass die Polizei an die gesetzlichen Vorgaben gebunden ist. In der neuen Strafprozessordnung sei alles geregelt. Dies ver-kompliziert die Aufnahme. Ein Fehler bei diesem Vorgang könne zu einer Ungültigerklärung der ganzen Aufnahme führen, gab Polizeichef Treier zu bedenken.

Kurz vor 13 Uhr wäre noch viel Diskussionsstoff vorhanden gewesen. Der fortgeschrittenen Zeit wegen schloss Claudia Hauser die interessante Veranstaltung, nicht ohne den Hinweis, am 18. Oktober am Wahlgang auch teilzunehmen.