Spitäler

Tausende OPs verschoben: Ab Montag beginnt der Kampf gegen den Operationsstau

Vielleicht schon bald wieder ein ganz normales Spital? Das Corona-Referenzspital Bruderholz.

Vielleicht schon bald wieder ein ganz normales Spital? Das Corona-Referenzspital Bruderholz.

1000 Operationen hat alleine das Kantonsspital Baselland wegen Corona abgesagt. Ab Montag darf wieder frei operiert werden, die öffentlichen und privaten Spitäler der Region machen sich also an den Abbau der Wartelisten. Doch einfach wird es nicht.

Sie sind lang, sehr lang: die Wartelisten der wegen der Corona-Beschränkungen verschobenen Operationen und Sprechstunden an den öffentlichen und privaten Spitälern. «Gegen 1000 Operationen mussten wir absagen», hält Anita Kuoni, Sprecherin des Kantonsspitals Baselland (KSBL), fest. «Wir sind alle einfach froh, dass es nun wieder Richtung Normalbetrieb geht», sagt deshalb Robert Rosenberg. Der Chefarzt Chirurgie am KSBL spricht für seinen Bereich allein von 80 ausstehenden Operationen und 180 Sprechstunden. Bereiche wie die Orthopädie mit dem hohen Anteil Wahleingriffe sind noch stärker betroffen.

Unispital will Intensivstation entlasten

Wobei: Vom Normalbetrieb sind die Spitäler noch weit entfernt, wenn ab Montag laut bundesrätlicher Verordnung wieder auch nicht-dringende Eingriffe und Untersuchungen erlaubt sind. «Die volle Leistungsfähigkeit werden wir wohl erst in ein paar Monaten erreichen», sagt Rosenberg. Denn vorerst gelten die Hygiene- und Abstandsvorschriften des Bundes noch und die Kantone sind verpflichtet, ausreichend Kapazitäten für die Behandlung von Coronapatienten freizuhalten.

Die Kantone hätten sogar die Kompetenz, nicht-dringende Eingriffe weiterhin einzuschränken. Wie Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt sagt, habe man dies aber «nicht unmittelbar vor». Das Basler Universitätsspital (USB) geht davon aus, ab Montag mit etwa 80 Prozent der vollen Leistung zu fahren. «Wir planen, nicht zu viele OPs gleichzeitig durchzuführen, nach denen die Patienten auf die Intensivstation müssen, um diese nicht zu überlasten», sagt USB-Sprecher Nicolas Drechsler. Eine eigentliche Reserve plane man für die Intensivstation aber nicht ein, da eine neue Coronawelle rechtzeitig erkannt würde. Froh sei das USB, am Montag die Polikliniken wieder zu eröffnen. Für alle ambulanten Patienten gelte Maskenpflicht.

Nur noch 50 Betten für Coronapatienten am Bruderholz

Der Baselbieter Krisenstab hat laut Kuoni derweil entschieden, dass auch das als reines Coronaspital spezialisierte Bruderholz «stufenweise» wieder zum Normalbetrieb zurückkehren könne. Zehn Beatmungsplätze und 50 Betten würden für Coronapatienten in Betrieb gehalten. «Die Organisation des Operationsbetriebs ist jetzt eine grosse Herausforderung, da viele Geräte zwischen den Standorten verschoben worden sind», sagt Rosenberg.

Am KSBL rechnet man damit, dass Sprechstunden in Liestal am Montag starten können, in Laufen am Mittwoch und im Bruderholz ab dem 4. Mai. Bis dahin soll auch bei den Operationen in Liestal der Vollbetrieb wieder erreicht werden, im Bruderholzspital erst eine Woche später. «Die vergangenen Wochen erbrachten wir nur ein Drittel unserer operativen Leistung», sagt Rosenberg. Dies auch, weil viele Menschen Angst hatten, trotz Schmerzen ins Spital zu gehen. «Diese Angst ist unbegründet. Die Menschen sollen wieder zu uns kommen.» Bestehen bleibt allerdings der Besuchsstopp.

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