Birrhard

«Anlass mit unseren Frauen»

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“Anlass mit unseren Frauen“ der Männerriege Birrhard

„In nächster Umgebung“

Auch dieses Jahr kannte niemand das Programm für diesen traditionellen Anlass. Man hatte sich am Gemeindehaus Birrhard einzufinden und um 14.45 Uhr fuhren 9 Frauen und 11 Turner in 5 PW zum ersten Zielort. Es war das Berufsbildungsheim Neuhof in Birr.

Herr Beat Thomé, Leiter des Bereichs Ausbildung erwartete uns schon und führte uns ins Zentralgebäude, wo bereits die gedeckte Kaffeetafel bereitstand. Er servierte uns Kaffee, Tee und Mineralwasser und vom Kuchenbuffet konnten wir uns mit Zitronen- und Schoggi-Cake selbst bedienen.

Anschliessend führte uns Herr Thomé zum Pächterhaus, ins Grottino, dem Kellertheater des Neuhofs Birr.

Hier begrüsste er uns offiziell und hiess uns herzlich willkommen.

Zuerst informierte er uns über Johann Heinrich Pestalozzi, dem Gründer des Neuhofs und dem Begründer der Volksschule.

J. H. Pestalozzi wurde 1746 in Zürich geboren. Er besuchte von 1754 – 1765 die Elementar- und die Lateinschule und studierte zunächst Theologie, dann Jurisprudenz am Collegium Carolinum in Zürich. Er brach das Studium ab und begab sich vom September 1767 – Mai 1768 nach Kirchberg bei Burgdorf und machte eine landwirtschaftliche Berufslehre. 1769 heiratete er die Zürcher Patriziertochter Anna Schulthess und wohnte zunächst in Mülligen. Er begann Land im Birrfeld zusammenzukaufen, um dort ein landwirtschaftliches Mustergut zu schaffen. Der Versuch misslang; Pestalozzi war Opfer betrügerischer Ratgeber geworden. Danach wollte er aus dem Neuhof eine Anstalt zur Erziehung und zum Unterrichten armer Kinder machen. Auch dieses Unternehmen schlug fehl. 1780 brach der Neuhof zusammen. Einen Teil des Gutes hat sein Bruder verkauft, der aber mit dem Geld verschwand. Der andere Teil wurde verpachtet.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen wurde Pestalozzi zum Schriftsteller. Unzählige pädagogische Werke hat er geschaffen. Mit wechselndem Erfolg in Stans, Burgdorf, Münchenbuchsee und Yverdon kehrte er 1825 zurück. Als fast Achtzigjähriger begann er mit dem Bau des heutigen „Herrenhauses.“

In der Dorfchronik Birrhard 1991 vom ehemaligen Gemeindeschreiber Albert Wüst steht: „Es wird speziell erzählt, dass Vater Pestalozzi, während er sich auf dem Neuhof aufhielt, oft zur Winterzeit ohne Rock von seinem Studientisch weglief und zu Schulmeister Wüst ins Birrhard eilte, dort halbe Tage lang in der Schule die Kinder und den Unterricht beobachtete, oft sogar selbst unterrichtete und Versuche mit seiner Methode anstellte.“

1827 starb Pestalozzi in Brugg. Seinem Wunsche gemäss fand Pestalozzi seine letzte Ruhestatt an der Schulhausmauer von Birr.

Noch heute kommen Besucher aus aller Welt an das Grab des grossen Lehrers, Erziehers und Schriftstellers, um ehrfurchtsvoll seiner zu gedenken.

Infos zum Berufsbildungsheim Neuhof: Das Berufsbildungsheim Neuhof ist ein Werk der Schweizerischen Pestalozzistiftung Birr und feierte 2014 das 100 jährige Jubiläum.

Der Neuhof ist ein offenes, modernes Berufsbildungsheim und dient der sozialen und beruflichen Integration von männlichen Jugendlichen. Als private, von der öffentlichen Hand anerkannte und mitfinanzierte Institution setzt es sich für die ganzheitliche Förderung der anvertrauten jungen Menschen ein, ungeachtet ihrer Staats- und Religionszugehörigkeit und ihrer kulturellen Herkunft.

Mit dem Angebot spricht man männliche Jugendliche im Alter zwischen 15 und 22 Jahren an, die auf Schwierigkeiten mit abweichendem Verhalten reagieren. Auf den von ihrem Umfeld (Familie, Schule, Lehrbetrieb etc.) auf sie ausgeübten pädagogischen Einfluss wollen oder können sie nicht mehr eingehen, verlieren dadurch den Halt und bedürfen besonderer pädagogischer Massnahmen.

