Am Sonntag, 1. Juni 2014 konnte mit rund 40 Teilnehmenden im Rahmen der 950-Jahrfeier der Gemeinde Bellikon der vom Natur- und Vogelschutzverein organisierte Bannumgang bei besten Wetterverhältnissen durchgeführt werden.

Abmarschiert wurdeum 9 Uhr beim Gemeindehaus. Die Gruppe wurde geleitet durch Guido Wähli, Ernst Hofstetter und Walter Hauenstein vom Vorstand des organisierenden Vereins. Der Weg führte zuerst gegen die Südecke der Gemeinde bei der Grenze zu Eggenwil zum so genannten Wiesli, einem geschützten Hangried, dessen Pflege dem Natur- und Vogel­schutzverein obliegt. Beim Vorbeigehen konnte auch auf die vorgesehenen Umbau­arbeiten bei der Transit-Gasleitung hingewiesen werden. Dieser Umbau soll künftig auch Bellikon die Versorgung mit Erdgas ermöglichen.

Wie an so manchen Orten, hatten auch bei uns schon die alten Römer…, nämlich eine Siedlung erstellt. Deren Ruinen wurden 1941 ausgegraben, aber wieder zugedeckt. Am Ort dieses Fundes vorbei ging der Weg unterhalb der Kantonsstrasse nordwärts Richtung Rehaklinik. Hinunter durch das Bachtobel des Fahrbaches, entlang der Magerwiese auf dem Klinikareal und durch den Installationsplatz für die Klinikerneuerung gelangte der Trupp schliesslich zum Schlossweg. Diesem Weg entlang ging es talwärts und kurz unterhalb der Grenze zu Künten wurde über einen Hilfssteg, den das Bauamt in verdankenswerter Weise für diesen Anlass hingelegt hatte, das Tobel des Krebsbaches überquert, zum so genannten Bändelacher. In diesem, einst von Rebbergen geprägten Gebiet, finden sich noch Reste von Trocken­mauern, von denen die eine vor einigen Jahren durch die Gemeinde Bellikon erneuert und ergänzt wurde. Auch der Bändelacher ist, wie das Wiesli, eine wertvolle Fläche mit selten gewordenen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, geeignet zur Förderung der Artenvielfalt.

Mit einem weiteren Schwenker über Küntener Gemeindegebiet, gelangte man zum Bürst­bach und diesen entlang ging‘s bergwärts, hinauf zur Kantonsstrasse. Nach einem Erfrischungshalt beim Bauernhof im Mätteli führte der Umgang weiter dem Bürstbach entlang hinauf nach Hausen. Damit verabschiedete sich die Gruppe vom unteren Gemeindeteil mit den verschiedenen Bachtobeln. Oberhalb des Siedlungsgebietes wurden diese Bäche nämlich im Rahmen der so genannten Anbauschlacht im 2. Weltkrieg zur Gewinnung von Landwirtschaftsland mit einem riesigen Netzwerk von Drainageleitungen eingedohlt. Ober­flächlich sieht man von en Bächen heute nichts mehr, ausser bei extremen Niederschlägen, wenn der Boden das abfliessende Wasser nicht mehr zu schlucken vermag und sich dieses über die Äcker und Felder, manchmal auch durch Keller seinen Weg sucht, wie dies vor einigen Jahren der Fall war.

Weiter ging‘s die Sennhofstrasse hinauf und dann noch weiter bergwärts zum Triangulationspunkt auf dem Weg zum Sennhof. Mit der dortigen Weitsicht in den Jura und die Alpen hinein sowie den kundigen Erläuterungen von Guido Wähli konnte man sich die Entstehung der Aargauer Flusslandschaft, geprägt von den letzten Eiszeiten und der Gebirgsfaltung, welche Alpen und Jura „auftauchen“ liess, plastisch vorstellen.

Dann ging‘s in den Wald hinein. Über die Ringstrasse führte der Weg zur Risi, der Krete über dem Egelsee, welche die Grenze zu Bergdietikon bildet. Der auch von dort aus weite Ausblick, gegen das Limmattal, die Stadt Zürich und Richtung Säntis ist im Sommer durch den Baumbestand leider etwas eingeschränkt. Eindrücklich aber die Asymmetrie des Bergrückens, mit sanft abfallender Flanke gegen die Reuss hin und steilem Abhang gegen das Limmattal. Man geht davon aus, dass sich diese Steilflanke, die übrigens bis zum Teufelskeller in Baden reicht, durch Abrutschen des Hanges nach dem Abschmelzen des Eises am Ende einer der letzten Eiszeiten gebildet hat. Entlang der Risi, auf der Belliker Seite, liegt das grösste zusammenhängende Waldstück der Gemeinde. Stark vertreten sind in diesem Wald die Buchen und andere Laubbäume. Noch sehr deutlich sind die Spuren von „Lothar“, dem Sturm, der am 26. Dezember 1999 durchs Land fegte, sichtbar. Was für die Waldwirtschaft zu Ertragsausfällen führte, war für die Waldpflanzen und –tiere ein Glücksfall, führte der Sturm doch zu einer Aufwertung ihrer Lebensräume. Der Wald gegen den Egelsee, weitgehend im kantonalen Eigentum, wird heute teils aus Kostengründen, teils auch, um ihn naturnäher werden zu lassen, nicht mehr bewirtschaftet.

Über den höchstgelegenen Punkt, 787 mü.M., wurde dann bald die Abzweigung erreicht, welche Richtung Naturschutzhütte beim Dreieck führt. Beim Hüttli empfing der Rest der Vorstandsmitglieder des Vereins die inzwischen doch etwas müden Wanderer mit Brot, Wurst und Getränken. So konnte der Umgang in aller Gemütlichkeit und dem weiten Blick auf das Reusstal und den Jura an diesem, wohl schönsten Aussichtspunkt der Gemeinde, gemütlich ausklingen.

Mit allen Erläuterungen an den verschiedenen interessanten Stellen dauerte der Umgang rund vier Stunden. Die Veranstalter bedanken sich bei allen Teilnehmenden für das rege Interesse, die aus­gezeichnete Marsch­tüchtigkeit, tolle Aufmerksamkeit und gute Laune. Es herrscht wohl einstimmig die Meinung, dass man keine weiteren 950 Jahre vergehen lassen muss bis zu einem nächsten Banntag.

Gemeinde Bellikon