Der Fabrikpalast konnte mit seinen zahlreichen Veranstaltungen in und um die Aarauer Altstadt auf sein Programm aufmerksam machen und ein neues Publikum gewinnen.

Während zehn Tagen war der Fabrikpalast zu Gast in der Aarauer Innenstadt. Mit rund 15 Vorstellungen wandte er sich an das Aarauer Publikum und bot eine breite Palette an Vorstelllungen für Kinder und Erwachsene, Strassentheater, Gesprächsrunden und eine Ausstellung in der Stadtbibliothek, darunter zwei Gastspiele einer Niederländischen und einer Australischen Gruppe sowie zwei Uraufführungen.

Schon am KulturFest konnte man den bunten Paradiesvögeln begegnen, die majestätisch oder auch ganz verspielt durch die Gegend stolzierten. Vor allem die Kinder waren von diesen schrägen Vögeln hell begeistert. Hinter der Stadtbibliothek wirkte ein kleines, eigenartiges Männchen, das sich seine eigene Welt malt und schliesslich als nackter Adam seiner Eva begegnet (Tine Beutels „Weltenmaler").

Im Café littéraire der Stadtbibliothek feierte am 27. Okt. das Stück „Haiku" von Matthias Dieterle vor vollbesetztem Haus seine Première und fand ein begeistertes Publikum. Der tiefe Sinn und die verspielte Poesie dieser Literaturgattung fanden die grosse Stille in dieser Inszenierung, die ihr die nötige Kraft gab. Neville Tranter, der weltbekannte Australier mit seinen „Stuffed Puppets", fand leider nicht das nötige Publikum. Die wenigen Zuschauer kamen dafür in den Genuss einer hochstehenden und überaus gekonnten Aufführung, in der der Solokünstler mühelos die grosse Bühne des KuK füllte.

Das Podiumsgespräch über das Figurentheater im digitalen Zeitalter brachte am vergangenen Freitag spannende Aspekte und neue Möglichkeiten der Manipulation von Figuren zutage. René Bauer, Dozent für interaction design an der Zürcher Hochschule der Künste, stellte Erfahrungen und Projekte vor, wie er Figuren am Bildschirm animieren kann. So verwendet er einen Teddybären quasi als Spielkonsole, um eine 3D-generierte Figur zu manipulieren. Katja Spiess, Leiterin des FigurentheaterZentrums Stuttgart berichtete von neuesten Versuchen, aber auch misslungenen Projekten mit digitalen Medien auf der Figurenbühne und stellte die Frage, ob der Theaterraum überhaupt der künftige Bühnenraum für digitale Medien und Figurentheater sein könne.

In einer Literarischen Matinée im Haus zum Schlossgarten stellte der Schriftsteller Christian Haller die These auf, dass sich der heutige Mensch permanent auf der Bühne befinde, sich dauernd performen müsse, damit man ihn überhaupt wahrnimmt. Er sieht keinen grossen Unterschied mehr zur Bühnenfigur, die sich dort als etwas ausgibt, was sie nicht ist. Die modernen Massenkommunikationsmittel machen es möglich, dass man sich problemlos mit einer anderen Individualität darstellen und behaupten kann. Der moderne Mensch würde faktisch zweimal geboren, einmal biologisch, einmal medial.

Dass sich am Rande des Festivals Gespräche und Begegnungen mit einem Publikum ergaben, welches erstmals vom Fabrikpalast gehört hat - oder ihn mindestens zum erstenmal bewusst wahrnahm - ist wohl eine der positivsten Auswirkungen dieses Anlasses. Damit ist das Hauptziel der Veranstalter erfüllt worden, nämlich den Fabrikpalast als spannendes und anspruchsvolles Theater für alle Bevölkerungsschichten in den Köpfen der Aarauer und Aarauerinnen zu verankern.
Noch bis zum 14. Nov. ist in der Stadtbibliothek die Ausstellung 10 Jahre Fabrikpalast zu sehen. Am Samstag, 7. Nov. wird Bettina Berthold von 10-12 Uhr mit Handpuppen mit den Kindern in Dialog treten und von ihren Chaschperlifiguren erzählen (bei den Kinderbüchern). (htr)