Für viele Gläubige der grossen Pilgerschaft aus allen Regionen der deutschen und rätoromani-schen Schweiz wurde diese Wallfahrt einmal mehr zu einem richtigen Familientreffen. Bei den Gottesdiensten waren die 23 Lourdes-Pilgervereine durch ihre Fahnen und Delegationen vertreten, allen voran die Landesflagge mit dem Bild des heiligen Bruder Klaus. Der Aargau war durch seine drei Lourdes-Pilgervereine Baden, Freiamt und Fricktal mit einer stattlichen Schar von Frauen und Männern vertreten. So begegneten sich wieder viele gesunde und kranke Menschen, welche sich jährlich nur einmal - eben in Lourdes - treffen. Den Kranken und Behinderten wird in Lourdes eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Sei es in den verschiedenen Gottesdiensten, an den Prozessionen oder besonders an der Grotte von Massabielle, wo 1858 die heilige Gottesmutter der damals 14 jährigen Bernadette Soubirus erschien. Den Kranken und Behinderten gilt eine besondere Umsorgtheit durch die Gesunden, was für die Leidenden in Verbindung mit den Besuch an der Kraft- und Segensquelle von Lourdes als grosse Stärkung, Trost und Hoffnung empfunden wird. Es versteht sich, dass für viele dieser Menschen die jährliche Pilgerfahrt zu ihrem Lebenshöhepunkt wird.

Die Kranken und Behinderten werden durch Fachpersonal aus der professionellen Krankenpflege, wie auch durch Laien aus verschiedensten Berufsgattungen, liebevoll gepflegt und betreut. Viele setzen die Pilgerfahrt nach Lourdes als Ferienwoche in ihrer Jahresagenda ein um einen Teil ihrer Freizeit für diese wichtige soziale Aufgabe einzusetzen. Dabei geht es um die Pflege im „Accueil Notre Dame", einem modern eingerichteten Krankenhaus, wie auch um die Begleitung zu den verschiedenen Gottesdiensten sowie zur Eucharistischen Prozession und zur nächtlichen Lichter-prozession. Dazu gehören selbstverständlich auch die Führung der Küche zur Verpflegung der kranken und behinderten WallfahrerInnen sowie die Nachtwache im Krankenhaus.

Menschenfreundlicher Bischof Felix Gmür gewann grosse Sympathien
Nach seiner Wahl im letzten Herbst zum neuen Bischof des Bistums Basel weilte Bischof Dr. Felix erstmals in der Gemeinschaft der Lourdes-Pilger. Er zelebrierte nebst dem Eröffnungs- und dem Abschiedsgottesdienst auch die hl. Messe an der Erscheinungsgrotte sowie die Feier mit der Krankensalbung. Eine besondere Ehre wurde der Schweizer Pilgerschaft zuteil, dass ihr Bischof Felix dem internationalen Gottesdienst in der 25000 Plätze umfassenden Pius-Basilika als Haupt-zelebrant vorstehen konnte. Durch seine perfekte Mehrsprachigkeit gewann der junge Oberhirte der Diözese Basel bei der internationalen Gemeinschaft grosse Sympathien wie auch bei den Gläubigen aus seinem Heimatland. Sein menschliches Einfühlungsvermögen, insbesondere gegenüber den Kranken und Behinderten, kam durch die persönlichen Gespräche, seine Besuche im Krankenhaus, wie auch durch seine gut beachtete Predigt, zum Ausdruck. Er betonte dabei die Wichtigkeit für die Gläubigen, sich gegenseitig in allen Lebenssituationen zu stützen. Vielen gesunden Pilgerinnen und Pilgern sprach er aus dem Herzen mit der Aeusserung, er hätte viel von den Kranken gelernt. „Sie geben mir ein Geschenk für meinen Glauben. So sehe ich, wie schön unser Glauben sein kann. Er spendet uns allen Trost". Dieses Empfinden führt wohl viele Menschen immer wieder nach Lourdes. Die Nächstenliebe zwischen Gesunden und Kranken trifft man selten so ausgeprägt an, wie an diesem Marienwallfahrtsort in Südfrankreich. Es findet dort wirklich ein gegenseitiges Bereichern im Geben und Nehmen zwischen gesunden und kranken Menschen statt. Viele Kranke sind grosse Beispiele für Gesunde, auch für solche, welche nicht nach Lourdes pilgern. Die Ausstrahlung von Zufriedenheit, ja von Glück und Frohmut, welche den Gesichtern dieser Menschen entnommen werden kann, sprechen für sich. Das kam bei der Heimfahrt einmal mehr deutlich zum Ausdruck. Für viele Pilgerinnen und Pilger bedeutete die Verabschiedung bereits der Beginn der Vorfreude auf das Wiedersehen im nächsten Jahr. (str)