Stellenmarkt

Vom Barpersonal bis zum Koch: Betrüger locken via Onlineportal mit Jobs in Basler Buvette

Laut der rumänischen Stellenplattform Romjob werden bei einem Restaurant im Basler Buvette neue Mitarbeiter gesucht. (Symbolbild)

Laut der rumänischen Stellenplattform Romjob werden bei einem Restaurant im Basler Buvette neue Mitarbeiter gesucht. (Symbolbild)

Unbekannte werben auf rumänischem Onlineportal mit angeblichen Stellen in einem Basler Restaurant – die Hintergründe bleiben unklar. Auch der Inhaber des Restaurants weiss von der Personalrekrutierung in Osteuropa nichts.

Eine Vollzeitstelle als Kellner für umgerechnet 1700 Franken im Monat. 49 Wochenstunden als Tellerwäscher für schlappe 1300 Franken monatlich. Für Schweizer Verhältnisse klingt das nicht wie ein schlecht bezahlter Job, sondern nach Ausbeutung. Und doch wird mit diesen Gehältern für Stellen in einem Basler Restaurant geworben. Allerdings nicht auf dem einheimischen Stellenmarkt, sondern auf einer rumänischen Jobvermittlungsseite.

Beim Basler Restaurant, in dem laut der rumänischen Stellenplattform Romjob vom Barpersonal bis zum Koch alles gesucht wird, handelt es sich um das «Veranda Pellicano» beim Birsköpfli. Dessen Betreiber Gabriele Pellicano weiss aber nichts von der Personalrekrutierung im Osteuropa. Von der bz mit dem Inserat konfrontiert, reagiert er überrascht: «Davon höre ich zum ersten Mal!» Er kann sich nicht erklären, wie das Inserat auf der Website gelandet ist. «Es macht auch überhaupt keinen Sinn, auf Ende der Saison so viele Stellen auszuschreiben.» Das letzte Mal, als das Restaurant auf Facebook und dem Marktplatz der Unibasel Stelleninserate publiziert habe, sei bereits mehrere Monate her. Und er sagt: «Bei uns arbeitet niemand aus Rumänien.»

Für rumänische Verhältnisse sind die angebotenen Lohnsummen nicht so tief: Der durchschnittliche Bruttolohn lag dort 2018 bei 940 Euro. Laut dem Inserat der Seite «Romjob» seien ausserdem Kost und Logis bereits im Lohn inbegriffen. Die zukünftigen Angestellten erhalten drei Mahlzeiten pro Tag und eine Unterkunft im Dreierzimmer geboten.

Falsche Angaben des selbst ernannten Managers

Doch auch unter diesen Umständen ist das gebotene Gehalt laut der Gewerkschaft Unia viel zu tief. «Gemäss Landes-GAV des Gastgewerbes gelten je nach Ausbildung Mindestlöhne von 3470 bis 4910 Franken», erklärt Unia-Sprecher Felix Ulrich. Auch beim Abzug der Spesen für volle Verpflegung und Unterkunft, welche nach eidgenössischen Mindeststandards bei etwa 1000 Franken liegen würden, liegen die im Inserat gebotenen Löhne noch weit unter dem Minimum. Die Unia verurteilt daher das Angebot aufs Schärfste: «Ein derartiger Lohn verunmöglicht ein würdiges Leben und ist rechtlich nicht zulässig.»

Die Gewerkschaft will nun eine Verbandsklage einreichen. Mit diesem Mittel wird dem zuständigen Kontrollorgan nahegelegt, eine Untersuchung einzuleiten. «Derartige Werbepraktiken im Ausland sind uns auch anderweitig bekannt, allerdings eher in der Gewerbebranche», sagt Ulrich. Ihm bekannt ist ein Fall von Fassadenbauern, die im Ausland mit einem ähnlichen Angebot angeworben und im Anschluss zu widrigsten Bedingungen und horrenden Preisen in Baracken mit rudimentären Matratzen im grenznahen Deutschland untergebracht wurden.

Die bz hat in Zusammenarbeit mit «Rise Project», einer rumänischen Plattform für investigativen Journalismus, versucht, mehr über den Urheber des Inserats herauszufinden. Ein rumänischer Journalist stand für die bz mit dem Anbieter in Kontakt – der Nachrichtenwechsel liegt der bz vor. Der im Inserat als Kontaktperson angegebene Mann behauptet im Verlauf des Chats: «Ich bin der Manager des Restaurants Veranda.» Eine Aussage, der Inhaber Gabriele Pellicano klar widerspricht: «Ich kümmere mich alleine um das Management.» Auch sonst hat das scheinbar gute Jobangebot seine Tücken. So solle der Bewerber nach Basel kommen und sich vorstellen – ohne Garantie auf den Job.

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