Dreimal schon hat das Jubiläumsprojekt der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau Wander- und Kapellenfreunde zur Rotsockenpilgerschaft aufgerufen. Dreimal fand sich eine frohgemute Hundertschaft ein, um auf Schusters Rappen die kulturhistorischen Kleinode sakraler Baukunst zu erkunden. Und dreimal hat es ausgerechnet an diesem Tag geregnet. So auch am vergangenen Samstag, als sich rund 90 Unentwegte aufmachten, um von Muri aus die Kapellenschätze in und um Beinwil zu entdecken. Erstmals dabei war diesmal eine Gebärdensprachdolmetscherin, die alle Informationen des Nachmittags simultan für gehörlose Exkursionsteilnehmer übersetzte.

Der Extrabus brachte die Wanderschar zuerst nach Wallenschwil, wo sie von Kurt Adler, Leiter Bildung Mobil, im Namen der Landeskirche begrüsst und auf das Wanderprogramm eingestimmt wurde. Dann übernahm Kapellenautor und Reiseleiter Andreas C. Müller das Zepter. Er erläuterte, ergänzt durch die Ausführungen der langjährigen Sakristanin, Silvia Leuthard, die Besonderheiten der Laurentiuskapelle und des Laurentiuskultes von und in Wallenschwil.

Dann wurde es Zeit, die Regenschütze auszupacken, denn auf dem Weg nach Beinwil wurden die Wanderer regelrecht getauft. Gewitterregen begleitete sie auf dem Burkardsweg bis in die Beinwiler Kirche. An jeder Station der Wanderroute wartete die Kirchenpflege Beinwil mit Getränken und selbstgemachten Backwaren auf. Das hielt die Moral der Pilger ebenso aufrecht, wie die launigen und aufmunternden Worte von Vikar Richard Strassmann, der Leben und Werk des Heiligen Burkard für seine Zuhörer in der wunderbar restaurierten Kirche und deren Krypta erfahrbar machte.

Via Wegkapelle Mariahalden und vorbei am Wegkreuz des Heiligen Burkard, bedient mit vielen Informationen von Kirchenpflegepräsidentin Irene Hofstetter rund um Beinwil, seine Geschichte und Besonderheiten, erreichte der nasse Tross schliesslich den Horben. In der ehemaligen Sommerresidenz des Klosters Muri, im Schloss Horben, empfing der aktuelle Schlossherr, Nicolas Borsinger, die

Kapellenwanderer als Gäste. Eine besondere Ehre, denn das Schloss befindet sich seit vielen Jahren im Privatbesitz der Familie Borsinger, und die kostbaren Tapetenmalereien von Caspar Wolf, die kunstvollen Stuckaturen, die edlen Möbel und die eindrucksvolle Waffensammlung sind sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Borsinger hatte aber offensichtlich viel Spass daran, die staunende Wanderhorde durch sein Schloss zu führen. Dass man für diese Unternehmung sein verschmutztes Schuhwerk im Parterre lassen musste, verstand ein jeder. Was der Schlossherr hingegen kaum glauben konnte, war die Tatsache, dass niemand rote Socken trug. „Es hat in einer Zeitung geheissen, die Rotsocken würden unser Schloss erobern heute“, zitierte Borsinger, „aber wo sind nun die roten Socken...?!“

Den besinnlichen Abschluss der Wanderung erlebten die Teilnehmer in der schmucken kleinen Schlosskapelle, die dem Heiligen Wendelin geweiht ist. Da liess Martin Egli die Geschichte des Klosters Muri und seiner Äbte noch einmal lebendig werden. Keiner versteht es so wie der Präsident der Vereinigung Freunde des Klosters Muri, die Welt im und um den berühmten Konvent in all seinen Facetten vors innere Auge zu malen. Von Kurt Adler mit dem Wegsegen versehen, labten sich die Wanderer anschliessend noch bei Grillwürsten, Tranksame, Kuchen und Kaffee, bevor der Extrabus sie wieder zurück zum Bahnhof Muri brachte.

Christian Breitschmid-Gabriel