Vierspurausbau Liestal
Operation am offenen Herzen der Stadt mit enormer Bedeutung für die Nord-Süd-Achse

Bei den Bauarbeiten am Bahnhof Liestal werden dieses Wochenende wichtige Meilensteine erreicht. Ab Montag soll das Hilfsperron am Gleis 2 stehen und die verschobene Seltisbergerbrücke soll wieder in beide Richtungen befahrbar sein.

Tomasz Sikora
Drucken
Teilen
Blick von der verschobenen Seltisbergerbrücke auf die Grossbaustelle.

Blick von der verschobenen Seltisbergerbrücke auf die Grossbaustelle.

Bild: Roland Schmid / BLZ

Gleich zu Beginn streikte die Technik – die Teilnehmer der Pressekonferenz konnten nicht mehr über ihre Kopfhörer hören, was Oberbauleiter Claudio Gascard in sein Mikrofon sprach, während er mit dem Rundgang für die Medienvertreter begann. Was an einer Pressekonferenz mit etwas lauterem Sprechen und gutem Zuhören kompensiert werden kann, geht auf der Baustelle, die Gascard leitet, nicht.

Am Vierspur- und Wendeausbau Liestal kann man sich streikende Technik nicht leisten, wie Gascard erklärt. Besonders dann nicht, wenn Bauarbeiten betroffen sind, welche eine Komplettsperrung eines Gleises verlangen. Denn, so Gascard:

«Die komplette Sperrung eines Gleises zwecks Bauarbeiten muss 48 Monate im Voraus in die Planung gegeben und beantragt werden. Sie können sich vorstellen, unter welchem Druck man dann steht, die während der Sperrung geplanten Arbeiten dann auch tatsächlich durchzuführen. Man kann schliesslich nicht weitere 48 Monate warten, wenn etwas schiefläuft und so eine vergebene Planung kostet schnell mehrere hunderttausend Franken.»

Die grosse Bedeutung des Anlasses unterstrich auch die Anwesenheit des Liestaler Stadtpräsidenten Daniel Spinnler (FDP), der vor dem Baustellenrundgang anhand eines typischen Pendleraufenthalts bildhaft skizzierte, wie der neue Bahnhof dereinst aussehen und funktionieren soll.

Ungewöhnlich enge Bauverhältnisse

Der Ausbau des Bahnhofs Liestal, der im Juni 2019 begann und insgesamt 380 Millionen Franken kostet, soll zusammen mit Bauprojekten in Pratteln und Muttenz den Viertelstundentakt der S3 zwischen Liestal und Basel SBB ermöglichen und durch die Möglichkeit, mit mehr Gleisen Güter- und Personenverkehr stärker zu entflechten, zu mehr Pünktlichkeit auf der Strecke Olten-Basel beitragen.

Bis der neue Bahnhof Ende 2025 eingeweiht werden kann, muss noch viel gebaut werden. Einige Meilensteine wurden aber bereits erreicht. So werden kommendes Wochenende das Hilfsperron am Gleis 2, die verschobene Seltisbergerbrücke und der erste Abschnitt der Personenunterführung Oristal fertiggestellt und können am Montagmorgen in Betrieb gehen.

Zu den grössten Herausforderungen beim 380-Millionen-Projekt zählt insbesondere, dass die Baustelle sehr eng ist und vor zahlreichen Wohngebäuden steht. Das ist nicht nur verkehrstechnisch schwierig, sondern führte auch zu mancher Einsprache – darunter auch erfolgreichen. So mussten beispielsweise die Pläne zur neuen Passerelle Schwieri westlich des Bahnhofs aufgrund von erfolgreichen Einsprachen angepasst werden, was mit zahlreichen Verzögerungen verbunden ist. Sie soll neu zehn Meter weiter westlich zu liegen kommen.

Kommunikationsoffensive soll Verständnis fördern

Dieses Teilprojekt bereitet den SBB besondere Kopfschmerzen, wie SBB-Gesamtprojektleiter Josef Lientscher offen einräumte: «Die Planauflage für die verschobene Passerelle liegt seit kurzer Zeit auf. Ein Szenario mit einer erneuten Verschiebung wäre für uns schlimm, das sage ich ganz ehrlich.» Stadtpräsident Spinnler betont zwar, die Interessen der Liestalerinnen und Liestaler zu vertreten, stimmt Lientscher aber dennoch zu:

«Die erfolgreichen Einsprachen sind zu akzeptieren. Es wäre aber schön, wenn die Planauflage für die Passerelle Schwieri realisiert werden kann. Sonst riskiert man eine erneute Verzögerung. Das ist keine Drohung, sondern ein simpler Fakt.»

Besonders die enorme Enge der Baustelle sei im Zusammenhang mit den angrenzenden Grundeigentümern ein grosses Thema. Spinnler beurteilt das Projekt im Grossen und Ganzen dennoch positiv: «In Zukunft wird der Zugang Nord vereinfacht, insbesondere deshalb begrüssen wir das Projekt.»

Oberbauleiter Gascard ist sich im Klaren darüber, dass die Extrem-Baustelle den Anwohnerinnen und Anwohnern einiges abverlangt und betont, dass enorme Anstrengungen gemacht wurden, um mit der Bevölkerung in Kontakt zu sein und sie zu informieren.

«Ausnahmen gibt es immer. Wenn man aber den betroffenen Anwohnern im direkten Gespräch erklärt, dass jeder Ausbauschritt letztlich mit der für ganz Europa enorm wichtigen Nord-Süd-Achse zwischen Rotterdam und Genua in Zusammenhang steht, stösst man auf Verständnis.»

Aktuelle Nachrichten