Alterspflege

Zoff um Getränkepauschale im Altersheim: Basler Marthastift in der Kritik

Marthastift

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Marthastift bezieht Getränkepauschale – zu Unrecht, sagt das Amt für Langzeitpflege. Der Sohn einer Heimbewohnerin fordert die Rückerstattung der Kosten für sich und die rund hundert Bewohnerinnen und Bewohner des Marthastifts ein.

Zwei Jahre lebte die Seniorin bereits im Marthastift, als ihrem Sohn eines Tages mitgeteilt wurde, dass die Heimbewohner künftig eine Extrapauschale für Getränke bezahlen müssen. Den Betrag von 60 Franken solle sie von ihrem Taschengeld bezahlen, hiess es. Der Heimplatz der Seniorin kostet rund 8'500 Franken. Der Betrag wird von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) überwiesen. Rund 300 Franken überlässt die Kesb der Heimbewohnerin als Taschengeld zur freien Verfügung. Davon bezahlt sie unter anderem die Termine beim Coiffeur und ihre persönlichen Kosmetikartikel. Von nun an sollte sie mit diesem Geld auch die Pauschale für Getränke wie Kaffee und Wasser bezahlen.

Rückerstattung der Kosten gefordert

Das Demenzzentrum Marthastift geriet bereits Anfang Juni in Kritik, da dort verhältnismässig viele Menschen am Coronavirus starben und die neue Heimleiterin Monica Basler die Schuld für diesen Umstand auf die mangelnde Unterstützung des Gesundheitsdepartements schob. Nun trifft die Leitung ein neuer Vorwurf: Die Erhebung der Getränkepauschale sei nicht rechtens gewesen.
Der Sohn der Seniorin wunderte sich über diese Neuerung und wendete sich an das Amt für Langzeitpflege (ALP). Die zuständige Mitarbeiterin antwortete ihm, dass eine generelle Getränkepauschale nicht zulässig sei und sie die Leitung des Marthastift diesbezüglich angeschrieben habe. An der Erhebung der Pauschale änderte sich dennoch vorerst nichts.
Erst einige Monate später teilte eine Mitarbeiterin dem Sohn mit, seine Mutter müsse die 60 Franken nun nicht mehr bezahlen. Als Grund nannte sie, dass die Seniorin nun sowieso nicht mehr viel trinke. Von der Finanzbeiständin der Mutter wissen die Angehörigen: Dieser Erlass galt nur für sie. Die rund hundert anderen Bewohnerinnen und Bewohner müssen den Betrag weiterhin zahlen. Auf die Frage des Sohnes nach der Rückerstattung der unrechtmässig erhobenen Beträge habe die Mitarbeiterin allerdings nicht antworten können. Auch die Anfragen an den Stiftungsratspräsidenten Dominik Schniepper und die Heimleiterin Monica Basler seien konsequent ignoriert worden, so Schneider. Ende Juni ist die demenzkranke Seniorin dann im Alter von 81 Jahren verstorben.

Entscheide werden hinausgezögert

Ihr Sohn fordert die Rückerstattung der Kosten für sich und die rund hundert Bewohnerinnen und Bewohner des Marthastifts weiterhin ein. Dafür nimmt er ein langwieriges Hin und Her in Kauf. Das ALP habe ihn an die Ombudsstelle verwiesen, berichtet er. Dort erhielt er ebenfalls keine Antwort, woraufhin er beschloss, sich direkt an den Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger zu wenden – ohne Erfolg. Die zuständige Sachbearbeiterin verwies ihn zurück an die Ombudsstelle. Nachdem er dort wiederholt nachgefragt habe, sei ihm mitgeteilt worden, dass die Heimleiterin noch bis Ende Juli in den Ferien sei und er sich gedulden müsse.

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