Unsere jährliche Besichtigung eines Würenlinger Gewerbebetriebes fand dieses Jahr im Traditionsbetrieb Weingut zum Sternen statt. Herr René Zürrer, Vorstandsmitglied des GIVW, begrüsste alle ca. 50 anwesende Mitglieder des Gewerbe- und Industrieverein Würenlingen.
Die Führung durch die Betriebe des Weinguts und der Rebschule sowie durch den Keller erfolgte durch Andreas Meier, welcher diesen Betrieb seit 1995 mit seinem Bruder Manuel Meier leitet. Andreas Meier informierte uns über die langjährige Geschichte des Weinguts, über die Reben, den Rebbau und die Kelterung des Weines.
Die Weinbautradition in der Familie Meier geht auf das Jahr 1828 zurück. Auf gut 11.5 Hektaren pflegen sie Reben in besten Lagen des Unteren Aaretals, in den Gemeinden Würenlingen, Döttingen und Klingnau. Der Sortenspiegel ist ausserordentlich vielfältig und umfasst ausser den traditionell heimischen Sorten auch bewährte internationale Klassiker sowie Neuzüchtungen. Durch Variationen in der Kelterungs- und Ausbauweise - wie Schaum- und Süssweinbereitung, Sorten-Assemblagen, Barrique-Ausbau - wird eine weitere Bereicherung der Angebotspalette erreicht.
Gegründet im Jahr 1921, gehört die Rebschule zu den ältesten und grössten Betrieben dieses Genres in der Schweiz. Seit jeher liegt die Spezialisierung nicht nur auf der Veredlung von Reben sondern auch in entsprechender Forschung, z.B. in den Bereichen Klonenselektion und Entwicklung neuer Verfahren zur Gesunderhaltung des Pflanzen-Erbgutes. Jährlich verlassen über 700'000 Jungpflanzen den Betrieb, darunter sämtliche gängigen Keltersorten sowie Neuzüchtungen und pflegeleichte Reben für Hausgarten und Pergola.
Der Kanton Aargau hatte im 19.Jahrhundet 2700 Hektare Rebbau. 1860 gab es verschiedene Krankheiten in Europa der echte und falsche Rebenmehltau, sowie die Reblaus. Durch die Reblaus wurde der Bestand auf 164 Hektaren dezimiert. Heute sind die Krankheiten durch zielgerichtete Züchtungen, Einsatz von amerikanischen Unterlagenholz und biologische Massnahmen im Griff bzw. eliminiert. Heute hat der Kt. Aargau 400 Hektare und ist der 8 Rang der rebbaubetreibenden Kantone.
Andreas Meier besitzt eine 250 Rebsorten umfassende Sammlung, welche in 5 Quartieren eingeteilt ist. Von pilzwiderstandsfähige Rebsorte, die normale europäische Rebsorten, unter dem Regendach wachsende Tafeltrauben, bedeutende Hausgartensorten sowie Unterlagsrebenholz, welche für die Erstellung der Wurzeln verwendet werden.
Weltweit gibt es bis zu 16'000 verschiedene Rebsorten, davon sind 6'500 auf einer Fläche von über 2 Hektaren gepflanzt, von Bedeutung sind 150 Rebsorten. Ein geschichtlicher Ausflug gab uns einen Einblick, wie die roten und weissen Trauben von Ägypten, Iran, Irak usw. zu uns nach Europa gelangt sind. Heute werden mit neuen gezielten Kreuzungen zwischen pilzresistente und den sehr befriedigende Trauben sehr grosse Erfolge erzielt.
Ein kleiner Spaziergang durch die Reben, welche von einigen Mitgliedern zum Naschen der köstlichen Trauben genutzt wurde, schärfte auch unsere olfaktorische Wahrnehmung. Die täglichen Spaziergänger vom Rennweg wussten dies schon lange, dass die Trauben fein sind! Bei dieser Führung erfuhren wir von Andreas Meier den Unterschied zwischen kernen und kernenlosen Traubensorten.
