(cs) Das Militärspiel Baden zeigte sein Können einmal mehr im Kurtheater Baden. Das sehr zahlreiche Publikum begrüsste die Musiker mit kräftigem Applaus. Stehend setzten diese ihre Instrumente an und schon nach den ersten Tönen war klar: Der Schweizer Psalm. Das Anfangsritual eines jeden Militärspiels, welches das Publikum sich von den Plätzen erheben liess. Dirigent und Reiseleiter Hans Peter Ulrich eröffnete mit „Lincolnshire Posy“ das offizielle Programm und nahm die Zuhörer mit nach England. Lincolnshire Posy ist eine Suite aus englischen Volksliedern, die der Komponist Percy Grainger um 1900 dort gesammelt hat und sich möglichst an die Charakter des vortragenden Sängers gehalten hat. Die zahlreichen Taktwechsel meisterte das Orchester gekonnt. Gespickt war das Stück mit einzelnen Solopassagen, die hervorragend gespielt wurden und die Qualitäten der einzelnen Musiker schon erahnen liessen.

Im Anschluss folgte das von Philip Sparke geschriebene Trompetenkonzert „Manhatten“, gespielt vom bewährten Solotrompeter Thomas Räber. Schon etliche Male durfte das Stammpublikum die lyrischen und technischen Fähigkeiten des Trompeters bewundern. Er liess die Zuhörer von einer rauchgeschwängerten Jazzbar in New York träumen. Der Solist setzte sein Können exzellent ein und das Publikum bedankte sich bei ihm mit dementsprechendem Applaus.

Wie das erste Stück des Abends bestand auch das dritte „Hebridean Rhapsody“ aus englischen Volksliedern, diesmal jedoch komponiert von Oliver Waespi. Das Militärspiel nahm sein Publikum mit an Bord eines Kriegsschiffes, welches nach einer turbulenten Seefahrt, dargestellt durch gekonnt gespielte schnelle Läufe der Holzblasinstrumente, einem melancholischen Innehalten, schlussendlich vor den Hebrideninseln kentert und die Besatzung die kostbare Ladung, feinsten schottischen Whiskey, auf dem Schiff zurücklassen muss.

Im ersten Satz des Stückes „Gullivers Reisen“ von Bert Appermont begann das Piccolo mit einer zarten, aber fröhlichen Melodie, wozu sich die weiteren Orchesterinstrumente gesellten und so ein harmonisches Ganzes entstand.

Josef Sieber führte durch das Programm und gab zu den einzelnen Stücken interessante Hinweise. Alfred Reeds „Second Suite“ entführte das Publikum nach Brasilien und schon nach den ersten flotten Takten übertrug sich die Spielfreude der Musikerinnen und Musiker auf das Publikum. Den Tango des zweiten Satzes eröffnete eine souverän und hingebungsvoll gespielte Soloklarinette. Die Spannung und Romantik der Melodie verlangte den Spielern einiges an Feinheit im Spiel und Intonation ab. Doch auch dies meisterte das Orchester mit Bravour. Den Pasa Doble des letzten Satzes eröffneten die Trompetenfanfaren und liessen das rassige Tempo des folgenden Satzes erahnen. Hier wurde einmal mehr die Fingerfertigkeit der Spieler gefordert, welche jedoch keine Wünsche offen liess.

Das Ende des gelungenen Konzertes läutete der Marsch „Piotta“ von Franco Cesarini an. Bedeutete dies doch, dass die Reisegruppe wieder in der Schweiz angekommen war und die Musikerinnen und Musiker bewiesen, dass sie auch Märsche voll und ganz im Griff haben. Das Publikum forderte eine Zugabe und wurde nicht enttäuscht. Dirigent Hans Peter Ulrich selbst kündigte diese an. Die Soloklarinette begann mit einem feinen Einstieg. Die Melodie zog sich durch die verschiedenen Register des Orchesters und setzte bei den Musikerinnen und Musiker nochmals volle Konzentration und Einfühlungsvermögen voraus, um jeder einzelnen Stimme zur richtigen Zeit Platz zu machen und ihre Berechtigung zu geben. Einmal mehr spürte der Zuhörer, dass der Dirigent Hans Peter Ulrich es geschafft hat in nur zehn Proben aus den einzelnen Spielern ein aufeinander abgestimmtes Orchester zu machen und so beim Publikum Gänsehaut entstehen lassen zu können.

Mit dem eidgenössischen Schützenfest-Marsch „Bellinzona“ von Mantegazzi verabschiedete sich das Militärspiel Baden vom begeisterten Publikum und spielte als akustisches Zeichen, dass das Konzert nun wirklich sein Ende gefunden hatte, den Zapfenstreich.