Begleitet werden die Jugendlichen auf ihrem Weg ins Leben durch schrittweise und realitätsnahe Auseinandersetzungen mit den gesellschaftlichen Erwartungen und Anforderungen und erhalten einen Beitrag zur möglichst nachhaltigen beruflichen und sozialen Integration.

Von den 40 zur Verfügung stehenden Plätzen, sind im Moment 39 belegt. Gewohnt wird in 4 Wohngruppen.

Folgende Berufe können auf dem Neuhof erlernt werden:

Maler, Metallbauer, Schreiner Möbel/Innenausbauer, Landschaftsgärtner, Florist, Landwirt, Koch.

Es kann festgestellt werden, dass es immer schwieriger wird, für die Ausbildung attraktive Aufträge zu akquirieren und diese dann gewinnbringend zu realisieren. Das Umfeld ist härter geworden.

Das Bundesamt für Justiz hat 2014 ein Anerkennungsaudit im Neuhof durchgeführt. Die Anerkennung wurde ohne Auflage für weitere 4 Jahre erteilt.

Rundgang auf dem Neuhof: Da samstags arbeitsfrei ist, konnten wir uns trotzdem ein Bild von den einzelnen Arbeits- und Ausbildungsstätten machen. Sie sind auf verschiedenen Gebäuden verteilt und eignen sich für eine optimale und umfassende Grundausbildung der Auszubildenden.

Interessant auch der Bio-Landwirtschaftsbetrieb zu dem 38 ha Wies- und Ackerland, sowie 4 ha Wald gehören. Es wird eine Angus-Mutterkuhherde mit Kälbern und 30 Mutterschweine gehalten. In der eigenen Kompostieranlage werden ca. 1000 Tonnen Grüngut zu hochwertiger Komposterde verarbeitet. Durch die Einbringung des Komposts auf die eigenen Felder, kann auf Kunstdünger verzichtet werden.

Zum Schluss konnten wir noch den kürzlich neu kreierten „Neuhof-Märt“ besichtigen. Nebst der schon bekannten Floristik können neu, handgefertigte Unikate aus Holz und Metall und Produkte aus dem Landwirtschaftsbetrieb und viele weitere Neuheiten erstanden werden.

Die Teilnehmenden waren überrascht über das umfangreiche und zum Teil unbekannte Angebot, das der Neuhof zu bieten hat und das in unmittelbarer Nähe unserer Gemeinde Birrhard.

Mit Applaus und einem „Seelenwärmer“ bedankten wir uns bei unserem Gastgeber Herr Beat Thomé.

Anschliessend dislozierten wir zum Gasthof Ochsen in Lupfig. In der alten Metzgerei, die zum schmucken Metzgerstübli umgebaut wurde, war für uns festlich gedeckt. Zum Apéro und zum Hauptgericht wurden Walliser Weine ausgesucht. Aus der aufliegenden Karte konnte jeder, die ihm mundenden Speisen aussuchen. Der Hit war: Rehrücken-Medaillons mit Hausgemachten Spätzli, Rosenkohl, Rotkraut und Maroni. Eine gute Wahl wie sich später zeigte. Wir wurden freundlich und aufmerksam von unserer Serviererin Helena betreut. Unsere Menüs wurden speditiv aufgetischt und mit sichtlichem Appetit verspeist. Als Abrundung zum feinen Gericht, durfte ein Dessert nicht fehlen. Der Leiter des Anlasses hatte für unsere Frauen ein Quiz vorbereitet. Zur Lösung der 12 Fragen zu H. Pestalozzi, dem Neuhof und zur Männerriege durften die Männer Support leisten. Zum Schluss musste noch eine Stechfrage beantwortet werden um die Ränge zu ermitteln. Auch der ungeliebte 4. Rang erhielt noch ein kleines „Trostpflästerli“. Kurz vor Mitternacht nahmen wir die Heimfahrt unter die Räder. Nochmals besten Dank den Teilnehmenden fürs aktive Mitmachen, dem Neuhof für die interessante Besichtigung und dem Gasthof Ochsen und seiner Crew für die zuvorkommende Gastfreundschaft. Es ist zu hoffen, dass dieser Anlass in guter Erinnerung bleibt. hsch

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