Unterentfelden

Berufsbildner an der Schule für Hörbehinderte in Unterentfelden

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Rundgang und interessanter Austausch der Berufsbildner, welche Hörbehinderte in einer Schnupper- oder Vollehre beschäftigen.

Am 19. November 2008 besuchten 13 Berufsbildner, welche Hörbehinderte in einer Schnupperlehre oder in einer Vollehre beschäftigen, den Landenhof. Nach einem Rundgang durch die Institution erfolgte ein interessanter Austausch zu Fragen der Hörbehinderung in Bezug auf eine Berufslehre. Herr Beat Näf eröffnete den Austausch mit einer Darstellung der Geschichte des Landenhofs von 1830 bis heute sowie der Vorstellung der einzelnen Bereiche der Institution. Besonders verwies er auf die modernen, technischen Installationen in der Aula, wie zum Beispiel das Vorhandensein einer Ringleitung oder einer speziellen Akustikdecke um der Situation hörgeschädigter Mitarbeiter und Schüler in möglichst hohem Masse gerecht zu werden.
Den zweiten Teil bestritt Herr Toni Kleeb von der Berufsschule für Hörgeschädigte in Zürich. Er stellte die Frage: „Was ist denn eigentlich anders in der Ausbildung eines Hörgeschädigten im Vergleich zu derjenigen eines Normalhörenden?" Der Unterschied besteht lediglich darin, dass der Hörgeschädigte diese spezielle Berufsschule in Zürich besucht. Alles andere ist genau gleich wie bei Normalhörenden. Hörgeschädigte haben das Anrecht auf einen Nachteilsausgleich. Das heisst: Lernenden mit einer Hörschädigung darf an Prüfungen auf Grund ihrer Behinderung kein Nachteil entstehen. Das bedeutet, dass das Setting für hörbehinderte Lernende bei Prüfungen angepasst werden muss. Die Inhalte der Prüfungen müssen aber identisch mit jenen der Normal¬hörenden sein. Kognitiv und fachlich müssen die Leistungen den Normalhörenden angepasst sein.
Im dritten Teil führte Herr Kleeb ein Gespräch mit Frau Sandra Baumann. Sie ist eine ehemalige Schülerin des Landenhofs und selber schwerhörig. Sie hat ihre Lehre als Polygraf abgeschlossen und macht nun die Berufsmittelschule. Frau Baumann: „Die Schwerhörigkeit ist für mich nichts Schlimmes. Ich bin daran gewöhnt und kann gut damit leben. Ich bin von Geburt gehörlos. Seit meinem 12. Lebensjahr habe ich ein CI. Das hat mein Verhalten verändert. Nun habe ich sogar ein zweites CI bekommen. Ich höre damit bis zu 50% besser und kann nun richtungshören. Ich habe auch Schweizerdeutsch gelernt. Als ich eine Lehre suchte, sagte ich erst im Betrieb, dass ich schwerhörig bin. Das war wohl eine Überraschung für den Chef. Aber er hat sich interessiert und wollte mehr über Schwerhörigkeit wissen. Bei Sitzungen habe ich noch heute Probleme. Ich verstehe dann nicht gut, weil schnell gesprochen wird. Darum spricht der Chef nach der Sitzung noch einmal mit mir und sagt mir alles, was ich machen muss. An einer normalen Berufsschule hätte ich keine Chance gehabt in einer grossen Klasse. Die kleinen Klassen an der Berufsschule (im Fachunterricht war ich sogar alleine mit dem Lehrer) waren ideal für mich. Mein Wunsch: Ich möchte in der Kommunikation unterstützt werden. Man muss mit mir sprechen wollen."
Den vierten Teil moderierte Frau Beatrice Schatzmann. Die Berufsbildner waren eingeladen sich zu Problemen und Chancen ihrer hörbehinderten Lernenden zu äussern und dem Landenhof Rückmeldung zu geben.

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