Musik

Steff la Cheffe: «Ich bin ein Punk im Pop-Pelz»

Mittlerweile hat sie ihren «Minderwertigkeitskomplex» überwunden und tritt auch ohne Backing-Sänger auf: Steff la Cheffe zeigt Mut zur Melodie.

Die Rapperin tritt am Samstagabend auf dem Floss auf – und traut sich trotz grosser Zweifel endlich auch zu singen

Heute Samstagabend steht Steff la Cheffe (32) zum zweiten Mal in ihrer Karriere auf der Floss-Bühne. Vier Tage zuvor ist sie noch zu Hause am Putzen und Aufräumen. Für ein Telefongespräch nimmt sie sich Zeit, ihr Manager betont aber vorab: Lieber als über ihre Rolle als Frau in der Rapszene wolle Steff über ihre Musik sprechen. Zu ihrem Bedauern gehe diese in Interviews zuweilen etwas unter.

Steff la Cheffe, haben Sie einen strengen Tag vor sich?

Nein, es geht. Heute habe ich keine Auftritte.

Sprechen wir über Ihr Konzert. Zuletzt waren Sie vor acht Jahren auf dem Floss. Mögen Sie sich erinnern?

Ja, das war auf meiner ersten Tournee. Ich weiss noch, dass es anfing zu regnen und die Leute trotzdem geblieben sind. Das hat mich mega gefreut, es ist recht abgegangen.

Was haben Sie sonst für einen Bezug zu Basel?

Basel ist für mich das, was lange Zeit Zürich war. Es ist der Ort, wo ich Musik mache oder ins Flugzeug steige. Einer meiner Produzenten, Benjamin Noti, stammt aus Basel. Mit den Aufnahmen fürs neuste Album haben wir in seinem Studio in Basel begonnen. Einmal waren wir am Morgestraich. Es war beeindruckend. Die ganze Stimmung, diese Tradition. Alle sagen, Piccolos seien nervig. Es stimmt, sie sind penetrant, aber in diesem Kontext sind sie stimmig.

Heute sind Sie im ganzen Land bekannt. 2007 wurden Sie als Musikerin zum ersten Mal in einer Zeitung erwähnt. Wie hat sich Ihr Musikstil seither verändert?

Ich würde sagen, er ist organisch gewachsen. Zu Beginn bin ich als Beatboxerin aufgetreten, dann als Rapperin. Ich hatte früher die Vision, meine Stimme in allen Facetten zu meistern, rhythmisch, harmonisch, melodisch.

Ihr neustes Album «Härz Schritt Macherin» ist melodischer als die bisherigen. Sind Sie heute mehr Popsängerin als Rapperin?

Das Album ist poppiger, das stimmt. Aber die Genres sind generell näher zusammengerückt. Ich frage mich manchmal, wie viel ich mit dem Hip-Hop noch am Hut habe. Diese Attitüde langweilt mich, ich finde sie abstossend. Ich glaube, ich bin ein Punk im Pop-Pelz. Dort, wo ich etwas toll finde, bediene ich mich. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, dem Rap-Klischee zu entsprechen. Aber als Sängerin würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen. Dafür habe ich zu wenig Erfahrung.

Sie sind bescheiden.

Ich würde eher sagen, ich habe einen Minderwertigkeitskomplex, weil ich keine Gesangsausbildung habe. Als Kinder singen wir alle noch ohne Hemmungen, dann kommen wir in die Pubertät und verlieren diese Unbeschwertheit.

Sie haben Hemmungen?

Lange Zeit hat es mir die Stimme abgeklemmt, wenn ich live singen musste. Beim Rappen hatte ich das nie. Aber waren wir im Studio und jemand Unbekanntes hat mich singen gehört, dann wurde ich unsicher. Und vor Publikum ist es dann nochmals etwas anderes. Da habe ich nur eine Chance, da muss ich es einfach bringen.

Wie haben Sie es geschafft, diese Unsicherheit abzulegen?

2010 war ich mit Andreas Vollenweider auf Tour. Er hat mich jeweils im Backstage-Bereich singen gehört und mich dazu ermutigt, mehr auszuprobieren. Und meine Backing-Sänger haben mir Tipps gegeben. Mittlerweile finde ich, ich singe ganz passabel. Aber auch jetzt hatte ich mega Bammel, bis zur Plattentaufe.

Sie haben vor der Veröffentlichung Ihres letzten Albums eine dreijährige Pause eingelegt, um Ihren Platz in der Musikszene zu finden. Haben Sie ihn gefunden?

Ich musste mich selbst neu definieren, ja. Eigentlich bin ich ganz zufrieden im Moment. Aber alles ändert sich ständig. Momentan stehe ich vor geschäftlichen Herausforderungen. Die Industrie ist im Umbruch. Durch Streamingdienste fallen unsere Einnahmen weg. Ich muss mir die Frage stellen, ob ich ein zweites Standbein brauche.

Was könnte das sein?

Das weiss ich im Moment nicht.

Überlegen Sie sich, mit der Musik aufzuhören?

So klar will ich das nicht sagen. Es wird keine Schwarz-Weiss-Lösung geben. Ich muss einfach herausfinden, wo ich hinwill. Ich spüre einen starken Drang, mich neu zu erfinden. Vielleicht brauche ich auch ein neues Alter Ego. Ich spiele ja schon länger mit diesem Gedanken. Finanziell brauche ich einen neuen Weg. Allmählich mache ich mir Gedanken zu meiner Vorsorge. Ich habe noch nie in meine dritte Säule einbezahlt. Das sind Gedanken, die jetzt kommen.

Auch Ihre Musik ist nachdenklicher als früher. Laute, politische Statements sind seltener geworden.

Ja, ich habe mich politisch bewusst zurückgehalten. Als ich jünger war, habe ich mich informiert und mich ständig aufgeregt. Wir haben gegen das WEF und den Irakkrieg protestiert.

Und heute?

Mittlerweile sehe ich politische Probleme vielschichtiger. Sie werfen mich auf mich selbst zurück. Ich habe einfach gemerkt, hey, es bringt nichts, mich aufzuregen. Jetzt versuche ich, meinen eigenen Beitrag zu leisten. Das Ganze geht ins Philosophische und Spirituelle hinein.

Steff la Cheffe
Samstag, 3. August, 21 Uhr, Festival Im Fluss, Basel.

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