Mobilität

Veloboom durchdringt Amtsstuben: Massive Verbesserungen für Zweiradfahrer im Baselbiet

Vor allem E-Bikes tragen zum Veloboom bei. Doch profitieren davon werden im Baselbiet alle Velofahrer.

Vor allem E-Bikes tragen zum Veloboom bei. Doch profitieren davon werden im Baselbiet alle Velofahrer.

Im Baselbiet ist Schluss mit dem Mauerblümchen-Dasein für Radfahrer – sie erhalten massive Verbesserungen.

Es gibt viele Hinweise auf einen Veloboom. Da wären etwa die Veloläden und die Spitäler, die vermehrt Fahrräder respektive deren Lenker reparieren müssen; die Spitäler als Folge der zunehmenden Unfälle vor allem mit E-Bikes. Da wären auch die langen Wartezeiten beim Kauf eines neuen Velos. Und natürlich gibt es auch politische Vorstösse rund ums Velo (bz von gestern). Das klarste Indiz für einen Boom liefern im Baselbiet aber die sieben Zählstellen, die der Kanton entlang von Radrouten aufgestellt hat.

Die Zahlen sind in den letzten fünf Jahren mit wenigen Ausnahmen kontinuierlich gestiegen, von März bis Mai während der intensivsten Coronazeit richtiggehend explodiert. Zwei Beispiele: In Binningen passierten im April im Tagesdurchschnitt 1754 Velofahrer die Zählstelle an der Amerikanerstrasse. Das waren 40,5 Prozent mehr als im April 2019. In Füllinsdorf auf dem Radweg entlang der Rheinstrasse betrug die Zunahme im gleichen Monat sogar rekordhohe 93,8 Prozent auf täglich 570 Velofahrer.

Veloschnellrouten für jedes grosse Tal im Kanton

Welche Auswirkungen hat dieser Zweiradboom auf den Strassen in den Amtsstuben der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD)? Diese Frage drängt sich umso mehr auf, weil der neue Baudirektor Isaac Reber letzten Herbst sogenannte Veloschnellrouten ankündigte. David Peter, Projektleiter Gesamtverkehrsplanung in der BUD, sagt zum Stand der Planung: «Ziel ist, bis Ende Jahr ein Pilotprojekt zu entwickeln, dessen erstes Teilstück rasch realisiert werden kann.»

Wo dieses Pilotprojekt durchführt, will Peter noch nicht sagen. Reber sprach letzten Herbst von zwei möglichen Routen von der Birs zum Dreispitz, respektive von Salina Raurica nach Birsfelden. Weitere Velovorzugsrouten – neu werden bei der BUD Veloschnellrouten so genannt – sollen innerhalb des Agglo-Programms 4 von 2024 bis 2027 erstellt werden.

Als Endstadium soll jedes grosse Tal vom Birs- übers Rhein- bis zum Ergolztal über eine Velovorzugsroute verfügen. Wichtigstes Merkmal solcher Routen ist, dass sie den Radfahrern vorbehalten sind – auch um Konflikte mit Fussgängern zu vermeiden. Zudem würden Vorzugsrouten breiter als normale Velowege, damit man gut kreuzen kann. Peter spricht von etwa vier Metern und fügt an: «Momentan plant jeder Kanton für sich, und alle warten auf Vorgaben des Bundes.»

Mehr Vortrittsrechte für Velofahrer

Generell überholt der Kanton derzeit die Klassifikation der Velowege. Heute gebe es nur eine Hierarchiestufe, sagt Peter. In Zukunft soll es die drei Kategorien Basisrouten, Hauptrouten und Velovorzugsrouten geben. Ab Kategorie Hauptrouten sollen Velos neu Vortritt gegenüber dem Verkehr von Quartierstrassen erhalten. An weiteren Definitionsmerkmalen werde gearbeitet. Und auf eine entsprechende Frage meint Peter: «Die Velothematik ist ein A-Geschäft innerhalb der BUD und unsere Antwort auf den Veloboom. Dieser bricht die Spitzen bei ÖV und Individualverkehr und kommt somit allen zugute.»

Das Baselbieter Radroutennetz soll in seinem Endausbau rund 300 Kilometer umfassen; das hat der Landrat vor 22 Jahren nach dem Kantonsbeitritt des Laufentals beschlossen. Derzeit sind etwas über 250 Kilometer gebaut, respektive mit Fahrradstreifen eingerichtet. Vor zwei Jahren hat der Landrat eine weitere Tranche von 21,5 Millionen Franken gesprochen, um die letzten Lücken zu schliessen; die neuen Velovorzugsrouten gelten als Supplement. Momentan im Bau sind die neue Brücke über die Birs in Zwingen (bz berichtete) und der Veloweg auf dem Hegenheimermattweg in Allschwil.

In den nächsten zwei bis drei Jahren folge dann die Kägenbrücke über die A 18 von Reinach nach Dornach, sagt Armin Schmauss, bei der BUD Projektleiter Radrouten. Zudem sei man am Evaluieren, ob auch höher gelegene Gemeinden wie Röschenz oder Seltisberg ans kantonale Radroutennetz angeschlossen werden könnten. Dies ist eine Konsequenz der zunehmenden E-Bikes, die den Hauptteil des Velobooms ausmachen. Denn mit einem elektrischen Hilfsmotor radelt es sich locker ins Baselbieter «Gebirge».

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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