Im Jahr 2004 fusionierten die Zivilschutzorganisationen Gränichen und Kulm. Die daraus entstandene Zivilschutzorganisation Wynental wurde unter dem Kommandanten Gregor Müller modernisiert und weiterentwickelt. Seit über 10 Jahren setzen sich die Zivilschützerinnen und Zivilschützer engagiert für den Schutz der Bevölkerung von Oberkulm, Unterkulm, Teufenthal und Gränichen bei Notlagen ein. Ernsteinsätze waren dabei erfreulicherweise selten.

Die neu gegründete Zivilschutzorganisation befand sich 2004 im Übergang vom früheren Betten zusammennageln des Kalten Krieges zu einer modernen, auf die Katastrophenbewältigung ausgerichteten Zivilschutzorganisation. Der Kommandant seit der ersten Stunde, Gregor Müller, strebt eine stete Erhöhung der Professionalität und Effizienz an. Auf allen Stufen sollen überzeugende Leistungen erreicht werden. Einsätze sollen jeweils lehrreich, sinnvoll und praxisorientiert sein.

Laufende Erhöhung der Einsatzbereitschaft

Von Beginn weg erhielt die Kaderausbildung ein grosses Gewicht. Denn nur mit einer guten Führung konnten die Herausforderungen der Modernisierung gemeistert und der Ausbildungsstand und die Motivation in der gesamten Zivilschutzorganisation erhöht werden. Mit der Schaffung des Regionalen Führungsorgans Wynental entstand 2005 auch die regionale Führung, welche im Notfall die verschiedenen Partner des Bevölkerungsschutzes koordiniert. Unterstützt wird das regionale Führungsorgan bei der Informationsverarbeitung durch den Fachbereich Führungsunterstützung des Zivilschutzes. Im Bereich Betreuung wurde die Einsatzbereitschaft 2006 deutlich erhöht. Die geschützte Sanitätshilfsstelle Schiffländi in Gränichen wurde so vorbereitet, dass sie innerhalb von kürzester Zeit obdachlos gewordene Personen aufnehmen kann. Für die Pioniere wurden 2012 zwei Anhänger angeschafft, auf denen modernes Ersteinsatzmaterial gelagert wird. Diese Anhänger stehen für einen Einsatz sofort zur Verfügung und verbesserten die Einsatzbereitschaft deutlich. Um sämtliche Fachbereiche und die Zusammenarbeit mit dem regionalen Führungsorgan optimal zu koordinieren wurde der Kommandoposten Juch umgebaut und 2012 am Tag der offenen Tür der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Übung macht den Meister

Immer wieder führt die Zivilschutzorganisation Wynental Übungen durch, um ihre Fähigkeiten weiter zu optimieren. 2008 fand beim Bahnhof Gränichen eine Rettungs- und Sanitätsgrossübung statt, bei der 25 Verletzte gerettet und versorgt werden mussten. An dieser Übung, welche in dieser Grösse im Wynental noch nie stattgefunden hatte, waren Feuerwehren, Zivilschutz, Samaritervereine, ein privates Ambulanzunternehmen und die unter der Telefonnummer 144 erreichbaren Rettungskräfte beteiligt. Bei einer anderen Übung wurde 2013 das Zusammenspiel der verschiedenen Fachbereiche des Zivilschutzes getestet. Mitten in Lektionen des Wiederholungskurses wurden die Zivilschützer mit der Nachricht überrascht, dass es in Unterkulm eine Gasexplosion gegeben habe. Anschliessend mussten die Fachbereiche die Bewältigung des Ereignisses koordinieren.

Seltene Ernsteinsätze

Erfreulicherweise waren Ernsteinsätze in den vergangenen 10 Jahren selten. Im Jahr 2005 wurde Engelberg von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Die Zivilschutzorganisation Wynental half darauf bei den Aufräumarbeiten. Auch 2006 und 2008 unterstützten die Zivilschützer Engelberg bei der Bewältigung der Folgen der Unwetterschäden, was zu einem engeren Kontakt zwischen den Regionen führte. Im eigenen Gebiet kam es 2007 zu einem Ernsteinsatz, als Ober- und Unterkulm von Hochwasser betroffen waren. Die Zivilschutzorganisation Wynental wurde in der Nacht aufgeboten und half am nächsten Morgen bei den Aufräumarbeiten mit. Des Weiteren kam es 2010 in Unterkulm zu einem Hangrutsch. Zivilschützer bauten danach während einer Woche eine rund 15 Meter breite und 20 Meter hohe Hangverbauung ein.

