Aussichten Produktionsstandort Schweiz - wie stark sind unsere Arbeitsplätze gefährdet?

Unter dem Patronat der CVP Bezirk Lenzburg fand in Wildegg ein interessanter Vortrag mit Podiumsdiskussion statt.

Dass das Thema den Nerv der Zeit trifft, zeigte  sich in der Fragerunde der gut 30 teilnehmenden Personen.

Dr. Bernhard Eschermann, Leiter Semiconductors Lenzburg, ABB Schweiz erläuterte in einem abwechslungsreichen Vortrag, was und wie in der Fabrik in Lenzburg produziert wird. Die hergestellten Leistungshalbleiter werden vor allem für Industrieantriebe, für den öffentlichen Verkehr, bei der Stromübertragung und für erneuerbare Energien gebraucht. ABB Schweiz baut momentan ihren Standort in Lenzburg aus, weil die Nachfrage nach Leistungshalbleitern weltweit im Steigen ist, vor allem auch in Asien. ABB hält am Produktionsstandort Schweiz fest - trotz tieferen Lohnkosten in Asien - denn für Lenzburg sprachen folgende Faktoren: markante Steigerung der Produktionsausbeute seit 1998, die Erfahrung des Personals und die Flexibilität bei der Personalplanung, die geringeren Investitionskosten (Erweiterung gegenüber Neubau) sowie die Unterstützung durch die Behörden. Ausserdem sind sie in das „Schweizer Leistungselektronik-Dreieck" eingebettet, zwischen den Standorten von ABB Dättwil und Turgi.

Auf den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion mit den Herren David Reichart vom Kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Kt. Aargau, Josef Nietlispach, Unternehmer und Leiter der Profilpress AG in Muri, Arno Kerst, Vizepräsident der Syna Schweiz und Bernhard Eschermann, unter der bewährten Moderation von Nationalrat Dr. Markus Zemp, Schafisheim. Die Runde war sich einig, dass unsere Arbeitsplätze nur gesichert sind, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam den Konsens suchen. Die Wirtschaft braucht gute Leute, einen guten Marktzugang und vor allem grosse Flexibilität, wenn sie gegen die billigeren Produktionsplätze in Asien konkurrieren will. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat die Schweiz ein flexibles Arbeits- und Kündigungsrecht. Dieser Vorteil für den Arbeitgeber wird für den Arbeitnehmer abgefedert durch die Arbeitslosenversicherung. Der Vertreter der Syna pochte auf dieses soziale Netz und meinte, er wolle nicht die Wochenarbeitszeit reduzieren, sondern mehr Ferien, damit sich die Arbeitnehmer von der stärkeren Arbeitsbelastung wirklich erholen können.

Ein weiteres Thema war die Personenfreizügigkeit. Die Unternehmer sind sich einig, dass der Produktionsstandort Schweiz auf Ausländer angewiesen ist, vor allem auf gut ausgebildete Arbeitnehmer und Spezialisten und dies eine Chance ist, dass ein Betrieb hier weiterproduzieren kann. In den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) sind vor allem solche Ausländer als arbeitslos gemeldet, die in den Achzigerjahren als ungelernte Hilfsarbeiter geholt wurden und sich schlecht integrierten. Es wurde klar, dass sich die Personenfreizügigkeit aus heutiger Sicht bewährt hat und die eingeleiteten flankierenden Massnahmen wirksam sind.

Nationalrat Dr. Markus Zemp schloss die Runde mit dem Versprechen, sich in Bern mit den anderen Mitgliedern seiner Fraktion für Rahmenbedingungen einzusetzen, damit auch künftig Produktionsbetriebe in der Schweiz bestehen können.

Mit grossem Applaus und Geschenken wurde den Podiumsteilnehmern gedankt. Alle Anwesenden waren im Anschluss zu einem Apéro eingeladen und konnten dort noch die eine oder andere Frage weiter diskutieren.

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