Herbstwanderung der Reformierten Kirchenpflege Oberentfelden

Einen Anlass, der erst zum zweiten Mal durchgeführt wird, kann man wohl noch nicht als "traditionell" bezeichnen. Dieses Jahr staunten wir bei einer Stadtführung in Bremgarten darüber, welche Schätze direkt vor unserer Nase verborgen liegen. Zum Beispiel am Spittelturm eine "Smart Watch" aus dem 16. Jahrhundert. Diese Uhr kann nicht nur die Zeit, sondern auch den Wochentag, die Mondphase und gar das Tierkreiszeichen (der Zeiger braucht für eine Zifferblattrunde ein ganzes Jahr) anzeigen. Wie ein Uhrwerk, das mit unserer Kirchturmuhr in Oberentfelden baugleich ist, ein so kompliziertes Räderwerk antreiben kann, blieb allerdings in einem schuhkartongrossen Kästchen verborgen.

Speziell war auch der Besuch eines "E-Grabens", eines schmalen Durchgangs zwischen zwei Häuserzeilen. "E" kann dabei durchaus für Entsorgung stehen, warf man doch früher allen Dreck einfach dort hinunter. An einer Fassade waren sogar noch die Überreste eines Plumpsklos zu sehen, das direkt in den Graben führte. Stank es zu sehr, wurde einfach der Stadtbach umgeleitet und der ganze Dreck in die Reuss gespült. Über Pestepidemien brauchte man sich deshalb nicht zu wundern. Und so stand Heinrich Bullinger, Nachfolger von Ulrich Zwingli in Zürich, dessen Geburtshaus wir in Bremgarten ebenfalls besuchten (allerdings nicht mehr Original, es ist einem der damals häufigen Stadtbrände zum Opfer gefallen), am Grab von acht seiner elf Kinder.

Einen nachhaltigen Eindruck hinterliess der Hexenturm. Vor allem alleinstehende Frauen, "die nicht auf den Schutz eines Mannes zählen konnten", wurden der absurdesten Verbrechen angeklagt, etwa "ohnbekleidet auf einem gesalbten Besen umhergeflogen" zu sein. Nachdem sie in tagelanger Haft im acht Meter tiefen Verlies hinter meterdicken Mauer gefügig gemacht und anschliessend unter Folter zu einem Geständnis gezwungen worden waren, wurden sie auf eine Leiter gebunden und bei lebendigem Leib verbrannt.

Wir waren jedenfalls froh, die düstere Welt des Mittelalters wieder verlassen und unser Picknick im Sonnenschein an der Reuss geniessen zu können. Dann wurde es richtig sportlich: 13 Kilometer oder 17'000 Schritte der Reuss entlang bis nach Gnadental. Eine zwar etwas lange, aber schöne und empfehlenswerte Wanderung. Die Herbstwanderung endete mit einem gemütlichen Fondueplausch im Kirchgemeindehaus und dem spontanen Kirchenpflegebeschluss, die Herbstwanderung spätestens nach der dritten Ausgabe im kommenden Jahr zur Tradition zu erklären.

Reto Löffel
Präsident der Kirchenpflege