Tempo 30
Tempo 30 scheidet die Geister

Die im Mai 2009 eingereichte Petition für Tempo 30 hat in Nuglar-St.Pantaleon grosse Wellen geworfen und Befürworter und Gegner zu hitzigen Diskussionen angestachelt.

Jürg Jeanloz
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Bereits an der Gemeindeversammlung vom Dezember 2010 kreuzten beide Lager die Klingen und kämpften mit harten Bandagen. Am 13. Februar soll nun darüber an der Urne abgestimmt werden.

Gemeindepräsident Hans Peter Schmid sieht dem Entscheid gelassen entgegen und bezeichnet den Ablauf als Bilderbuchgeschichte der Demokratie. Der Gemeinderat empfiehlt den Stimmberechtigten, Tempo 30 nur im Dorfteil Nuglar für 60000 Franken einzuführen. Mit der einfacheren Variante könnten Erfahrungen für zukünftige Entwicklungen gemacht werden. Die Variante «Flächendeckende Einführung» für Nuglar und St.Pantaleon würde 80000 Franken kosten.

Reduziert Tempo 30 die Unfälle?

In der Abstimmungsbotschaft soll bei Tempo 30 die Sicherheit der Kinder und erwachsenen Fussgänger verbessert und sollen die Unfälle auf ein Minimum reduziert werden. Die sicheren Freiräume im Quartier würden neue Nutzungsmöglichkeiten ermöglichen. «Wir bekommen damit eine bessere Lebensqualität», meint Befürworter Marcel Salomon. Er wohnt in St.Pantaleon und hat beobachtet, dass Autofahrer von Büren her oftmals ungebremst ins Dorf fahren und Fussgänger massiv gefährden.

Jürg Schenk von Nuglar, der sich auch für eine flächendeckende Einführung ausspricht, findet den Betrag von 80000 Franken angemessen und rechnet bei einer Abschreibung von 20 Jahren einen Betrag von 4 Franken pro Jahr und Einwohner aus. «Wenn man schneller durchs Dorf fährt, gewinnt man lediglich einige Sekunden», argumentiert er. Tempo 30 bedeute auch ein Standortvorteil für Zuzüger und werte die Einfamilienhäuser auf.

Bevölkerung kann es

Ganz anderer Meinung ist Andrea Graf, die sich gegen Tempo 30 wehrt. Gemäss den Messungen des Ingenieurbüros Sutter, Arboldswil, die der Gemeinderat veranlasst hatte, fuhren nur ein Prozent der 2500 gemessenen Fahrzeuge über 50 km/h und damit zu schnell. 90 Prozent fuhren sogar unter 40 km/h. Die Bevölkerung habe bewiesen, dass sie ihre Verantwortung wahrnehme, erklärt sie. Steuergelder für die Massnahmen seien nicht angebracht und es liege an den Eltern und der Lehrerschaft, die Kinder für das richtige Verhalten auf der Strasse zu erziehen.

«Wer kontrolliert nach Einführung die Tempolimiten?», fragt alt Kantonsrat Georg Hofmeier. Er könne sich eher vorstellen, ein mobiles Gerät anzuschaffen, das den Automobilisten die gefahrenen Stundenkilometer anzeigt. Er macht auch auf die parkierten Fahrzeuge auf der Strasse aufmerksam, die Kinder und Fussgänger gefährden. Weitere Argumente der Gegnerschaft sind die Einschränkung der persönlichen Freiheit, der Schilderwald und die Fahrschikanen. Eine hohe Stimmbeteiligung ist garantiert und die Spannung gross, welches Lager an diesem geschichtsträchtigen Abstimmungssonntag gewinnt.

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