Wegen Corona
Ein Augenschein: Der Nicht-Cortège lockt die Menschen in die Stadt, es bleibt aber überschaubar

Obwohl die Basler Fasnacht abgesagt wurde, kamen am Montagnachmittag viele Fasnächtler in die Stadt. Mehrheitlich hielten sie sich an die Coronaregeln.

Elodie Kolb
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Das Wetter zeigte sich heute am Rhein von seiner besten Seite.
14 Bilder
Drei Binggis im Kleinbasel.
Ein leicht satirischer Hinweis auf die Corona-Regeln.
Auch die verschiedenen Posten des Fasnachtsspaziergangs versprühten Fasnachtsenergie.
Auch die verschiedenen Posten des Fasnachtsspaziergangs versprühten Fasnachtsenergie.
Fasnachtsdekoration kam nicht zu kurz.
Ein Hochsicherheits-Kostüm.
...und noch eines...
...und noch eines...
...und noch eines.
Das Fasnachtstram der BLT.
Ein Blick ins Innere des Trams.
Fasnächtliche Spuren in der Innenstadt.
Die Passagiere des Fasnachtstrams.

Das Wetter zeigte sich heute am Rhein von seiner besten Seite.

Roland Schmid

Am frühen Montagnachmittag könnte man meinen, es sei ein normaler Sonntag im Frühling, der viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger an die frische Luft lockt. Nur Kleinigkeiten erinnern daran, dass es Fasnachtsmontag ist und der Cortège in einem normalen Jahr um
13.30 Uhr losgehen würde.

Häuser und Fassaden wurden fasnächtlich geschmückt, man hört immer wieder Piccolo- und Trommelmärsche aus Musikboxen und rund um den Spalenberg wurden grosse Räppli auf die Strassen gesprayt. Überall in der Stadt liegen Räppli auf dem Boden, die echten. Eine Frau im Waggis-Kostüm hat einen langen Massstab, den sie ganz aufgefaltet hat. Sie weist jeden, der vorbei läuft, mit einem Augenzwinkern auf die Abstandsregeln hin. Läden und Restaurants haben Theken organisiert und bieten Bier, Mehlsuppe und Ziibeleweihe.

Gegen Mitte des Nachmittags füllt sich die Stadt merklich, die Dialogteams auf dem Münsterplatz mischen sich unter die Leute. Trotzdem: Viele tragen Masken und halten Abstand. Man merkt: Es muss mehr sein als nur das schöne Wetter, das die Leute auf die Strassen lockt.

Corona bleibt präsent

Die Posten des Fasnachts-Spaziergangs am Münsterplatz und Barfüsserplatz werden am frühen Nachmittag gut besucht, aber es sind überschaubare kleinere Grüppchen. Auch der Spalenberg ist verhältnismässig ruhig. Hauptsächlich in Zweier- und Dreier-Gruppen halten die Menschen Ausschau nach weiteren Posten des Rundgangs und lesen interessiert die Schilder.

Kostümiert sind nur wenige. Vor allem Kinder, die auch mit Räppli ausgerüstet sind, die sie in der ganzen Stadt verteilen. Verkleidete Erwachsene sieht man kaum: Besonders ins Auge sticht eine Gruppe Männer, die kostümiert unter einer Art durchsichtigem Ganzkörper-Regenschirm sind. Einer ist verkleidet als Krankenpfleger, ein anderer trägt eine rote Kappe verkehrt herum, auf der steht: «Make America Great Again.» Auch Musizierende sind wenige bis keine zu sehen. Die Stimmung ist entspannt.

Abseits vom fasnächtlichen Geschehen trifft gegen 12.30 Uhr das Fasnachts-Tram von Markus Böhler an der Heuwaage ein. «Es war so schön, am Morgestraich die Freude der Leute zu sehen und zu hören, wie sie applaudierten, als wir mit dem Tram durch die Stadt gefahren sind», erzählt Melanie, die 21-jährige Tochter von Böhler. Es habe sich angefühlt wie sonst am Morgestraich: Früh aufstehen, erst gegen acht Uhr heimgehen, ein paar Stunden schlafen, essen und dann direkt wieder in die Stadt. Auch wenn es anstrengend war: Sie sagt es mit einem unter der Maske erahnbarem Lächeln.

Maskenpflicht wird teilweise ausgelotet

Während die Passanten auf dem Fasnachts-Spaziergang mehrheitlich die vorgeschriebenen Masken tragen, nutzen andere ihr Bier oder die Bratwurst als Möglichkeit dafür, die Maske nicht aufsetzen zu müssen. In mehrheitlich kleineren Gruppen stehen oder sitzen sie zusammen, trinken und essen. Auch wenn die Gruppen nur selten die Anzahl von sechs bis sieben Personen überschreiten, wird es bei vielen doch schnell eng. Gerade im Kleinbasel in Richtung Claraplatz und am Rheinbord sind viele Spaziergänger und Fasnächtler unterwegs. Nur etwa die Hälfte der Passanten trägt eine Maske. Eine Gruppe von Frauen hat sich sogar fasnächtliche Masken gebastelt: Auf den Hygienemasken kleben farbige Räppli. Doch nicht alle tragen sie auch tatsächlich.