TEGERFELDEN – Die Advents- und Weihnachtszeit ist in unserer Kultur gemeinhin jene, in der wir den familiären Zusammenhalt in den Vordergrund stellen und versuchen, die entsprechenden Bande zu stärken. Somit erscheint das Thema „Nie mehr allein!“ eine logische Folge dieser Ausganslage. Ob diese Forderung aber auch der Realität entspricht, dieser Frage wurde am letzten 11vor11-Gottesdienst des Jahres in der einmal mehr gut gefüllten reformierten Kirche Tegerfelden nachgegangen.

Gemeinschaft wünscht sich jeder

Moderator André Scheidegger machte gleich zu Beginn des Gottesdiensts klar, dass er es nicht mochte allein zu sein. „Einzig früh morgens, wenn ich keine Lust habe, mich mit jemandem zu unterhalten, kann ich mit dem Alleinsein einigermassen gut umgehen. Wenn ich hingegen abends allein essen muss, greife ich fast unwillkürlich zu einer Zeitung, um diesen Moment zu überbrücken.“ Das Kreativteam ging noch eine Stufe weiter und stellte den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Selbstmordgedanken her. Zu sehen waren Rosmarie Schellenberg und Marie-Jane Isenegger sitzend am Fenster eines Hochhauses, bereit zum tödlichen Sprung in die Tiefe. Die beiden kennen sich nicht, aber durch das spontan entstehende Gespräch nehmen sie von ihrem fatalen Plan Abstand. Die Unterhaltung schliesst mit der gegenseitigen Zusage, einander anrufen zu dürfen, wenn wieder ein zuhörendes Gegenüber helfen würde.

Allein versus einsam

Im Inputteil berichteten Anita Sieber Hagenbach und Elisabeth Heuberger aus erster Hand, was es bedeutete, zumindest phasenweise im Leben allein zu sein. Kontrastiert wurden dabei insbesondere die Begriffe „allein“ und „einsam“. Am Beispiel von Nonnen und Mönchen wurde klar, dass Phasen des allein Seins einen vertiefteren Zugang zu Gott ermöglichten. Umgekehrt wurde klar, dass insbesondere die „Social Media“ zu einer Flut von Beziehungen führten, denen aber meist die Tiefe abgingen. So widersprüchlich sich das anhört, aber die modernen Kommunikationsmöglichkeiten führen in der Tendenz eher zu einer Vereinsamung des Individuums als zum Gegenteil. Nicht von ungefähr hört man im Alltag bei grösseren und kleineren Konflikten allzu oft die Äusserung: „Me sött halt rede mitenand.“ Dies hat viel mit der Qualität unserer Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu tun, und diese lassen sich in virtuellen Räumen halt deutlich schlechter pflegen als von Angesicht zu Angesicht. Treffend stellte Anita Sieber Hagenbach fest: „Beziehungen zu pflegen braucht Einsatz“, und damit sind nun einfach nicht ein paar Mausklicke gemeint.

Dass die 11vor11-Gottesdienste sehr stark von der Mitarbeit vieler Freiwilliger lebt, wurde speziell beim Kreuzverhör deutlich. In den allermeisten Fällen ist es eine Pfarrperson, die diese oftmals kniffligen Fragen zu beantworten versucht. In diesem Fall war es Anita Sieber Hagenbach, die sich dieser Aufgabe stellte, und sie tat es mit einer beeindruckenden Lockerheit und Souveränität. Auch die 11vor11-Band zeigte ihr Improvisationsvermögen unmittelbar davor. Conny Isenegger stellte richtig fest, dass noch zu wenige Fragen für das Kreuzverhör formuliert worden waren, und so stimmte die Band spontan den Hit „We Are the World“ an.

11vor11 des Jahres 2013 im Zeichen der Sprichwörter

Für die 11vor11-Familie ist nun Weihnachtspause. Weiter geht es am 17. Februar 2013 mit dem Thema „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“. Generell stehen im folgenden Jahr bekannte und weniger bekannte Sprichworte im Vordergrund. Die weiteren Daten und Themen für das Jahr 2013 finden Sie unter www.kirche-tegerfelden, oder sie können beim Pfarramt der reformierten Kirche Tegerfelden, Telefon 056 242 11 55, erfragt werden.

Stephen Livingstone, Tegerfelden