Klingnau

Abschied eines Naturfreundes und Idealisten!

megaphoneLeserbeitrag aus KlingnauKlingnau

Am vergangenen Samstag fanden sich 160 Delegierte aus den kantonalen Fischereivereinen und zahlreiche Ehrengäste aus der Politik in der Propstein- schulanlage in Klingnau zur alljährlichen Delegiertenversammlung des Aargauischen Fischereiverbandes zusammen.

Das Grusswort eröffnete der Regierungsrat Peter Beyeler. Er bezeichnete das Hobby Angeln nicht nur als eine Art „Würmlibade", sondern wies auf die Wichtigkeit der Fischerei als Indikator für den Gesundheitszustand unserer Gewässer hin. Angler leisten einen relevanten und beträchtlichen Beitrag zur Hege- und Pflege unserer Bäche, Flüssen und Seen. Um für die Natur verbesserte Lebensräume zu schaffen benötigt es in der heutigen Gesellschaft mehr Zeit und eine gesunde Kompromissbereitschaft um den optimalen Konsens zwischen Zivilisation und Natur zu finden. Hierfür sind die Naturverbände mit ihrer Fachkompetenz und Erfahrung als Unterstützung unverzichtbar geworden. Projekte wie der in Europa längste Fischpass in Wettingen konnten so realisiert werden. Weitere Naturgebietsverbesserungen stehen bereits vor der Türe. So sollen in einigen Gewässern im Kanton Aargau die Fischpässe bei Wasserkraftwerken verbessert, oder Auengebiete wieder aufgewährtet werden.

Danach wurden die Gäste durch den gastgebenden Fischereiverein Unteres Aaretal über ihr schönes Hausgewässer informiert. Dieses reicht vom PSI in Villigen bis zur Mündung wo Aare und Rhein zusammenfliessen. Wunderbare Angelmöglichkeiten auf Hecht, Forelle oder Äsche seien möglich. Leider zeige sich die Fischpopulation in den vergangenen Jahren durch Einzug von Prädatoren wie Kormoran, Gänsesäger und Graureiher geschwächt. Der Fangerfolg von Forelle und Co. sei massiv zurückgegangen, was sich basierend auf die Fischfangstatistik der vergangenen 10 Jahren beweisen lässt. Die gesamte Flussstrecke offeriert landschaftlich einen wunderschönen Anblick mit ihrem Fluss- und Stauseegebiet.

Hinsichtlich der sinkenden Fischpopulation in Schweizer Gewässern zeigte der künftige Präsident des Schweizer Fischereiverbandes Roland Seiler eine erschreckende und durchaus traurige Auswertung. Von den mal 55 heimischen Fischarten sind bereits 8 Arten ausgestorben und 33 bedroht. Dieses Resultat zeigt auf, wie in vergangenen Zeiten rücksichtslos mit unseren Schweizer Gewässern umgegangen wurde. Missmanagement von Wasserkraftwerken für die Herstellung von Strom, welcher heutzutage als Bio-Strom angepriesen wird, oder Bach- und Flussbegradigungen, bei denen ganze Teilstrecken betoniert wurden, sind nur ein Teil der Gründe für dieses verheerende Resultat in unseren Schweizer Gewässern.
Die Ursachen für diese Missstände sind bekannt, es sei nun an der Zeit diese Gründe mit praktischer Arbeit aus der Welt zu schaffen. Es wäre wünschenswert, wenn auch noch unsere Kindeskinder angeln gehen können und dabei einen Fisch fangen würden, betonte Roland Seiler.

Als positives Beispiel und als Motivation für die Zukunft zeigte Grossrat Ruedi Jost das Resultat anhand des Hallwilersees. Der Felchenbestand im Hallwilersee war auf Grund eines erhöhten Phosphorgehaltes im Wasser und dem daraus entstandenen Algenbewuchs zum Erliegen gekommen. Durch Anstrengungen konnte die Gewässerverschmutzung gesenkt werden. Der Felchenbestand erhole sich und es darf in naher Zukunft mit einem gesunden und respektablen Fischbestand im Hallwilersee gerechnet werden.

Die gesamte Delegiertenversammlung wurde gut organisiert durch den Aargauischen Fischereipräsidenten Dölf Bolliger geführt. Nebst einer Erweiterung des Vorstandes von 7 auf 9 Mitglieder wurde ein nahezu ausgeglichenes Finanzergebnis mit einem minimen Verlust präsentiert. Ein grosses Highlight im vergangenen Jahr war der Start des obligatorischen Sachkundenachweis (SANA) für Angler. Diesen Sachkundenachweis muss ab 2010 jeder Angler mittels einer erfolgreich bestandenen Ausbildung mit Prüfung aufweisen. Hierfür ging ein grosser Dank an den Projektleiter Walter Baur und seinem Team, die die Umsetzung des Sachkundenachweises ausgezeichnet meistern und gemeistert haben.

Im Mittelpunkt der 92. Delegiertenversammlung stand der Präsident des Aargauischen Fischereiverbandes Dölf Bolliger selbst, der nach 16 intensiven Jahren als Präsident den Rücktritt gab. Hans Brauchli, der neu gewählte Präsident, dankte Dölf Bolliger für seine hervorragende, idealistische und erfolgreiche Arbeit für den Aargauischen Fischereiverband. Vieles konnte Dölf Bolliger in den vergangenen Jahren erreichen und zum Guten ändern. Durch seine angeeignete Fachkompetenz in Gewässer-, Fisch- und Naturkunde konnte sich Dölf Bolliger sich bei vielen Institutionen und Ämtern als einen immer fairen und sachlich orientierten Verhandlungspartner einen geschätzten und gefragten Namen machen. Die an der Versammlung anwesenden Gäste verabschiedeten Dölf Bolliger mit Standing Ovation und einem grossen Dankeschön für seine Arbeit als Aargauischer Fischereipräsident. (stk)

Bilder:
- Regierungsrat Peter Beyeler
- Dölf Bolliger, ehemaliger Präsident
- Hans Brauchli, neuer Präsident
- Alter und neuer Präsident
- Roland Seiler
- Ruedi Jost
- Vorstand AFV
- Delegierte AFV

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