Mit grosser Freude bestieg ich am Mittwoch vormittag den bequemen Reisecar. Der Grund meiner Vorfreude: es ging in den Jura, meinen geliebten Jura! Und weshalb meine Freude? Die ersten 25 Jahre meines Lebens habe ich im und am Jura verbracht, zuerst 11 Jahre im Laufental im Norden und anschliessend 14 Jahre in Biel am Südfuss des Juras. Unzählige Wanderungen oder auch Fahrten auf zwei oder mehr Rädern haben unvergessliche Erinnerungen hinterlassen. Wollte ich alle aufzählen, ergäbe es viele Seiten. Dass ich jetzt die Gelegenheit, den Jura oder wenigstens einen Teil davon, wieder einmal zu erleben, sofort ergriffen habe, war selbstverständlich.

Also startete ich, zusammen mit weiteren 64 Personen  -  Bewohnern, Verwaltung, Personal und Gästen des Bifangs - kurz vor 10 Uhr und liess mich über Lenzburg, Autobahn bis Biel und weiter über die Transjurassienne nach Les Breuleux fahren. Das anfänglich wolkenverhangene Wetter besserte sich zusehends; ab Lenzburg zeigte sich bereits die Sonne und die Weiterfahrt war vollends von Petrus begünstigt. Der gutgelaunte Chauffeur, Herr Siegrist, tat sein übriges, animierte uns zum Singen und kannte natürlich auch den einen oder anderen Witz.

Frau Gähwiler, in deren Gedächtnistrainingsstunde die Idee für diese Reise aufgekommen war, las das eine oder andere Geschichtlein über Pensionäre in Le Roselet, und die Zeit verging wie im Flug.

Von Biel an war die Landschaft den meisten wenig oder gar nicht bekannt, es lohnte sich aber, hinauszuschauen. Links liessen wir etwa den ziemlich bekannten Chasseral, auf der Nordseite des Tales von St-Imier den Mont Soleil und den Mont Crosin, beide Träger von Sonnenkollektoren und Windkraftwerken, liegen.

Kurz vor Mittag erreichten wir unser Ziel Le Roselet und waren natürlich froh, die Beine zu bewegen und auch „Nötiges zu verrichten". Dann kamen die ersten Rössli an die Reihe, bevor wir das Restaurant betraten und uns an die hübsch gedeckten Tische setzten, wo uns ein feines Mittagessen serviert wurde.

Frau Michel als Vertretung der Stiftung erklärte uns auf erfrischende Weise den Sinn und die Gründung des Pferde-Altersheims, das jetzt 50 Jahre alt ist. Zuletzt beobachteten wir von der Terrasse aus die paar Gruppen von Pferden auf dem Trockenplatz, die sich - so sah es jedenfalls aus - miteinander unterhielten. Ein einziges Tier hielt sich lange von den anderen fern, doch als die anderen sich in Einerkolonne auf eine nahegelegene Weide auf einem Hügel aufmachten, trottete es auch hinterher. Von weitem konnte ich 22 Tiere zählen, mehr konnten wir nicht sehen, weil die Weiden weitläufig auseinander liegen. Der Ausblick von der Terrasse aus war aber so oder so einfach schön.

Kurz nach 15 Uhr war auch die Zeit gekommen, wieder unsere Busse zu besteigen. Es waren 2 Cars und ein kleiner Bus für die Bewohner in Rollstühlen mit uns unterwegs und ich denke, die Mitreisenden des Rollstuhlbusses und des zweiten Cars waren ebenso befriedigt wie wir. Um halb sechs Uhr kehrten wir wieder in den Bifang zurück, glücklich und froh, dass alles ohne Zwischenfall abgelaufen war.

Der Verwaltung und allen anderen hilfreichen Geistern sage ich allerherzlichsten Dank!

                                                      Lisbeth Hübscher, Bifang-Bewohnerin