Martina Awadalla-Burger führte einst mit ihrem Mann ein Restaurant in Ägypten. 2013 kehrte sie in ihr Heimatdorf zurück, wo sie mit Hingabe die «Fundgrueb» führt.

«Gucken, stöbern, probieren, Freude haben» lautet das Motto der Geschäftsführerin. Martina Awadalla-Burger hat es mit Kreide auf eine Shabby-Tafel geschrieben, die am Eingang der Scheune steht. Im Innern dürfen Stammkunden, Neugierige und spontane Passanten nach Herzenslust in den Büchern, Kleidern und Accessoires stöbern – und das 24 Stunden am Tag! Das Geld wird in eine Kasse gelegt. «Ich vertraue meiner Kundschaft», sagt die 41-Jährige. Die Preise sind moderat: Bücher kosten 2 (Softcover) bzw. 3 Franken (gebunden), auch die Kleidung ist erschwinglich. Doch günstig heisst nicht billig: «Ich lege Wert darauf, dass die Kleider in einem guten Zustand und sauber sind», sagt die 42-jährige Freienwilerin. Ihr Sortiment ist klar definiert: Frauen- und Kinderkleider, Schuhe, Bücher, Accessiores. «Ich will kein Brocki sein», hält die Inhaberin fest.

Auf einem Tischchen sind Bücher zum Thema Wein, Whisky und Zigarren hübsch drapiert. Eine komplette Wand ist mit Büchern gefüllt – rund 1000 müssten es sein. Oder 1001? Diese Zahl würde auf jeden Fall zum Leben der Freienwilerin passen. Bis 2013 lebte Martina Awadalla-Burger mit ihrem Mann Mekky in der Nähe von Assuan. Den Ägypter nubischer Herkunft hatte sie 2003 während ihren Ferien in Dahab, nördlich von Sharm El Sheikh, mit ihrer Schwester Franziska kennengelernt. Mekky arbeitete in der Touristenhochburg im Service. Die beiden verliebten sich – wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Mekky folgte Martina in die Schweiz, wo sie heirateten und bis 2011 in Arlesheim und Basel lebten. Beide arbeiteten in der Gastronomie: «Ich habe einst eine Koch-Lehre angefangen, aber leider nicht beendet», verrät Martina Awadalla. Der Wunsch, selber ein Restaurant zu führen, wuchs. Dann ergab sich in Mekkys Heimat die Gelegenheit: Sie konnten Land kaufen, ein Haus darauf bauen und darin das Restaurant «Nubian Culture House» eröffnen. Mekky servierte, Martina kochte. Es wurde getrunken, gegessen und getanzt. Auf der Karte standen vor allem einheimische Gerichte – «meine damaligen Nachbarn verrieten mir die Geheimnisse der nubischen Küche», erinnert sich die Freienwilerin. Auf der Frühstückskarte stand zwar auch Birchermüesli, doch generell kochte sie nur wenige europäische Speisen: «Bei Temperaturen bis 50 Grad ist das meiste davon sowieso zu schwer», erklärt Martina Awadalla, die Arabisch und ein wenig Nubisch («für Smalltalk reichts!») gelernt hat.

Das Paar versuchte, Kooperationen mit Reiseveranstaltern zu schliessen, da die grossen Nil-Kreuzschiffe die Touristen ewtas weiter unten im Dorf absetzten und so keine Laufkundschaft kam. Durch die Revolution in Ägypten im Jahr 2011 brach dann jedoch der Tourismus ein, und die Lage wurde schwierig. 2013 kehrte Martina in die Schweiz zurück – alleine, denn ihr Mann wollte noch in seiner Heimat bleiben. In Freienwil, wo sie aufgewachsen und auch Ortsbürgerin ist, mietete Martina Awadalla ein Häuschen mit Scheunen-Anteil. Dort eröffnete sie im Frühling 2017 die «Fundgrueb». Mekky, der seiner Frau inzwischen doch nachgefolgt war, half bei der Einrichtung tatkräftig mit. An die Wände hängten sie riesige bunte Tücher aus Ägypten. Ein bisschen Heimat in der Fremde. «Es war eine aufregende Zeit in Assuan», sagt Martina Awadalla etwas wehmütig.

Tagsüber arbeitet sie nun im Bistro Spule 1 im Trafo Baden. Nach Feierabend verbringt sie oft Zeit in ihrem Laden. Sie sortiert Ware, die auf dem dafür vorgesehen Tisch deponiert werden kann, und räumt sie ein. «Leider kommt es aber immer wieder vor, dass Leute Haushaltwaren oder andere Dinge bei mir entsorgen», erzählt sie und appelliert an das Gewissen der Fehlbaren: «Das ist ein grosser Aufwand und manchmal sogar mit Kosten verbunden.»

Seit kurzem bemalt sie auch Papiertaschen mit schönen und witzigen Motiven, die sie für 1,50 Franken verkauft. Das künstlerische Talent hat sie zweifellos von ihrer Mutter, der Kunstmalerin Claire Burger, geerbt. Die Idee, auf dem oberen Boden die Bilder ihrer Mutter auszustellen, hat sie aber wieder verworfen: «Wir haben keine Heizung hier, und deshalb wäre es im Winter zu kalt und zu feucht für die Bilder.»

Die Idee, Bücher und Kleider weiterzuverwenden und jemandem damit eine Freude zu bereiten, fasziniert sie immer noch: «Das ist Nachhaltigkeit.» Wahrscheinlich sogar nachhaltiger als Kleidersammlungen für Afrika: «Denn je mehr Kleider nach Afrika gegeben werden, desto weniger Arbeit haben die dortigen Fabriken und Schneider», glaubt Martina Awadalla.