Als Gast des internationalen kirchlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ weilte Bischof Kyrill Samaan aus Assiut (Aegypten) vor kurzem in der Schweiz. Während des vergangenen Wochenendes besuchte der Hohe kirchliche Gast die Region Brugg-Windisch, wo er an drei Eucharistiefeiern herzlich willkommen geheissen wurde. Wie der Vertreter von „Kirche in Not“ in seiner Begrüssung in der Kath. Stadtkirche Brugg ausführte, setzt der perfekt deutsch sprechende Würdenträger aus dem Nahen Osten in seiner Heimat sein ganzes Herz ein als Brückenbauer für ein friedlichen Nebeneinander der Religionen. Das Leben der Christen im 90 Millionen Einwohner-Staat am Nil erweist sich heute als wesentlich schwieriger als vor Jahrzehnten. Dennoch gibt es ermutigende Zeichen gegenseitiger Wertschätzung zwischen Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften.

Der Einzug von Bischof Samaan in die Kath. Stadtkirche, wie auch die von der Frauengemein-schaft organisierte Eucharistiefeier, wurden durch Orgelspiel und Geigenklänge feierlich um­rahmt. Eine stattliche Anzahl von Gläubigen hörte den Ausführungen des ägyptischen Gastes auf­merksam zu. Dieser gehört als koptisch/katholischer Bischof zur orientalischen Kirche und fühlt sich überall zu Hause.

Brücken bauen zu Nichtchristen – Hauptaufgabe für Versöhnung und Frieden

Wir sind eine Minderheit, die treu ihre Aufgabe erfüllen will – die Liebe Christi weiterzugeben zur Versöhnung und für die Vermittlung des Friedens. Das tun die koptisch-katholischen Gläubi­gen, welche vorab im Süden Aegyptens angesiedelt sind, vor allem durch ihr soziales Enga­gement für die ganze Gesellschaft. So unterhält die koptisch-katholische Kirche zahlreiche Schulen und Krankenstationen, welche von „Kirche in Not“ mitunterstützt werden. Die Lage der Christen in Aegypten ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Wie Bischof Samaan ausführte, sind er, seine Priester und Ordensleute jedoch ermutigt in der Erfüllung schwieriger Aufgaben, da sie spüren, nicht alleine gelassen zu werden. In Aegypten leben rund 250‘000 Katholiken, für welche es wichtig ist, im Glauben zu wachsen, damit sie Zeugnis durch die Liebe Christi geben können. Viele Brüder und Schwestern unterstützen uns weltweit, materiell und durch das Gebet, so der Bischof, wofür sich der Gast aus Assiut herzlich bedankt. Diese Verbun­denheit ist für uns von grosser Wichtigkeit.

Pflege von Freundschaften zwischen Christen und Muslimen

In Aegypten leben nahezu 90 Millionen Menschen. Wie viele davon Christen sind, will der Staat nicht veröffentlichen, doch schätzt man den Anteil der Christen auf cirka 15 Millionen. Die meisten von ihnen sind orthodoxen Glaubens. Die koptisch-katholische Kirche gleicht der koptisch-orthodoxen Kirche in Liturgie und Spiritualität, steht aber in Gemeinschaft mit dem Papst. Die Katholiken in Aegypten verteilen sich auf sieben Bistümer, in welchen 200 Priester, 180 Patres und 60 Ordensgemeinschaften, davon 45 Frauen-Gemeinschaften, tätig sind.

Seit 1952 Präsident Nasser die Staatsmacht übernahm, wurden die Christen immer mehr diskri­miert und zu Bürgern zweiter Klasse. Im öffentlichen Leben wurden sie von hohen Posten ausge­schlossen. Zahlreiche Christen, darunter viele Akademiker, sind ins Ausland geflüchtet, wo sie sich, im Gegensatz zu ihrer früheren Heimat, nun verwirklichen können. - Obschon es in Aegypten schwierig ist, Kirchen zu bauen oder zu renovieren, gelang es Bischof Samaan und seinen Getreuen, einige Kirchen zu renovieren. Derzeit befindet sich gar ein drittes Gotteshaus im Bau, was seitens der Kirchenführung ein besonderes diplomatisches Geschick erfordert. Die ak­tuelle Staatsführung erweist sich gegenüber den Christen moderater als deren Vorgängerschaft, was zu einer zaghaften Entspannung des gegenseitigen Verhältnisses geführt hat.

Begegnung mit Bischof Kyrill Samaan in Brugg

Wie der bereits seit 26 Jahren als Bischof tätige Kyrill Samaan berichtet, legen die christlichen Kirchen grossen Wert auf ein vielfältiges, aktives soziales Engagement, selbst für Menschen nichtchristlicher Glaubensrichtungen. Die Christen verfügten über „starke Waffen“, die sie einsetzen, nämlich Liebe und Frieden. Die Katholiken finden sich regelmässig mit evangelischen Glaubensbrüdern und Muslimen zusammen, um auf friedliche Weisen Zusammenarbeiten zu pflegen. Der Bischof darf als „Brückenbauer des Friedens“ bezeichnet werden, weshalb er und die von ihm geleitete Gemeinschaft wertvolle Freundschaften zu Andersgläubigen pflegen. Ein Beispiel, das weltweit Beachtung verdient.

Zur Bewältigung seiner vielfältigen Aufgaben in der ägyptischen Heimat durfte der bischöfliche Gast in Brugg-Windisch nebst besten Wünschen einen stattlichen finanziellen Zustupf entgegen-nehmen.