Die aargauische Offiziersgesellschaft bekennt sich klar zur Weiterentwicklung der Armee (WEA), die der Nationalrat in der Sommersession abgelehnt hat. Die Aargauer Offiziere diskutierten an ihrer Generalversammlung vom 20. Juni 2015 in Aarau die Zukunft der Schweizer Armee und ihre eigene Rolle. Die Stadt Aarau und die Offiziersgesellschaft stimmen überein, wie es mit der Kaserne Aarau weitergehen soll.

Die SVP ist nicht zufrieden mit der Taube in der Hand, sie will den Pfau auf dem Dach“, so kommentierte der Präsident der Aargauer Offiziere, Oberst im Generalstab Dieter Wicki, das Resultat des Nationalrats. An der Generalversammlung der Aargauischen Offiziersgesellschaft vom Samstag, 20. Juni 2015 in Aarau gab die parlamentarische Beratung der WEA viel zu reden.

Diese aktuelle Diskussion passte auch gut zum Thema des Tages: Unter dem Titel „Die Zukunft der Armee und die Rolle der Offiziersgesellschaften“ wurde die WEA in den grösseren Zusammenhang gestellt. Auf dem Podium diskutierten der deutsche Generalleutnant Richard Rossmanith (Kommandant des Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm), Korpskommandant Aldo C. Schellenberg (Kommandant der Schweizer Luftwaffe), Oberst im Generalstab Bernhard Schütz (Vertreter des Vorstandes der Schweizerischen Offiziersgesellschaft) sowie der Historiker Dr.phil. Peter Braun unter der Leitung des Publizisten Dr.phil. Bruno Lezzi die verschiedenen Facetten der Thematik.

Für Korpskommandant Schellenberg haben die Ereignisse in Paris („Charlie Hebdo“) und in Belgien gezeigt, dass die WEA die richtige Antwort sei: Die Armee müsse Land und Bevölkerung verteidigen und auch in der Lage sein, die kritische Infrastruktur zu schützen, damit die Polizei ihre Arbeit tun könne. Zur Abstimmung im Parlament verwies er darauf, dass der Nationalrat zuerst die Inhalte der WEA unterstützt habe und dann die Vorlage in der Gesamtabstimmung versenkt habe. Bei der Beurteilung müsse man berücksichtigen, dass National- und Ständerat die Vorlage mit dem WK-Modell sechs WK à drei Wochen und der Ausbildungszulage für Milizkader sogar verbessert hätten.

Aus dem Publikum hakte sich Nationalrätin Corina Eichenberger in die Diskussion ein. Die Armeefinanzen müssten verbindlich geregelt werden. Die SVP habe dazu aber den falschen Weg gewählt: Schreibe man die Zahl fünf Milliarden ins Militärgesetz, so werde so durch die Hintertür ein Finanzreferendum eingeführt. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass das Problem gelöst werden könne.

Peter Braun zeigte auf, dass nicht nur heute sondern bereits im Kalten Krieg die Finanzlage das Armeebudget bestimmt hatte. Bevor mit dem Konzept der „Abwehr“ 1966 ein tragfähiger Kompromiss gefunden wurde, war heftig um die Zukunft der Armee gestritten worden. Klar war einzig, dass das Konzept der Vergangenheit – das Reduit – nicht mehr dazu taugte, mit der militärischen Bedrohung umzugehen. In diesem Konzeptionsstreit hatten sich seinerzeit die Offiziersgesellschaften öffentlich engagiert. Korpskommandant Schellenberg wies darauf hin, dass auch in der aktuellen Diskussion die Offiziersgesellschaft ein wichtiger Ansprechpartner für die Armeeplaner ist.

