Studentisches Wohnen
Eine Basler Plattform will der «Schlummermutter» eine neue Chance geben

Nachdem vor einigen Jahren bereits ein ähnliches Projekt gescheitert ist, wird mit «ZiUm» ein neuer Versuch gestartet. Die Plattform will Untervermietende und Studierende vernetzen und prüfen.

Elodie Kolb
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Neben dem Studentenwohnheim und Wohngemeinschaften unter Studierenden gibt es aber auch welche, die lieber zur Untermiete wohnen.

Neben dem Studentenwohnheim und Wohngemeinschaften unter Studierenden gibt es aber auch welche, die lieber zur Untermiete wohnen.

Kenneth Nars

Für viele junge Erwachsene beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt und das ist oft der erste Schritt in die Unabhängigkeit von den Eltern. Das Ausziehen aus «Hotel Mama» gehört für viele dazu. Ob im studentischen Wohnheim oder in einer privaten WG. Doch diese Möglichkeiten decken nicht alle Bedürfnisse ab. «Es gibt eine überraschend grosse Anzahl Studierender, welche das Wohnen zur Untermiete bei einer Privatperson bevorzugen», sagt Sylvia Marelli, die mit «ZiUm» Anfang Juni eine vermittelnde Plattform lanciert. Diese soll Vermietende und Studierende, die sich in einem Zimmer zur Untermiete einquartieren möchten, vernetzen. Macht die ehemalige Leiterin des Studentenheims an der Mittleren Strasse mit ZiUm die «Schlummermutter» wieder attraktiver?

Mehr aus Neugierde als aus finanzieller Notwendigkeit

Das Konzept der verwitweten «Schlummermutter», die mit einem studentischen Untermieter etwas Geld verdienen will, ist in der Schweiz heute kaum ein Thema mehr, glaubt Marelli: «Der finanzielle Anreiz steht in der eher wohlhabenden Schweiz nicht unbedingt im Vordergrund.»

Sylvia Marelli war lange Zeit die Leiterin des Studentenwohnheims an der Mittleren Strasse.

Sylvia Marelli war lange Zeit die Leiterin des Studentenwohnheims an der Mittleren Strasse.

zvg

Es seien dann in vergleichbaren Angeboten im deutschsprachigen Ausland vor allem Menschen über 70 Jahren, die sich für Untermieter interessieren, besonders um nicht allein zu sein. Aber es gebe auch jüngere Interessenten in den 50er, die sich sagen würden: «Es interessiert mich, mit einem Studierenden zusammenzuwohnen und mich mit ihm oder ihr auszutauschen», wie Marelli weiss. Und gerade bei diesen Menschen, die sich weniger des Geldes wegen für das Projekt interessieren, «gibt es enorm attraktive Mieten für die Studierenden im Vergleich zu WGs», sagt sie.

Studierende sind interessierter

Während die Rekrutierung von Vermietern sich deutlich schwieriger gestaltet, weiss die 65-Jährige, dass von Seiten der Studierenden ein grösseres Bedürfnis nach Zimmern zur Untermiete besteht. Beispielsweise bei jungen Erwachsenen, die sich noch etwas unsicher fühlen würden oder sich aufs Studium konzentrieren und aus Angst vor Ablenkung nicht in einer WG wohnen wollten. Auch Studierende aus dem Ausland, welche auf diese Weise mit der neuen Umgebung vertraut werden möchten, bevor sie eigenständig wohnen, ziehe es oft in private Unterkünfte. Dort will ZiUm anknüpfen. Denn in Basel gebe es einen solchen Vermittler, der Anbietende und Nachfragende prüft, noch nicht.

Marelli bleibt aber realistisch: «Wir werden wohl eher ein Nischenprodukt bleiben. Es ist einfach ein zusätzliches Angebot.» Besonders der Sicherheitsaspekt, habe sie gemerkt, sei auf beiden Seiten ein Thema: «Im Internet kann schliesslich jeder inserieren. Und mit der Plattform können wir zumindest eine erste Prüfung machen, damit sowohl Mieter als auch Vermieter wissen, wer die jeweils andere Person ist.» Während der Pilotphase wird die Vermittlung nichts kosten, so Marelli. Nach einem Jahr werde sie weitersehen.

Ähnliches Projekt in Basel gescheitert

ZiUm ist nicht das erste Projekt seiner Art: Bereits vor einigen Jahren wurde das Konzept «Wohnen für Hilfe» in Basel von der studentischen Wohnvermittlung lanciert und wieder eingestellt. Marelli sieht das Scheitern des Projekts in der mangelnden Nachfrage: Damals war die Idee, dass Private Studierende aufnehmen, die den Vermietenden im Gegenzug Hilfestellungen im Alltag bieten. «Aber da gab es kaum Interesse von Seiten der Studierenden. Oft wollen sie sich nicht von Anfang an für ein unbekanntes Ausmass verpflichten, gerade wenn sie auch noch nicht wissen, was im Studium auf sie zukommt», sagt sie. Die Zukunft ihres Projekts sieht sie rosiger: «Ich habe bereits Rückmeldungen bekommen, die mir Hoffnungen machen, wenn man dem Projekt genug Zeit gibt.»

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