Beachvolleyballfeld im Schnee

Damit die Pioniere realitätsnah üben können setzen sie ihre Maschinen regelmässig für Arbeiten für die Öffentlichkeit ein. Nach dem Sturm „Lothar“ räumten sie 2004 Waldflächen in Gränichen und Teufenthal auf. Im Jahr darauf errichteten sie im März bei unerwartet viel Schnee ein Beachvolleyballfeld in der Badi Unterkulm. 2007 wurden ein Sandkasten bei einem Kindergarten und eine Quelle in Unterkulm saniert. Ein Höhepunkt war der Bau von zwei Blockhäusern bei den Kindergärten Gänstel und Winkel in Gränichen. Die Pioniere gestalteten diverse Spielplätze attraktiver, z.B. 2010 in Oberkulm und 2013 in Unterkulm.

24 Stunden Mindestbetrieb im Alterszentrum

Der Fachbereich Schutz und Betreuung engagierte sich von Anfang an in den Alterszentren und baute dabei seine Unterstützungsfähigkeiten aus. Zu Beginn machten Betreuer Spaziergänge und Spiele mit Bewohnern, zum Beispiel 2005 in Gränichen und 2006 in Oberkulm. Vor dem Hintergrund eines Epidemie-Szenarios und entsprechenden Personalausfällen in den Alterszentren wurden die Betreuer 2011 in der Pflege geschult, was von Regierungsrätin Susanne Hochuli bei einem Besuch gewürdigt wurde. Im Jahr darauf zeigten die Betreuer ihr Können und hielten am Ende des Wiederholungskurses zusammen mit einigen ehemaligen Mitarbeiterinnen den Mindestbetrieb im Alterszentrum Gränichen 24 Stunden lang aufrecht, während das Personal sich einen gemeinsamen Personalausflug gönnte. Eine Besonderheit der Zivilschutzorganisation Wynental sind die mehreren Frauen, welche sich vor allem im Fachbereich Schutz und Betreuung engagieren.

Im Einsatz für die Gemeinschaft

Neben dem Üben der Fähigkeit, eine Katastrophe möglichst effizient zu bewältigen, erbringt die Zivilschutzorganisation Wynental auch Leistungen zu Gunsten der Gemeinschaft. So unterstützte sie z.B. in Aarau 2007 das Schwingfest und 2010 das Schützenfest. Beim Bike-Lehrpfad in Gränichen bauten Pioniere 2013 eine Holzbrücke. Mit dabei ein Pferd, welches ein Zivilschützer für die Arbeiten zur Verfügung stellte. Bei Dunkelheit, der Zeit der Einbrüche, sind seit Ende 2005 Zivilschützer in den Quartieren von Oberkulm, Unterkulm, Teufenthal und Gränichen unterwegs. Mit der schweizweit einmaligen Aktion „Crime Stop“ werden Einbrecher abgeschreckt und die Sicherheit für die Bevölkerung erhöht.

Vernetzt nach innen und aussen

In den ersten Jahren der Zivilschutzorganisation Wynental wurden die verschiedenen Fachbereiche auf ein hohes Niveau gebracht. So inventarisierte beispielsweise der Kulturgüterschutz bis 2010 die Archive der vier Gemeinden. Danach gewann das Zusammenspiel der Bereiche an Bedeutung. Zentral dabei ist die Führungsunterstützung, welche die Kommunikation zwischen allen Fachbereichen unterhält. Ebenfalls von grosser Wichtigkeit ist die Logistik, welche Material, Geräte, Fahrzeuge, Anlagen und gutes Essen für alle Fachbereiche liefert. Beim Kader ist es Kommandant Gregor Müller wichtig, dass es Verantwortung erhält und übernimmt: „Es ist unser Ziel, dass meine Stellvertreter einen Wiederholungskurs alleine führen können, was wir in den letzten Jahren immer wieder erfolgreich übten“. So wie nach innen das Zusammenspiel von Bedeutung ist, so ist es auch die Vernetzung nach aussen, um in einer Krisensituation die zuständigen Personen zu kennen. Der 2005 von Gregor Müller ins Leben gerufene jährliche Bevölkerungsschutzrapport bringt die verschiedenen Partner des Bevölkerungsschutzes zusammen. Die Herz-Lungen-Wiederbelebungsausbildung wird seit 2008 gemeinsam mit dem Samariterverein Gränichen und mit der Polizei durchgeführt. An den Gewerbeausstellungen der Region tritt die Zivilschutzorganisation Wynental regelmässig mit ihren Partnern auf.

Erfolgreich unterwegs

Mit Herzblut stellt sich Kommandant Gregor Müller den Herausforderungen, die eine Milizorganisation mit sich bringt. Er motiviert und setzt Anreize, damit möglichst viele Zivilschützer daran mitarbeiten, die Zivilschutzorganisation Wynental weiterzubringen und gemeinsam eine hohe Qualität zu erreichen und zu halten. Die positive Stimmung, der Zusammenhalt im Kader, die praktischen und sinnvollen Arbeiten der Pioniere und die positiven Rückmeldungen der Alterszentren zeigen den im Verlauf der 10 Jahre erzielten Erfolg.