Übergriffe
Aufarbeitung nach sexueller Belästigung: «Hirscheneck» will sich grundsätzlich verbessern

Drei Monate nachdem im «Hirschi» Übergriffe bekannt wurden, publiziert das Basler Kollektiv ein Update zu den Fortschritten der Aufarbeitung.

Elodie Kolb
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Soll ein sicherer Ort sein: das «Hirscheneck» in Basel.

Soll ein sicherer Ort sein: das «Hirscheneck» in Basel.

Roland Schmid

Nur kurze Zeit nachdem sexuelle Übergriffe im «Unternehmen Mitte» bekanntwurden, liess das «Hirscheneck» Ende März über Facebook ähnliche Vorwürfe verlauten: Eine Person aus dem Kollektiv habe sich gegenüber anderen Personen übergriffig verhalten. Das Kollektiv reagierte, stellte den Mitarbeiter frei und erteilte ihm ein Hausverbot auf unbestimmte Zeit.

Am vergangenen Donnerstag kommunizierte das Kollektiv nun via Facebook über die Fortschritte durch die Auseinandersetzung in den vergangenen drei Monaten. Man wolle lernen, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen sowohl als Kollektiv als auch als Individuum, heisst es dort. Auch das «Hirschi» sei nicht frei von Vorurteilen und Diskriminierungen, schreibt das Kollektiv auf Facebook weiter.

Deshalb habe man «Kompetenz-Grüppchen» gebildet, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten bei der Aufarbeitung des Vorfalls auseinandersetzen: Darunter eine Anlaufstelle für Betroffene und eine Gruppe für den «informellen Austausch» mit übergriffigen Personen.

«Hirschi» will Umgang und Verhaltensweisen grundsätzlich verbessern

Der aktuelle Prozess sei allerdings mehr als nur die Aufarbeitung des Vorfalls und werde deswegen auch nicht in absehbarer Zeit enden, so ein Mitglied des Kollektivs auf Anfrage, das als Vertreter des Kollektivs anonym bleiben möchte. «Gerade weil wir als Gruppe sehr divers sind, gibt es viele verschiedene Wissensstände und Levels an Bereitschaft und Möglichkeit, sich mit Vorurteilen und Übergriffen auseinanderzusetzen.» In der näheren Zukunft wolle man zur Weiterbildung der Mitarbeitenden weiterhin in den Gruppen arbeiten. Für das «Hirschi» als öffentlichen Ort wolle man sensibilisieren und einen möglichst sicheren Raum ermöglichen.

Allein um den Übergriff gehe es aber längst nicht mehr:

«Das Vorgehen hat für uns schon lange nicht mehr nur damit zu tun. Der Vorfall hat uns vielmehr einen Anstoss gegeben, uns grundsätzlich zu verbessern, und uns gezeigt, dass wir noch viel lernen können»,

erläutert das Mitglied des Kollektivs. Auch externe Hilfe zur Mediation habe man in Betracht gezogen, sich aber schliesslich dagegen entschieden. «Wir haben im Prozess gemerkt, dass das derzeit nicht nötig ist», sagt er. Man halte sich die Option allerdings offen.

Das «Unternehmen Mitte» hatte sich in Folge des öffentlichen Drucks für die Entlassung des beschuldigten Mitarbeiters sowie für die Zusammenarbeit mit einer externen Fachstelle für «vertrauliche Beratung und Unterstützung» entschieden, wie es in der damaligen Stellungnahme hiess. Die IGA kritisierte im Nachhinein allerdings, dass viele Forderungen nicht erfüllt worden seien.

Das Kollektiv «Hirschi» habe derweil den Austausch mit Betroffenen, Aushilfen und Menschen, die früher im «Hirschi» gearbeitet haben, gesucht, so das Mitglied. Die wöchentlichen Teamsitzungen sollen dem Kollektiv ausserdem Platz bieten, um sich wieder vermehrt über «emotionale Themen auszutauschen und nicht nur über technische Fragen». Dafür wurde zudem ein weiteres wöchentliches Treffen geschaffen, sagt das Mitglied weiter.

Die Kommunikation von «Hirschi» wurde im Gegensatz zum «Unternehmen Mitte» in den sozialen Medien nach Veröffentlichung der Vorfälle deutlich gelobt. Nun kommuniziert das Lokal aber ebenso wie die «Mitte» über Facebook und lässt klare Handlungsschritte vermissen. besonders viel ist nach den drei Monaten allerdings nicht herausgekommen.