Den Anfang macht das Streichquartett in D-Dur von Louis Spohr. Lebhaft macht die erste Geige, gespielt von Stefan Läderach, den Auftakt. Sie hat das Sagen, gibt Motive an. Der Cellist Daniel Schaerer unterstützt sie kräftig, virtuos. Auch die Sechzehntelnoten sind klar und deutlich herausgearbeitet, stehen wie gemeisselt da. Die andern Streicher, Christina Amato mit der Violine und Michael Schwendimann mit der Viola, fligen sich auf ihre Art in den musikalischen Fluss ein. Die Streicher zeigen, was in ihren Instrumenten steckt. Da ist Dynamik von Fortissimo bis zu subtilen Pianos, getragen langen Tönen und wunderschönen Sforzatos, dazu reichhaltige Phrasierungen. Ein kurzes, spritziges Motiv, dann überraschende Pausen, gefolgt von Variationen des Motivs bringen Witz und Charme. Die Pausen zeigen deutlich, auch in der Stille ist Musik. Ruhig leitet das Cello das Finale ein. Sanfte, fast zärtliche Töne kommen aus dem bauchigen Instrument. Auf diese Ruhe antworten die beiden Geigen in einem schnellen Tempo. Auch die Viola erkämpft sich immer wieder eine Melodieflihrung. Die tieferen Streicher versuchen sehr schnell der ersten Geige die Dominanz zu nehmen, welche ihrerseits die erste Rolle nicht aufgeben will. Das erinnert an eine Fuge von Bach. Cello, Viola und die beiden Violinen in beschwingtem Wechsel.
Die Phantasy op. 2 von Benjamin Britten bettet sich wunderbar zwischen die beiden Werke aus der Romantik ein und zeigt mit Unerwartetem klar das 20. Jahrhundert Mit Kurt Meier, Oboe, kommt ein Künstler mit Weltklasseformat dazu. Den bunten, warmen Klangteppich bringen die Streicher, die Oboe bringt mit ihrem anderen Klangkörper einerseits Spannung und andererseits Glanz und Jubel. Geheimnisvoll macht das Cello den Anfang. Wehmütig und sehnsuchtsvoll ist die Stimmung. Da erklingt die Musik ruhig und erinnert an die Weite des Meeres. Doch feurig wie Lavaströme ergiessen sich mit der Oboe neue Klangelemente ins Wasser, zischen kurz auf und versinken wieder in Ruhe. Spritzige Pizzicati herrschen vor. Dann plötzlich geben tänzerische, stampfende Streicher den Rhythmus an, daneben rebelliert die Oboe und setzt fast zu einem Überflug an. Das Cello hat wieder die letzten, fast wie Schneeflocken verfliegenden Töne. Den leisesten Schlusston hat dieses dicke Instrument.
Nicht ganz unbekannt ist das Quintett in F-Dur von Anton Reicha. Es ist ein Glanzstück flur die Oboe. Sie bläst eine liebliche Melodie und die Streicher begleiten sie nicht minder lieblich. Doch zwischendurch zeigen sie, dass sie auch aufbegehren, trotzen und sich gekonnt in Szene setzen können. Kurt Meier zeichnet mit seinem Instrument ganz klar jede Linie, federleicht, oft auftaktig. Er bringt in seinen Händen die Oboe zum Singen, lässt sie leichtflissig von Motiv zu Motiv hüpfen, ja tanzen. Flink, geschmeidig und weich wie ein Wiesel lässt die Oboe die Melodien in den Raum gleiten. Dann kann sie wiederum wie ein Vogel im Blätterwerk der Streicher verschmelzen, doch zwischendurch keck und lautstark den Schnabel ertönen lassen. Virtuos wie ein Eichhörnchen klettert sie den Baum hoch und hinunter, freut sich an jedem gelungenen Überraschungseffekt. Es ist ein listiges Hin und Her, fast etwas bäuerisch, schlau, oft tänzelnd. Dazu geben die Streicher Wohiklang und Vertrautheit. Die Viola webt ihren warmen Ton zu einem Samttuch, während das Cello in tiefen Lagen einen sicheren Boden gibt. Erdung ist gewährleistet.
Der Applaus ist lang und herzlich. Die Zugabe ist wie ein Wiegenlied des Mondes, ruhig, freundlich und doch kindlich verspielt. Oboe und Streicher singen abwechseln in Ruhe und Geborgenheit. Da freuen sich ganz offensichtlich Zuhörer und Musiker gleichermassen. (bos)