Anschliessend wurden uns die verschiedenen Rebbaumaschinen vorgestellt, von sehr gut kletternde Spitzmaschinen, Traktoren, welche die Reben freistellen damit die Sonne besser an die Traube kommt, laubschneidende, schnurentfernende, rebenausreissende und auch mulchende Maschinen. Besonders interessant war eine Rebenmaschine, welche die Rebschule in Zusammenarbeit mit umliegenden Gewerbebetrieben aus der Region entwickelt hat.
Die Rebschule liefert 60% ihrer Reben in die Westschweiz, 20% in die Deutschschweiz, einen Teil ins Tessin und in etwas auch den Export. Eine Rebe lebt ca. 25-28 Jahre, ein Betrieb sollte 3% der Rebfläche alljährlich roden und frisch anpflanzen, sonst überaltert der Bestand. 1 Hektare neu anpflanzen kostet bis zu 120'000 Fr. bis sie wieder Ertrag gibt.
Die anschliessende Weindegustation begann in der Rebenveredelungswerkstatt mit einem Sélection Würenlingen 2010. In der sehr geräumigen Halle erfuhren wir den prozessreichen Veredelungsweg bis zur versandfertigen Rebe, welche von schnellen und fleissigen Händen (bis zu 5000-6000 /Tag) erledigt wird. Die Rebschule macht bis zu 800000 Veredelungen pro Jahr, die grosse Verantwortung gegenüber ihren Kunden ist ihnen bewusst. Auch aus diesem Grunde ist die Rebschule ein zertifizierter Betrieb, regelmässige Kontrollen sind wichtig und geben dem Kunden Vertrauen, Garantie und Sicherheit. Im 3°C kalten Kühlraum konnten wir die abgepackten Reben bewundern, welche gelagert und in Tiefschlaf gehalten werden können.
Beim anschliessenden kurzen Spaziergang zum Restaurant Sternen konnten wir die Traubenannahme auf dem Vorplatz im Weingut erleben, welche vom kant. amtl. vereidigten Traubenlesekontrolleur Thomas Schneider überwacht wird.
Bei der Trotte konnten den Prozess vom Abladen der Traube, entrappen, pressen und die Gärung in den grossen Stahltanks und Holzfässer erleben. Informationen über die alkoholischen und biologischen Gärungsstufen, wie auch über wichtige Messinstrumente im Labor rundeten diese Führung im Keller ab. Das alte Gebäude wird für die diesjährige Verarbeitung letztmals benutzt. Im Januar 2012 wird es abgerissen und bis zum Herbst 2012 neu erbaut und im frischen Glanz für die Verarbeitung wieder genutzt werden. Der neue Keller mit seinem offenen Konzept wird durch seine Transparenz zeigen, was das Weingut mit den Trauben macht und den Konsument einladen Anteil zunehmen von Prozess der Traube, dem Fass, bis hin zum Glas im Restaurant Sternen.
Vor der Villa Lang wurden wir dann von Adrian Meier und seiner Crew empfangen. Dort wurden wir mit einem Wannenberg Chardonnay 2009, einem Kloster Sion Pinot Noir, einem Pino' Dor Würenlingen und zum Schluss mit einem Nives Assemblages doux Würenlingen 2009 verwöhnt.
Die Basis für Qualität ist die richtige Sorte, für das entsprechende Klima, der richtige Ort und Boden. Angefangen von der Rebe, über den Rebberg, den Keller bis zum Restaurant haben die Gebrüder Meier den Slogan «Von der Rebe bis ins Glas 3 Betriebe unter einem guten Stern».
Zum Abschluss dankte Fabian Meier, Präsident des Gewerbe- und Industrievereins Würenlingen für die sehr interessante und erlebnisreiche Führung, welche mit viel Engagement der Familie Meier geleitet wurde. Im Anschluss wurden wir durch den Keller zum Restaurant zum Sternen geführt, bei welchem wir mit einem fein zubereitendem Essen und einem guten Glas Wein den Abend ausklingen lassen konnten. UMV