Generalleutnant Rossmanith wies darauf hin, dass in vielen europäischen Ländern gegenwärtig die Weiterentwicklung der Streitkräfte diskutiert werde. Dabei würden herkömmliche Denkmuster nicht mehr zur Bewältigung der aktuellen globalen sicherheitspolitischen Probleme taugen. „Wir müssen den Bedrohungen dort begegnen, wo sie entstehen“, meinte er. Panzer zählen sei das Instrument der Vergangenheit, heute und morgen müssten Streitkräfte flexibel ein breites Fähigkeitsspektrum bewältigen können. Er unterstrich drei neue sicherheitspolitische Herausforderungen: Erstens dass in der Ostukraine staatliche Akteure systematisch nicht-konventionelle Methoden verwenden (Propaganda), zweitens dass nicht-staatliche Akteure wie der Islamische Staat Territorium kontrolliere und drittens dass Pandemien wie Ebola ganze Staaten zu destabilisieren drohen, was auch weitreichende Folgen für Europa hat (Migration).

Generalversammlung – Stabwechsel von Oberst zu Oberst

 Jolanda Urech, Aarauer Stadtpräsidentin, überbrachte zu Beginn der Generalversammlung Grüsse. Sie unterstrich die Bedeutung des Kasernenareals für die Entwicklung der Stadt Aarau. Sie zeigte sich einverstanden mit den Plänen der Armee, wie die Kaserne Aarau im Rahmen der WEA genutzt werden soll. Sie sprach sich für eine Öffnung des Areals aus, damit sich die Bevölkerung freier zwischen Bahnhof und Altstadt bewegen kann. Dieter Wicki bestätigte, dass dies auch die Haltung der AOG sei.

Grossratspräsident Dr.iur. Markus Dieth, selber aktiver Milizoffizier, wies in seiner Grussbotschaft auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Armee für den Aargau hin: Mehrere Hundert Arbeitsplätze und total 48 Millionen Franken Wertschöpfung entstehen aus den Waffenplätzen Aarau, Brugg und Bremgarten, dem Rekrutierungszentrum Windisch sowie – als grösstem militärischem Arbeitgeber im Aargau – aus dem Armee-Logistikcenter Othmarsingen.

Frau Landstatthalter Susanne Hochuli musste sich aufgrund einer Terminkollision durch Stephan Campi, Generalsekretär des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), vertreten lassen. Er unterstrich die gute Zusammenarbeit zwischen Kanton und AOG.

Nach drei Jahren gab Oberst i Gst Dieter Wicki (Jg. 1967, Aarau) statutengemäss sein Amt als AOG-Präsident ab. Als Nachfolger wählte die Versammlung Oberst Peter Balzer (Eiken). Der 47-Jährige ist Immobilien-Unternehmer und militärisch im Stab der Territorialregion 2 eingeteilt. Oberstleutnant Dominik Riner (Jg. 1974, Dipl. Techniker HF / Dipl. Bauführer SBA, Schinznach-Dorf) wurde als Vizepräsident bestätigt, ebenso bestätigt wurde Aktuar Oblt Patrick Birchmeier (Jg. 1983, MLaw UZH, Kreditanalyst, Brugg). Neu gewählt wurden:

  • Major Simon M. Bolliger, 1980, MSc ETHZ / EMBA HSG, Finanzchef einer KMU, Bözberg
  • Oberleutnant Jürg Willi, 1969, Betriebsökonom, Inhaber und Geschäftsführer eines Büros für Unternehmensentwicklung, Küttigen
  • Oberstleutnant im Generalstab Oliver Wolf, 1978, Berufsoffizier, Fislisbach

Verabschiedet wurden nach neun Jahren im Vorstand Kassier Hauptmann Raphael Schmid (Aarau) und nach drei Jahren im Vorstand Oberstleutnant im Generalstab Daniel Krauer (Nesselnbach), Major Paul Knoblauch (Aarau) und Major Reto Patrick Müller (Hüttikon).  

Die aargauische Offiziersgesellschaft vertritt die Interessen der Milizoffiziere aus dem Aargau. Sie umfasst die sieben Sektionen Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Freiamt, Fricktal und Zofingen. Sie ist die drittgrösste Offiziersgesellschaft der Schweiz.